"Anarchistische Abendunterhaltung!" - Eintritt kostet den Verstand

Artikel von Timo Reith
02.11.2001


Texte und Gedanken aus Hermann Hesses Steppenwolf Jahren

Ausgewählt, vorgetragen und erläutert von
Marco Schickling

"In meinem Leben haben stets Perioden einer hochgespannten Sublimierung, einer auf Vergeistigung zielenden Askese abgewechselt mit Zeiten der Hingabe an das naiv Sinnliche, ans Kindliche, Törichte, auch ans Verrückte und Gefährliche."

Der dies 1927 im Geleitwort zu seinem Gedichtband Krisis schrieb, war kein Geringerer als der weltweit am meisten gelesene deutschsprachige Dichter Hermann Hesse (1877-1962). Zu jener Zeit, kurz nach Erscheinen seines zum Kultbuch gewordenen Romans Der Steppenwolf durchlitt und durchkämpfte Hesse eine seiner tiefsten persönlichen Krisen, deren Überwindung er durch die Anerkennung verdrängter Regungen und Triebe und ihrer künstlerischen Verarbeitung bewältigte. Die selbstmörderische Infragestellung seines Daseins als Mensch wie als Autor wurde schließlich zum Hauptthema seiner Krisis-Gedichte, aus denen heraus der Steppenwolf entstand. Das ,,Magische Theater", das zu Beginn des Romans als "Anarchistische Abendunterhaltung" angepriesen wird, erweist sich dabei als wichtiges Mittel auf dem schweren Weg zur Lösung der Krise.
Hesses Briefe, Gedichte und Prosastücke der Jahre 1925-1927 dokumentieren diesen Weg und sind zugleich ein Stück schonungsloser Zeitkritik, Bewußtwerdung und Konfession, die für ihn lebensnotwendig waren - oder wie er es 1926 in einem Brief formulierte:
"Ich habe schon seit Jahren den ästhetischen Ehrgeiz aufgegeben und schreibe keine Dichtung, sondern eben Bekenntnis, so wie ein Ertrinkender oder
Vergifteter sich nicht mit seiner Frisur beschäftigt oder mit der Modulation seiner
Stimme, sondern eben hinausschreit."

Die Veranstaltung, die in die Abgründe eines großen Autors führen soll, besteht aus Lesungen kaum bekannter Texte aus den Steppenwolf-Jahren sowie
interessanten biographischen Hintergrundinformationen und Erläuterungen zu ihren
Entstehungsbedingungen. Ziel ist es, bislang wenig beachtete Facetten und Abgründe Hermann Hesses vorzustellen.

Marco Schickling (26) ist Mitarbeiter im Lektorat Hermann Hesse im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, wo er u.a. das literaturkritische Werk von Hermann Hesse betreut, das ihm zur Zeit als Thema seiner Doktorarbeit dient.


WANN: Montag, 26. November 2001, 20 Uhr

WO: Scheck In, Kneipe-Bistro-Cafe (www.scheck-in.de)
Berliner Straße 49
33330 Gütersloh

Quelle: www.hhesse.de