HERMANN HESSE

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unschuld
- von Balázs



unschuld

da lag es, im gefrorenen kot gottes, selig und zufrieden dampfte sein noch einen Augenblick davor im tausendgradigen fieber brennender leib. da lag es wie ein difformer christus aus knochensteinen und entseeltem fleisch: antlitz unterwärts, ausgebreitete, gebrochene ärme, glorie aus dem drauffallenden lichte der fahl blinzelnden laternen und dem schmutz der erde. da lag es wie ein totes kind. es war’s.
zwei tage drauf wurde es von einer alten frau gefunden, die, obwohl sie als barmherzige schwester im feld aus rostigem stacheldraht, blut, nackten leichen, puppen und exkrement der sterbenden errichtete berge gesehn hat, dies erlebnis in ihren wenig restlichen tagen nicht mehr verarbeiten konnte. langsam, kraftlos sank sie zusammen, schleppte sich zum kinde hin. schaute den kleinen körper an, streichelte den blutigen, zermalmt gewordenen kopf mit der aufgerissener hand, die sie zur winterszeit in der rechten tasche des altmodischen, braunen mantels mit dem fadenscheinigen pelzkragen zu wärmen pflegte. lautlose stunden vergingen so, bis sie auftaumeln konnte. still, ruhig wie die rollstühligen veterane eines gerechten krieges mit den in verschlissene, gewürfelte decken eingewickelten beinstümpfen ging sie zur ersten telefonzelle und rief die polizei an. sprach mit leiser, gesetzer stimme. zu toben beginnt sie erst, als das kind in die schwarze dose gelegt wurde. bekam eine beruhigungsspritze und ging. lachte. wie eine zerrissene fahne flatterten die zerzausten, weißen haare im kalten nordwind, als sie in die knie sank. fest in der hand hielt sie die starke wollmütze, die sie vor jahrzehnten von mutter als weihnachtsgeschenk bekommen hat. stürzte nach vorne in den schnee. ließ sich von der kälte umarmen...ihre tränen flossen in strömen und lachte leise, kaum hörbar.

 



 
 

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