HERMANN HESSE

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Hesses Lieblingsautoren: Novalis, Hölderlin, Mörike

 

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Hesses Lieblingsautoren: Novalis, Hölderlin, Mörike
Artikel von Dr. Jürgen Weber
am 12.09.2002
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Aus Hermann Hesses Äußerungen und seinen Dichtungen lassen sich unschwer einige Lieblingsautoren hervorheben.
Dieser Artikel führt uns diese etwas näher vor.

Aus Hermann Hesses Äußerungen und seinen Dichtungen lassen sich unschwer einige Lieblingsautoren hervorheben (abgesehen von den großen halbmythischen Werken der asiatischen und griechischen Antike). Mit Vorbehalt, teilweise mit Ablehnung begegnete Hesse allen "Pathetikern", zu denen er namentlich Dante, Hebbel, Schiller und George zählt. Gerade Friedrich Schiller oder später auch Gerhart Hauptmann schätzte er nicht besonders. Im Gegensatz dazu waren es die feinfühligen, nach innen gekehrten, sensibel-verspielten und zerbrechlichen Poeten, die ihn anzogen. Neben dem von Hesse hoch verehrten Jean Paul und dem mehr geachteten als geliebten Goethe waren seine Lieblingsautoren Novalis, Hölderlin und Mörike.


Novalis

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Klick zum Vergrößern Novalis
 
Die wenig umfangreiche Dichtung von Novalis war für Hesse "das wunderlichste und geheimnisvollste Werk, das die deutsche Geistesgeschichte kennt."
Eng verknüpft mit dem durch und durch poetischen Werk ist das Leben des Novalis.

Stets haben jene außerordentlichen Schicksale geistiger Menschen das tiefste Interesse der Nachlebenden erregt, in welchen die Tatsache zum Ausdruck kommt, daß das Genie nicht nur eine geistesgeschichtliche, sondern ebenso, ja vor allem, eine biologische Angelegenheit ist. In der neueren deutschen Geistesgeschichte sind die edelsten Gestalten von dieser Art Hölderlin, Novalis und Nietzsche. Während Hölderlin und Nietzsche sich, nachdem das Leben ihnen unmöglich geworden, in den Wahnsinn zurückziehen, zieht Novalis sich in den Tod zurück, und nicht etwa in den beim Genie so sehr häufig sich aufdrängenden Selbstmord, sondern er stirbt, indem er wissend sich selbst von innen her verbrennt, einen magischen, frühen, blühenden und ungeheuer fruchtbaren Tod -denn gerade von diesem seltsamen Ende des Dichters, von seinem positiven, magischen, außerordentlichen Verhältnisse zum Tode strahlt seine stärkste Wirkung aus. Und diese Wirkung ist viel tiefer, als die Oberfläche unsres Geisteslebens ahnen läßt.
[aus Nachwort zu „Novalis – Dokumente seines Lebens und Sterbens“, WA (=Werkausgabe) 12 S.234]

In seiner poetischen Kraft vergleicht Hesse Novalis mit Goethe und sagt:
"Vielleicht hat überhaupt kein anderer Deutsche eine so überquellende poetische Seele besessen." Ganz gleich, ob es der Roman Heinrich von Ofterdingen war oder die Hymnen an die Nacht, die Lehrlinge zu Sais oder die Gedichte, aus jeder Zeile von Novalis spricht für Hesse Großes.
Novalis war vor allem die schwärmerische Jugendliebe Hesses. Er stellte Novalis-Zitate seinen ersten beiden Büchern als Motto voran. Auch eine kleine Erzählung mit dem Titel "Der Novalis" über die Wirkung von dessen Schriften auf Leser des 19. Jhts. schrieb er mit 20 Jahren.
Aber auch in späteren Werken ist Novalis immer präsent, gerade auch in der Morgenlandfahrt und im Glasperlenspiel. Seine Lieblingszitate kommen darin vor:
"Schicksal und Gemüt sind Namen eines Begriffs" und "Wo gehen wir hin? - Immer nach Hause"


Friedrich Hölderlin

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Klick zum Vergrößern Hölderlin
 
Hölderlin nennt Hesse den "größten deutschen Lyriker". Mit ihm fühlte er sich schon allein durch seine Biographie verbunden (Kloster Maulbronn, Tübinger Stift). Lektüre von Hölderlin, vor allem seine Lyrik, war schon früh für Hesse wichtig und er hielt ihn sein Leben lang hoch.
Auch bei Hölderlin war es das persönliche Schicksal, das Hesse neben dem Werk faszinierte. Hölderlin war einer der Dichter, die an sich, an ihrem Genie und an der Welt zerbrochen sind.

Es gibt Falle, wo der edlere Mensch sich gegen die Brutalität des Schicksals und der Masse überhaupt nicht anders retten kann als durch den Einbau einer Isolierschicht gegen die Welt, diese Schicht nennt das Volk dann Wahnsinn; der größte, auf eine Art vorbildliche Fall dieser Art war Hölderlin. Der hat als er bis zun. Unerträglichen belastet und gereizt war, sich der Welt auf eine geradezu geniale Weise zu entziehen verstanden, und hinter seiner Isolierschicht hat er, wie man zum Teil erst in neuerer Zeit entdeckte, nicht bloß je und je schöne Verse gemacht, sondern sogar eine richtige menschliche wie dichterische Entwicklung erlebt.
[aus „Hölderlin – Dokumente seines Lebens“ S.280]

Hesse hat nicht nur Gedichte über Hölderlin geschrieben, sondern auch eine Erzählung "Im Presselschen Gartenhaus". Darin wird die Zeit der Umnachtung beschrieben, in der ihn Wilhelm Waiblinger und Eduard Mörike besuchen und durch den Umnachteten Hölderlin in ihrem eigenen Dichtertum beeinflusst werden.
Auch das Pseudonym Emil Sinclair, das Hesse vor 1920 mehrfach wählte (z.B. im Demian), stammt aus dem Umkreis von Hölderlin.


Eduard Mörike

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Klick zum Vergrößern Mörike
 
An der Spitze von Hesses "Lieblingsdichtern" stand zweifellos der schwäbische Dichter Eduard Mörike.

Es gibt keinen Dichter, der mir im Herzen so nahe steht wie Mörike.

Hesse bezeichnet sich als "Mörike-Verehrer und einer, der ihn beinahe allein ganz und gar zu verstehen glaubt".
Hesse hortete Mörike-Ausgaben, sammelte alles, was jemals an Mörike-Äußerungen herausgegeben wurde, brachte selbst Original-Zeichnungen und eine Nachttischlampe Mörikes in seinen Besitz, die er fast wie eine Reliquie verehrte.

Mörike ist der Dichter, den ich von allen am besten verstehen kann; nicht nur als Dichter, sondern überhaupt in allem wirklich ganz verstehe, auch im etwas Verschrobenen und Verrückten.

Es war das Schwäbisch-Bodenständige, die Volkstümlichkeit und die humorvolle Verspieltheit einerseits und die empfindsame Verletzlichkeit Mörikes andererseits, die für Hesse zu einer echten Dichtung führte.

Wer Mörike nur flüchtig kennt, mag ihn vielleicht überaus zierlich, delikat und schalkhaft finden. Fast alles von ihm ist in einen Duft von Grazie gehüllt, und man kann ihn eine ganze Weile mit rein formalem Wohlgefallen und mit befriedigtem Genießerlächeln lesen, bis plötzlich die zarte Decke bricht und Abgründe sich auftun, bei deren Anblick man erstaunt und fast erschrickt. Es gibt wenige Dichter, vielleicht überhaupt wenige Menschen, die so beängstigend nahe am Herzen alles Lebens gewohnt haben, Erdkräfte und gärende Schicksale mit so feinen Nerven gefühlt und belauscht haben, wie dieser unscheinbare schwäbische Pfarrer. Ihm war die alte Sehergabe geschenkt, im Betrachten eines Vogelflugs und im Horchen auf einen leisen Frühlingsnachtwind die Stimme Gottes zu vernehmen, kommende Unwetter früh vorauszufühlen und in Entzücken und Grauen den Geheimnissen der Schöpfung beizuwohnen. Natur und Schicksal belauscht er mit beklommener Ehrfurcht an der Arbeit, und was er selber schafft, ist nie gemacht und gewollt, sondern scheint wie aus jungen Quellen unmittelbar aus der schöpferischen Erde zu rinnen.
[aus Vorwort zu „Mörike: Alte, unnennbare Tage“ S.97]

Es kam Hesse immer darauf an, die einsame, unglückliche Natur Mörikes deutlich zu machen und mit dem Märchen von dem schwäbischen selbstzufriedenen Biedermeier-Idylliker aufzuräumen.

Der behagliche Dorfpfarrer und liebenswürdig spielerische Idylliker, zu dem eine weit verbreitete Urteilslosigkeit den lange verkannten Dichter hat machen wollen, ist eine hübsche, gründlich erlogene Fabel. Mörike ist dem banalen Wohlsein eines „glücklichen Lebens“, das ohnehin in schwäbischen Landpfarrhäusern keineswegs so häufig gedeiht wie die Legende lügt, so fern gestanden wie nur möglich. Er lebte in der manchmal bis zum Trostlosen gesteigerten Einsamkeit, die jeden wahren Schöpfer ungewollt umgibt, und das tiefe goldige Leuchten, das seine Werke für Unzählige zu einem Jungbrunnen und Born der Lebensfreude gemacht hat, ist aus schwerem Leid und Kampf geboren.
[aus „Mörike“ WA 12 S.273]

Hesse liebte alles von Mörike, aber sein Lieblingswerk war das Stuttgarter Hutzelmännlein, von dem er sagte, nur ein Schwabe könne es richtig verstehen.
Häufig ahmte er in seinen Gedichten offen oder versteckt Mörike nach. Er schrieb Gedichte über Mörike und setzte ihm in seiner Erzählung Im Presselschen Gartenhaus ein literarisches Denkmal.

Zwischen Hesse und Mörike gibt es auffallend viele biographische Übereinstimmungen: die schwäbische Herkunft, das Aufwachsen in einer pietistischen Pfarrfamilie, das Beschreiten der Theologenlaufbahn, die Zerrissenheit zwischen Idylle und Einsamkeit, der Hang zu literarischen und malerischen Spielereien.

Hesses Lieblingsautoren Novalis, Hölderlin und Mörike sind alle drei Außenseiter-Dichter, die mit ihrer Umwelt nicht zurechtkommen und daran auf unterschiedliche Weise zerbrechen.
Dies ist ein weiterer Hinweis auf das entscheidende Lebensproblem Hesses, das zugleich das zentrale Thema seiner Werke darstellt: Der Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft.

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