HERMANN HESSE

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Freund meiner Jugend
Artikel von Keith Murray
am 06.08.2001
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Literatur entsteht niemals im Vakuum - auch Autoren haben Vorbilder. F├╝r Hermann Hesse war Friedrich H├Âlderlin von besonderer Bedeutung.

Jedem Hermann Hesse-Bewunderer sind die vielen deutschen Schriftsteller bekannt, die eine starke Wirkung auf Hesse hatten.

Von Bedeutung waren vor allem die Dichter der Romantik. So auch Friedrich H├Âlderlin, der Dichter, der zwischen Genie und Wahnsinn wandelte und der in Hesses Werk oft Erw├Ąhnung findet.

H├Âlderlin wurde am 20. M├Ąrz 1770 in Lauffen am Neckar geboren. Mit 14 Jahren fing er an, die Gedichte von Schiller und Klopstock zu lesen, in seiner Studienzeit lernte er Hegel und Schelling kennen. In der Zeit der Fr├╝hromantik zwischen 1791 und 1805 war er einer der ber├╝hmtesten Dichter Deutschlands. Seine ersten Gedichte wurden 1791 im "Musenalmanach" ver├Âffentlicht. 1794 ├╝bersiedelte er nach Jena, wo er Herder und Goethe traf und regelm├Ą├čig Gast bei Schiller war. 1795 beschloss der Cotta Verlag, den Roman "Hyperion" zu ver├Âffentlichen, und im selben Jahr erschienen weitere Schriften in Schillers Zeitschrift "Die Horen". Zwischen 1795 und 1805 verfasste er verschiedene St├╝cke, unter anderem das Gedicht "Brot und Wein" (1800) und ├ťbersetzungen von "├ľdipus und Antigone" (1804). Nachdem er bereits in den Jahren 1802-1804 krank darniederlag, wurde er 1806 in die Heilanstalt T├╝bingen gebracht. 1808 fiel er in geistige Umnachtung und d├Ąmmerte bis zu seinem Tode am 7. Juni 1843 vor sich hin.

Die ├ähnlichkeiten zwischen Hesse und H├Âlderlin sind auff├Ąllig. Beide stammten aus S├╝ddeutschland und beide besuchten das Seminar in Maulbronn. Auch die Stadt T├╝bingen ist f├╝r beide von Bedeutung: Hier studierte H├Âlderlin, Hesse arbeitete bei einer Buchhandlung. F├╝r beide war die Weltanschauung der Romantik pr├Ągend, auch wenn beide ihre eigenen Philosophien damit verbanden: H├Âlderlin durch sein Ideal des Griechentums, Hesse durch seine Faszination f├╝r den Osten und seine Reaktion auf den Modernismus.

Die Bedeutung H├Âlderlins ist ├╝berall in Hesses Schriften sichtbar, auch in - dem Uneingeweihten unsichtbaren - Kleinigkeiten. Zum Beispiel findet Isaak von Sinclair, H├Âlderlins bester Freund, in Hesses Roman "Demian" Erw├Ąhnung. Der amerikanische Hesse-Forscher Theodore Ziolkowski nennt H├Âlderlin und seinen Roman "Hyperion" als Vorbild f├╝r die dreifache Entwicklung einer Person, die ein Hauptthema in Hesses Romanen ist (siehe Theodore Ziolkowski: The Novels of Hermann Hesse, Kapitel 4: The Triadic Rhythm of Humanization). In seinem Gedicht "Ode an H├Âlderlin", das er 1913 schrieb, wendet Hesse sich an das l├Ąngst verstorbene Vorbild: "Freund meiner Jugend, zu dir kehr ich voll Dankbarkeit/ Manchen Abend zur├╝ck..."

Auch in einigen Prosast├╝cken taucht die Person H├Âlderlins auf. In seiner Erz├Ąhlung "Im Presselschen Gartenhaus" (1913) beschreibt Hesse ein Zusammentreffen von H├Âlderlin, Waiblinger und M├Ârike, wobei der dargestellte H├Âlderlin nicht der junge, sch├Âpferische Dichter ist, sondern der ├Ąltere, dem Wahnsinn verfallene. Lesenswert auch ist sein St├╝ck "├ťber H├Âlderlin", in dem Hesse jenen "heimlichen Liebling und K├Ânig der idealistischen Jugend" lobte.

Wie Novalis, Brentano, und Eichendorff z├Ąhlt H├Âlderlin zu den wichtigsten literarischen Vorbildern Hesses. Derjenige, der sich mit dem Dichter H├Âlderlin besch├Ąftigt, n├Ąhert sich unweigerlich auch Hesse. In seinem St├╝ck "├ťber H├Âlderlin" schreibt Hesse folgende Worte ├╝ber den Dichter, die der heutige Leser durchaus auch ├╝ber Hesse selbst sagen kann: "...es war vor allem die Person des Dichters, der Hauch von edler Geistigkeit und adligem ├ťbermenschentum, was in dieser Zeit einer tiefen Korruption und eines hoffnungslosen Verkauftseins an materielle N├Âte so tief wirkte."

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