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Analyse des Prosa-Beitrages Arme(e) Menschen von NaimED.



Arme(e) Menschen
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„Arme(e) Menschen“ von NaimED
Gedanken von Rich.

NaimEDs Kurzgeschichte „Arme(e) Menschen“ ist ein Werk, das den kreativen Prozess erforscht, besonders wie gegen einen feindlichen Hintergrund angesehen. Als solches teilt die Geschichte einige auffallende Eigenschaften mit mehreren der bekanntesten Arbeiten Franz Kafkas, einschließlich „In der Strafkolonie“ und Der Prozess. „Arme(e) Menschen“ ahmt jedoch nicht bloß Material Kafkas nach, aber überarbeitet es in eine frische Kreation, die einige von Kafkas eigenen Themen überschreitet.

Ein erzählender Ton, der an Kafka erinnernd ist, wird am Anfang der Geschichte hergestellt. Der Leser wird mit einem namenlosen Protagonisten konfrontiert—wen wir bloß als „der Rekrut“ kennen—der sich plötzlich ausgeschlossen von der Gesellschaft befindet, die er bisher gekannt hat, in diesem Fall eine Armeeeinheit. Von zentraler Bedeutung für diese Geschichte ist der Gebrauch des Autors von der passiven Stimme an den verschiedenen Punkten, wie in vielen Werken Kafkas. Die militärische Polizei z.B. ergreift nicht den Rekruten; eher „...[er wird ] von der Militärpolizei ergriffen”. Während in diesem Fall ein Grund für die Verhaftung gegeben wird, erinnert der Satz selbst dennoch an den ersten Satz von Kafkas Der Prozess: „Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Ähnliche Sätze sind:

„…ihm wurde geraten an der rechten Wand zu schlafen…“
„Schon als ihm die Haare schnitten…“
„Plötzlich überkommt es ihn.“

Ein vorsichtiger Messwert der Geschichte, mit Aufmerksamkeit zum Kontrast zwischen der aktiven und passiven Stimme, ist zum Lokalisieren der zentralen Spannung der Geschichte wesentlich, denn das Schicksal des Rekruten kommt nicht in die Frage. In der Tat wird der Tod des Rekruten reichlich in der Arbeit vorher angedeutet, besonders mit der Frage "Würde er sich am Schluss etwa sogar umbringen?" Eher liegt die Spannung der Geschichte im Ausgleich der Armee der schriftstellerischen Aspirationen des Rekruten (die durch das Scheren seiner dreadlocks symbolisiert ist), zu denen der Rekrut fähig ist, in zwei eindeutigen Phasen zu überwinden.

Die unerträgliche Hitze teilweise seiner Kleidung zuschreibend, entfernt dem Rekrut seine Uniform und lässt ihn schließlich nackt in seiner Zelle. Die Entfernung der Uniform trägt für den Rekruten die symbolische Bedeutung von gleichzeitiger Entfernung seiner temporären und auferlegten Identität als Mitglied der Armee. Die Änderung seiner Identität wird dadurch verstärkt, als er seinen Kopf in die Toilette der Zelle steckt, in einer Art Taufe.

Die zweite Phase der Befreiung des Rekruten tritt auf, als er eine Nacht-lange kreative Katharsis erfährt. Diese Szene ist an Kafka in zwei sofort erkennbaren Respekten erinnernd: der kreative Ausbruch ähnelt dem von Kafkas Schreiben von „Das Urteil“, eine Arbeit, die er in einem Nachtstoß des Schreibens durchführte und die auf dem Verhältnis zwischen einem Sohn und seinem Vater zentriert, ein Verhältnis, das auch am Ende von „Arme(e) Menschen“ auftaucht. Zusätzlich erinnert der Gebrauch des Rekruten seiner eigenen Uniform als Schreibpapier an die Hinrichtungsmethode der Maschine in Kafkas „In der Strafkolonie“. Hier werden die Rollen im Stück Kafkas des Gefangenen und die Maschine (und, möglicherweise, auch der Offizier) in die Abbildung des Rekruten zusammengelegt, der die Geschichte als der Gefangene öffnet, der sich von dieser Identität trennt, die durch die Uniform symbolisiert wird, und der seinen Traum, Schriftsteller zu werden, erlaubt, sich auf der Hartnäckigkeit der Armee aufzuerlegen.

In dieser Hinsicht muß der Tod des Rekruten als etwas positives verstanden werden. Tatsächlich wird die bestätigende Natur des körperlichen Endes des Rekruten durch den Stolz seines Vaters bekräftigt. Ausserdem sind die Versuche der Armee, die Uniform zu waschen, vergeblich:

„Und man erkennt das volle Ausmaß der Arbeit des jungen Rekruten.
Wundervolle Gedichte nebst von inneren Monologen nebst Mandalas und abstrakten Zeichnungen, die an Formenvielfalt kaum zu übertreffen sind.“

„Arme(e) Menschen" ist ein Werk, das schließlich ein Glauben im menschlichen Geist unter ungünstigen Bedingungen ausdrückt. Der Autor setzt eine Vielzahl der Techniken ein, die, wenn ans Werk Kafka erinnert, dennoch ein unabhängiges Ganzes erzielen. Während der Protagonist der Geschichte physikalisch umkommt, lebt er an im Gedächtnis als Schriftsteller und läßt dem Leser freie Hand, wie dem „Jeder“ in der Geschichte, „nachzudenken“.


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