Die Entdeckung des Herzens

Pressemitteilung
19.07.2002


CALW. Im Rahmen des Asientages folgten zahlreiche Gäste der Einladung in die Calwer Aula, auf dem Programm stand ein Vortrag von Dr. phil. Johannes Heiner.

Klick zum Vergrößern 
Klick zum Vergrößern Dr. phil. Johannes Heiner
 
Anhand des „Porträts der spirituellen Suche Hermann Hesse” zeichnete der Referent die Lebenssinnsuche des großen Dichters nach. Ähnlich wie Hermann Hesse hat Johannes Heiner in seinem von vielen beruflichen Wechseln geprägten Leben (er studierte Germanistik und Romanistik, promovierte 1970, schulte zum Heilpraktiker um, lehrte an verschiedenen Gymnasien, wurde Anhänger von Willigis Jäger, arbeitet heute als Dozent in der Erwachsenenbildung und veröffentlicht in Hochschul- und Literaturdidaktik) den Weg nach innen gesucht, und doch schickte er dem Abend voraus, dass er nicht als spiritueller Meister, sondern als Literaturwissenschaftler referiere. Dass dies dann doch einige Male zu verwischen schien, nahm dem Gesagten keineswegs den Inhalt. Alle inneren Prozesse, so Heiner, habe Hesse über seine Literatur zum Ausdruck gebracht. Siddhartha, Demian, Glasperlenspiel oder Aufsätze wie „Mein Glaube” spiegelten Hesses Lebensprozesse wider. Nach seiner größten Lebenskrise 1916 habe Hesse in den Jahren danach in drei Schritten zur Vollendung gefunden.

Hesses Erzählungen folgten dem eigenen Erlebten, so Johannes Heiner. Hier seien vor allem die Psychoanalyse zu nennen und die Begegnung mit Professor Wilhelm Gundert, der viele Jahre in Japan lebte. Die Berührung mit anderen Glaubensformen habe bei Hesse dazu geführt, dass er allen Religionen ihre Berechtigung zusprach. Spirituelles Suchen: Bei Hesse war es laut Heiner die Mitte die er fand und die er in seiner Literatur weiter zu geben wusste.

„Die Entdeckung des Herzens ist das eigentliche Ziel der inneren Entwicklung”: Hesse bat seine Leser, nicht seine Lebensform nachzuahmen, sondern forderte dazu auf, das eigene Ich zu entdecken. „Der Mensch hat nur eine Heimat und diese wohnt in ihm”, mit dieser Erkenntnis habe Hesse Ruhe gefunden, so Heiner. Und dennoch ließ Hesse keinen Zweifel daran, dass das Suchen kein Ende haben kann, der Leser findet dies niedergeschrieben in den „Stufen”. Mit der Rezitation des Gedichten, die mit dem Satz „Des Lebensruf an uns wird niemals enden, wohl an mein Herz nimm Abschied und gesunde” enden, verabschiedete sich Johannes Heiner an diesem Abend.

Quelle: www.hhesse.de