HERMANN HESSE

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ohne titel
- von Niemand



ohne titel

jetzt sinke ich nieder. zusammengekauert vor dem puter versinke ich in die lieder, die in ihm gespeichert sind. so sitze ich da, nebenbei ein spielchen spielend. so sitze ich mehrere stunden da, jeden gedanken in der tiefe meidend. so geht es schon lange, ich weiss nicht wie. ich habe schon früher zeilen geschrieben, einige bekam ich heute zu lesen. sie gaben mir trost, in ihrer nachricht unverblasst. jetzt fällt es mir leichter die splitter meines herzens in meinen händen zu halten. der gedanke an die zukunft lässt sie sich tiefer in mein fleisch schneiden.

obwohl ich ihn hasse, liebe ich ihn zugleich mit der selben intensität. sowie ich der hass bin, so verkörpere ich zugleich die liebe. beide konkurieren in mir für mich. es schmerzt jedoch, wenn einer der beiden die oberhand gewinnt.

bisher schrieb ich, als es mir schlecht ging. ich will versuchen zeilen zu schreiben, wo ich nicht um jeden atemzug des lebens ringe. oder doch vielmehr mit dem wahnsinn? den verstand zu verlieren stellt nämlich für mich die grösste angst dar, die sich in mir auftun kann, allem anderen kann ich für eine gewisse zeit entfliehen. nur sollte ich wahnsinnig werden, dann gibt es kein zurück mehr...
ich lebe in einer fassade, soviel zu meiner illusion des unbeschwertseins. denn ich spühre förmlich wie der seidene vorhang vor meinem inneren auge wellen schlägt. ich fühle den unruhigen luftzug eines geöffnteten fensters in mir und draussen wütet ein sturm. die mauern, die mich derzeit umgeben, werden bald ihren halt verlieren und gänzlich aus ihrer verankerung brechen. werden mich dem zorn meines unterdrückten ichs ausliefern. dann werde ich im auge des orkans stehen, nackt seinen blicken ausgeliefert. wieder werde ich in diesem zimmer erwachen, wo sich vor einem offenem fenster ein dünner vorhang regt..

 



 
 

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