Hermann-Hesse-Kolloquium zu Ende: In Calw drehte sich alles um den Steppenwolf

Pressemitteilung
11.07.2004


CALW. In Calw ist das 12. Internationale Hermann-Hesse-Kolloquium mit großer Beteiligung zu Ende gegangen. Rund 250 Zuhörer und ein Dutzend Referenten aus Deutschland, dem europäischen Ausland, USA und Korea beschäftigten sich in Hesses Geburtsstadt unter dem Motto „Dem Chaos die Stirn bieten“ ausschließlich mit seinem Schlüsselroman „Der Steppenwolf", jenem widersprüchlichen Werk, das in den zwanziger Jahren entstand und dem Autor Ablehnung, aber auch späten Weltruhm eintrug.

 
 Arnold Stadler
 
„Ein großes und verstörendes Werk der Weltliteratur" und eine „Art Außenseiter-Bibel": Mit diesen Worten beschrieb der Schriftsteller Arnold Stadler Hesses Steppenwolf – „ein Genie des Leidens wie Jesus". Entstanden sei eine „konstruktive Katastrophenliteratur", in der sich die „Krankheit der Zeit" und Hesses persönliche Krise spiegelten. Hesse, zu jener Zeit am Rande des Selbstmords, hat nach Stadlers Überzeugung lieber geschrieben, als zu sterben. Hermann Hesses Versuch, die Welt zu bilanzieren, sei geradezu visionär gewesen: „Als hätte er unsere Zeit schon gekannt", so der Büchner-Preisträger Arnold Stadler in Calw. Das Werk, in dem Hermann Hesse sein Ego auf drei Personen verteilte, sei immer noch aktuell: „Ich teile mit Hesse den Glauben, dass der Steppenwolf noch lebt". Den Calwer Dichter nannte Stadler einem „Moralisten zur rechten Zeit" und einen „Gefährten, der einen manchmal ein Leben lang begleitet."

„Der Steppenwolf“ habe auch ihn verstört, bekannte der amerikanische Hesse-Biograf Prof. Dr. Ralf Freedman von der Princeton-University: „Ich gab bereits in den 60er-Jahren Vorlesungen zum Steppenwolf, aber einfache Antworten gab es nie.“ Der Roman sei in Wirklichkeit verkleidete Lyrik, in jedem Fall aber „eine große Prosadichtung“ und „ein geniales Bauwerk“.

Mit einer ähnlichen Perspektive beleuchtete Rudolf Probst vom Schweizerischen Literaturarchiv die Entstehungsgeschichte des Steppenwolf: Hesses persönliche Krise habe zunächst in den Krisis-Gedichten ihren Ausdruck gefunden, im Roman fand dann die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Krise statt. Das Verfassen des Steppenwolf sei als ein Transformationsprozess vom Gedicht zum Roman zu betrachten. „Beim Schreiben wurde sich der Verfasser über die zeitbedingten Gründe für seine Krise klar.“ Entstanden sei ein „Gesamtkunstwerk“ und das „literarische Zeugnis einer subjektiven Krise“.

Quelle: www.hhesse.de