Aufzeichnungen aus Baden

Artikel von Keith Murray
21.11.2001


Die Stadt Baden in der Schweiz spielte keine geringe Rolle in Hesses Leben. Alljährlich fand er sich im Verenahof zu einer Kur ein.
Keith Murray besuchte Baden im Oktober und stellt in diesem Artikel die Stadt aus der Sicht eines "Hesse-Reisenden" vor.

Am 19. Oktober 2001 bin ich in die Schweiz geflogen, um Freunde zu besuchen und mir die verschiedenen Hesse-Stätten im deutschsprachigen Teil der Schweiz anzusehen.

Erster Aufenthalt war in der Stadt Baden, Wohnort meiner Freunde und oft-besuchtes Erholungsziel Hermann Hesses. Laut eines Prospektes der Badener Tourismus-Information:

„...Die Entstehung der Bäderstadt Baden geht auf das Wasser zurück. Bereits die Römer und die Helvetier nutzten vor über 2000 Jahren die mineralreichsten Thermen der Schweiz und nannten Baden 'Aquae Helveticae'. Rund eine Million Liter 47-grädiges, heilkräftiges Wasser sprudelt hier täglich an die Erdoberfläche und hilft uns auf der Suche nach dem Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele.“

Zwischen 1923-1952 hat Hesse alljährlich hier in Baden eine Kur gemacht, und zwar im Hotel Verenahof am Kurplatz 1. Am Montag, 22. Oktober haben ich und meine Freunde das Hotel besucht und bei der Rezeption nach Hesses Zimmer gefragt. Das bereits erwähnte Zimmer liegt im ersten Stock und überraschenderweise durften wir das Zimmer sofort und alleine besichtigen. Ein Bild des berühmten Schriftstellers hängt an der Tür des heutigen Konferenzzimmers. Das Zimmer selbst war eher schlicht aber irgendwie dennoch beeindruckend.

Abgesehen von den Thermalbäden spielte Baden eine wichtige Rolle in Hesses Leben und Werken. Sein Bruder Hans lebte in Baden bis zu seinem Tod 1935. Trotz seines Bruders Selbstmords war die Region Baden ein märchenhaftes Land für Hesse, wo er gleichzeitig verehrt und geschätzt wurde. Seine Erinnerungen an, und seine Bemerkungen in Baden sammelte er in seinem satirischen Werk „Kurgast“. Laut Hesse sei Baden von „jener Art von Mentalität, in welche auch ich jetzt eingetreten bin, überaus günstig, und man gerät, so scheint mir, hier ganz von selber, vom genius loci geleitet, in eine gewisse skeptische Frömmigkeit, einfältige Weisheit, in eine sehr differenzierte Vereinfachungskunst, einen sehr intelligenten Anti-Intellektualismus hinein, der ebenso wie die Wärme der Bäder und der Geruch des Schwefelwassers als ein Spezifikum mit zu Baden gehört.“

Später an diesem Tag haben wir auch eine private Stadtführung genossen, gefolgt von einem einstündigen Bad im offenen Thermalbad, welches sehr erholsam und entspannend war. Zu guter Letzt wurde der Tag von einem riesigen schweizerischen Abendessen, was ich nur empfehlen kann, abgeschlossen.



Zum Weiterlesen und Informieren:

Hesse: Sein Leben in Bildern und Texten, von Volker Michels (Hsg.), Suhrkamp, 1979. (Infos zu Hesse und Baden findet man auf Seite 212)

Kurgast von Hermann Hesse, Suhrkamp Taschenbuch, 1977.

Hermann Hesse als Badener Kurgast, von Uli Münzel (Hsg.) mit Zeichnungen von Gunter Böhmer, H. Tschudy & Co., 1952.
-Inhalt: „Die Dohle“ von Hermann Hesse
„Hermann Hesses Badener Psychologie“ von Robert Mächler
„Hermann Hesse als Badener Kurgast“ von Uli Münzel
„Aufzeichnungen aus Baden“ von Hermann Hesse

Hotel Verenahof: Kurplatz 1, CH-5400 Baden, Tel 41 056 203 93 93
www.verenahof.ch

Baden Tourismus: Bahnhof 1, CH-5401 Baden, Tel 41 056 200 83 83
www.baden.ch

Quelle: www.hhesse.de