HERMANN HESSE

  Name:
  Passwort:
 
 
 

User online: 147 
 
 
  Artikel
 

Hermann Hesses 125. Geburtstag und die neuerliche Anla├črezeption

 

Besuchen Sie auch:









      
 
Start/Artikel
Forum
Autorentreff
Das Werk
Gedichte
Referate/Schule
Weitere Infos
Hesse-Links
Über
Kontakt
   
 
   Fragen stellen
   Referate
   Arbeiten
 

Hermann Hesses 125. Geburtstag und die neuerliche Anla├črezeption
Artikel von Benedikt Zsalatz
am 04.08.2002
  Forum
  drucken
  versenden

Am 2. Juli 2002 wurde Hermann Hesses 125. Geburtstag gefeiert. Es war zu erwarten, da├č sich einige Stimmen erheben w├╝rden, es war auch zu erwarten, da├č es mehr verh├Âhnende, mi├čbilligende und ablehnende Stimmen geben w├╝rde als respektvolle und anerkennende.

 
  
Die wenigen aussagekr├Ąftigen Beitr├Ąge zu diesem Ereignis waren allerdings ersch├╝tternd. Und nicht nur deutsche Stimmen waren es, die sich unisono zu einem Chor der Zyniker vereinigten und nichts Gutes an Hesse lassen wollten als seine hohen Verkaufszahlen und das viele Geld eben, von dem so mancher Schreiber des Suhrkamp Verlages jetzt lebt.
Die schriftstellerische Bedeutung wird ihm vollkommen abgesprochen, allenfalls hat man Respekt vor seinen menschlichen Qualit├Ąten, die man in seinen B├╝chern in r├╝hrend dilletantischer Form zu finden glaubt. Er wird als "Prophet der Pubert├Ąt" betitelt, und so hat man es denn auch leichter, Hesses B├╝cher und seine Person zu verspotten und zu bel├Ącheln. Es gen├╝gt, wenn ein gewisser Reich-Ranicki im TV am Ende einer seiner Selbstdarstellungsfeiern marginal bemerkt, "Unterm Rad" sei ja noch lesenswert, aber alles in allem seien die Zeiten des Hermann Hesse endg├╝ltig vor├╝ber.

Es lie├čen sich Seiten f├╝llen mit diesen und ├Ąhnlichen Aussagen sogenannter renommierter Kritiker und Schriftsteller. Auch Universit├Ątsprofessoren reihen sich unter diese traurigen Ver├Ąchter ein: In Wien etwa bedient man sich der naheliegenden Metapher der "leeren Flasche", die Hesses Glasperlenspiel meint, wenn der Autor der Schm├Ąhschrift in einer ├Âsterreichischen "unabh├Ąngigen" Wochenzeitschrift sich betrogen f├╝hlt durch seine eigene Unf├Ąhigkeit, den Inhalt des Hesse-Werkes zu erfassen. Wie leicht man sich es doch macht in unserern Tagen: was man nicht versteht, erkl├Ąrt man einfach f├╝r einen Etikettenschwindel. Fr├╝her einmal waren Universt├Ątsprofessoren gebildete und geistvolle Personen, heute sind sie glatt konditionierte, antichambrierende H├╝ndchen einer "feuilletonistischen" Gesellschaft (um Hesses Wort zu verwenden), die brav M├Ąnnchen machen und ihr Zeilenhonorar apportieren.
Die interessante Frage ist doch: warum hat sich der oben erw├Ąhnte Menschentypus gerade Hesse als Zielscheibe ausgesucht? Warum werden Hesses B├╝cher so sehr abgelehnt und diskreditiert in unserer Gesellschaft, die sich erhaben f├╝hlt ├╝ber jene Themen, die Hermann Hesse sein Leben lang besch├Ąftigt haben?
Man kann die Hesse-Ver├Ąchter grob in zwei Gruppen einteilen. Zum einen sind da jene, die in j├╝ngeren Jahren selbst mit gro├čer Begeisterung Hesse gelesen haben, mittlerweile aber "erwachsen" geworden sind. Zum anderen gibt es die Berufszyniker, die, mit von Neid auf den Erfolg der wirklichen Schriftsteller und Hass auf sich selbst enstelltem Gesicht, um sich schlagen und allzu gerne auch noch auf Hesse draufhauen. Denn bei einer Strafaktion gegen erfolgreiche Schriftsteller ist man gerne dabei┬ů

Die einen haben das Problem, da├č sie selbst einmal sehr beeindruckt waren von "Demian", "Siddhartha", "Steppenwolf" oder "Narzi├č und Goldmund", um nur die meistgenannten Werke Hesses zu erw├Ąhnen. Damals f├╝hlten sie lebhaft, etwas Wichtigem und Wesentlichem begegnet und m├Âglicherweise auch erdr├╝ckt zu sein von dem Anspruch, den sie an sich selbst stellten. F├╝r sie war das mehr als eine Phase ihrer Jugend, mehr als ein Modetrend wie etwa Vespafahren oder Windsurfen. Wenn sie auch weder das eine noch das andere heute noch aus├╝ben ist diese Art von Begeisterung, die an bestimmte Lebensjahre gebunden scheint, nicht zu vergleichen mit der Bewegung, die die Lekt├╝re von Hesses Werken in ihren Gem├╝tern erzeugt hatte. Sp├Ąter ging man dann eben seinen Weg, studierte oder etablierte sich auf andere Weise in einer Branche und bekam langsam einen Bauch, ein Auto und was so alles dazugeh├Ârt. Der dazu n├Âtige Selbstbetrug in der Weltsicht bekam anderweitig gute Nahrung, und man wurde zu dem, der man jetzt ist.

Klick zum Vergr├Â├čern 
Klick zum Vergr├Â├čern Albert Camus (Portrait)
 
Albert Camus sagt dazu: "Ab einem gewissen Alter ist jeder Mensch f├╝r sein Gesicht selbst verantwortlich." H├Ątte man sich entwickelt, dann w├╝rde man niemals in eine Quelle spucken, aus der man getrunken hat. Die Verachtung Hesses jener also ist als Hilflosigkeit und als Ablehnung eigener Ideale und Weltsichten dieser jungen Jahre zu erkennen, sozusagen als die verkr├╝ppelte Form der alten, verratenen Ideale. Und genau das ist der Punkt: was man nicht integriert, verarbeitet und verstanden hat, dem steht man konfliktbeladen gegen├╝ber, und so ergeben sich dann vor laufender Kamera und eingeschalteten Mikrofonen peinliche Szenen, in denen man die alte Sympathie noch erkennen kann, die jetzt aber von Zynismus und Lebensentt├Ąuschung ├╝berwuchert ist. Es finden sich auch in unseren Schulen viele solcher Exemplare, die eben Lehrer geworden sind.

Die andere Gruppe erregt weniger Mitgef├╝hl, wiewohl sie noch ├╝bler dran ist als die 68er-Typen unserer ersten Gruppe. Durch ihren selbstgef├Ąlligen Zynismus (Ehrl-K├Ânig) erscheinen sie gewisserma├čen einbetoniert in einer dicken Panzerung aus Vorurteilen, Unwissenheit und einer Endlosschleife der Selbstbest├Ątigung und Best├Ątigung durch die entsprechenden Gruppen im applaudierenden Publikum. Ja, diese gibt es immer noch.
Ihnen ist die B├╝hne ├╝berlassen, sie h├Âren wir reden in Funk und Fernsehen, und sie bekommen nicht wenig Geld f├╝r ihre h├Ą├člichen und falschen Worte. Man sollte das alles nicht unwidersprochen lassen, auch wenn man sich in der Minderzahl sieht und wenn man schon m├╝de ist vom Kampf gegen Windm├╝hlen.

Hesses Werke erf├╝llen das, was Eltern, Schule und Gesellschaft nicht mehr erf├╝llen k├Ânnen, wahrscheinlich nie erf├╝llen konnten: sie wecken in uns und sprechen mit uns ├╝ber die echten Themen, die gro├čen und die t├Ąglichen Fragen. Sie stehen auf Seiten des verletzlichen, sich entwickelnden und lernenden (geistigen) Menschen, dessen Anspruch an sein Leben nicht mit Besitz und Konvention ersch├Âpft ist. Und Hesse ist einer der letzten und wenigen, die "das Geistige" noch wahrnehmen konnten und dieses nicht auf ein Epiph├Ąnomen gehirnchemischer Prozesse reduzierte, wie wir es heute schon in der Schule lernen.

Hermann Hesse, der einer der ganz Gro├čen ist, braucht keinen Anwalt. Das alles hat er l├Ąngst selbst erf├╝llt: Seine Kritiker und Ver├Ąchter hat er beantwortet, mit dem Unverst├Ąndnis und der Verachtung vieler gelebt. Wir lesen ihn und wir lieben ihn.


Benedikt Zsalatz, 24.7.2002

zurück


  Morgenlandfahrer: 1416
 
Info: deutsch englisch französisch spanisch italienisch polnisch ungarisch tschechisch türkisch
 
 
Termine:
 
<< Januar 2018 >>
M D M D F S S
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31        

Termin eintragen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 
   

 


© 2004-2010 hhesse.de  |  Impressum  |  Kontakt:  |  Technische Umsetzung: www.ifeelweb.de