HERMANN HESSE

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**Lausbub**
- von monschdrum



**Lausbub**

Manche hielten den Jungen für verrückt, andere waren ganz vernarrt in ihn, in sein tiefstes etwas sonderbar geartetes Wesen. Wiederum andere konnten gar nichts mit ihm anfangen, wodurch sie meißt meißt auch einfach ignorierten.Zugegeben, der Junge kleine war etwas sonderbar, sprach meißt sinnloses Zeug und unterwarf sich und seinen Mitmenschen oftmals philosophischen Betrachtungen. Er spann an mystischen Gedanken und Gefühlen, hauste in Wäldern und auf Wiesen umher, anstatt sich in der Schule zu vergnügen und benahm sich nicht selten recht komisch. Einmal war er ruhig und in sich verschlossen, ein andermal plötzlich laut und hyperaktiv, tat dann was er will und redete dann ständig und ununterbrochen, so dass er für seine Mitmenschen zur Qual werden konnte und diese ihm dann ihrerseits mit allerlei nicht gerade schmeichelnden Worten einheizten. Eines der philosophischen Probleme, das den Jungen immer häufiger von seiner Umwelt trennte, da er sich zuzeiten nur noch mit diesem Problem beschäftigte, war die Frage: Was nun der Betrachter in ihm und das Betrachtete um ihn herum seien. Der Junge überlegte sich den Betrachter in sich, als jenen, der immer sein eigentlichstes ist, jener, der also letztlich immer betrachtete,leitete und führte. Der Junge wusste auch, das jede erdenkliche Wissenschaft auf gewissen Annahmen beruhte, also auf dem Glauben an bestimmte Axiome oder daran, dass das zu untersuchende Objekt der Begierde überhaupt existent und einer Untersuchung würdig sei. Naturwissenschaft die auf der Annahme beruht-es gäbe gar keine Natur- war für den Jungen logischerweise sinnlos. Einmal kam er so auf den Gedanken die Welt sei nur eine Vorstellung des Betrachters selber, also Betrachtetes eigen Vorstellung von Betrachter; er verwarf diese Modell jedoch genauso schnell wieder, wie andere hundert zuvor auch. Der Junge wusste: Abgesehen von der einen absoluten Wahrheit, gab es tausend andere Wahrheiten, die nur durch den Glauben des Betrachters selber zur Wahrheit mutierte, insofern dass der Betrachter es als seine eigene Wahrheit anerkannte. Einmal als der Junge sich nach geglückter Einnahme seines Abendmahls zu Bette legte, schlief er zunächst ganz friedlich und geborgen ein. Dann begann sich ein Traum in das innere Antlitz des jungen Menschen zu ergießen.Im Traum bestieg der Junge ein Raumschiff, das nur für ihn allein konzipiert worden war. Er verabschiedete sich von Verwandten und Freunden und startete dann in die Weiten des Alls. Er flog von Planet zu Planet, fühlte sich einmal wie ein kleiner Prinz auf der Suche nach neuen Freunden, ein andermal wie Kolumbus, der noch unerforschte Gebiete und Gefielde kennenlernte. In der Nähe eines schwarzen Loches ließ der Junge, in einer von ihm als 5 Minuten wahrgenommenen Zeit, kurz drei Generationen von Menschenleben auf der Erde verstreichen. Der Junge fand hier Schafe, dort neue Völker auf entferneten Planeten und philosiphierte indessen ungehindert weiter, bis er eines Tages in ein Gebiet im All vorstoß, in dem alles verändert und anders erschien, fastgar gegensätzlich zu dem bisher unerforschten Universum. Er drosselte seine Geschwindigkeit etwas und musterte seine neuerdings fremdartig anmutende Umgebung, denn selbst die Farben schienen hier verkehrt und verdreht zu sein. Und mit einem Mal schlug der Hammer des Schreckens auf des Jungens Amboss; er erblickte vor sich, genau auf seinem Kurs liegend ein Raumschiff, welches auf seltsame Art und Weise dem seinigen glich und doch auch anders und verkehrt wirkte. Die zwei Schiffe rasten unaufhörlich aufeinander zu und je näher sie sich kamen umso besser konnte der Junge das Antlitz desjenigens, der im anderen Raumschiff saß, erkennen. Es traf ihn wie der Blitz, denn der Andere in dem Raumschiff war genau er selber. Die Raumschiffe kamen sich stetig näher und je näher sie sich kamen umso schneller flogen sie aufeinander zu. Plötzlich wusste der Junge was ihm geschah, er war in den Teil des Universum vorgedrungen, in der die Antimaterie lagerte, die zusammen mit der Materie aus der er bestand den Exitus bedeutete. Der Junge versuchte verzweifelt seinen Kurs zu ändern, doch die Gravitation zwischen den beiden schiffen war größer, sie bewegeten sich unaufhaltsam aufeinanderzu. Sie waren nur noch wenige Meter voneinander entfernt, als der Junge in die augen seines gegenübers blicken konnte, welche noch eine Sekunde lang von Angst und Schrecken gezeichnet waren, bis die Schiffe kollidierten. Die Spitzen trafen aufeinander und zerfielen zu Nichts, der Prozess begann sich auf die beiden Jungen vorzuarbeiten. Immer größere Teile der Raumschiffe zerfielen und letztlich trafen die beiden Jungen aufeinander. Ihre nach vorne gereckten Fingerspitzen berührten sich und lösten sich auf, weiter hinauf bis zum Armrumpf. Gleichzeitig spürte der Junge vom Arm aus ein unbeaknntes Gefühl der letzten und vollkommenen Einheit in ihm aufsteigen, ein Gefühl der Einheit mit der Umwelt, ja fast schon ein Gefühl der letzten All-Einheit. Dieses Gefühl breitete sich rasend aus. Der Körper des Jungen war schon Nirwana, das Bewußtsein hatte sich aufgelöst, als der Prozess zur Vollendung voranschritt. Es wollte sich gerade des Jungen Innerstes auflösen, nämlich der Betrachter der Situation selbst, als der Junge schweißgebadet aus seinem Traum hochschrack. Seine Gefühle waren gespalten, zum einen fand er in sich Angst vor, zum Anderen war er durch eine tief in ihm fließenden Bach der Glückseligkeit gesegnet. Noch lange fragte sich der Junge was nun mit ihm, dem Betrachter selbst, dort, weit fraussen im All geschehen wäre.

 



 
 

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