HERMANN HESSE

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- von Arcturus



Wie ist das mit dem Übermut der Jugend?
Ich teile ihn nicht und doch fühle ich, wie er hie und da in mir aufblitzt; mich dazu verführt einen Moment unbesonnen zu bleiben.
Es liegt tief darin eine Schuldlosigkeit, gleich dem Moment einer unbewussten Handlung, aber nur vorübergehend, betäubend.
Die Stützen werden vergessen, Unabhängigkeit geboren, doch machen mich keine Illusionen frei; das Vergessen befreit nicht, es macht übermütig.
Der Übermut zur Freiheit ist töricht.

Dem Übermut polarisierend stellt sich die Kontemplation entgegen (gegenüber), bedeutet aber nicht das Gegenteil – so betrachtet ist die Versunkenheit der Gedanken sehr anfällig und dem zur Folge „deprimierend“ (bedrückend), aber entschleiernd für den, der sich selbst zu befreien sucht und jenen Weg der Versunkenheit beschritten hat und der gewillt ist nicht umzukehren.
Somit sei festgehalten, das der Versuch(das Vorhaben) sich von der Unbesonnenheit und Illusion zu heilen, ein schmerzvoller ist, der es fordert aus sich zu entwachsen, sich zu überwachsen und um auf sich selbst „herabschauen“ zu können, sich seiner bewusst zu werden. Es ist hier besonders wichtig zu erwähnen, dass es wohl für die meisten schier unerträglich ist, sich selbst zu betrachten und mittels (und als Folge) jener Erfahrung sich empor zu schwingen, mit dem Ziele ein „besserer“ Mensch zu werden.
Was letzteres betrifft, so ist es noch ungeklärt, ob es sich bei diesem Prozess um das erstrebenswerteste Unterfangen handelt und ob es überhaupt möglich ist ein „besserer“ Mensch zu werden, wenn man die Annahme in Betracht zieht, dass die Gesellschaft und das Leben im Ursprung keinem Verständnis oder einer Einteilung von „gut und böse“ entsprechen.
Letzteres beschreibt die mögliche(n) absichte(en) im moralischen Sinne, ich gehe im folgenden aber auf den außermoralischen „Zweck“ ein. Es handelt sich bei der beschriebenen Vertiefung um eine Loslösung, mit dem Ziel, die Ziellosigkeit zu erlangen; nämlich jenen Zustand der Selbstfindung, der von Begierden und Bedürfnissen befreit – dem Einklang mit sich (seiner selbst).
Diese innere Ruhe bedeutet ebenfalls eine unverschleierte Betrachtung des Ursprünglichen und dieses, wie auch immer es sich damit verhält, zu akzeptieren, „zu verstehen“ – soweit als möglich – und sich als Teil desselben, ohne Furcht und Verfremdung zu begreifen.

Abschließend sei gesagt, dass man in diesem Zusammenhang nur weitgehend von einem Zweck sprechen kann, da es sich nicht um die Bemächtigung eines Zustandes handelt, sondern eben gerade um den Verlust solcher Begierden und Abhängigkeiten.
Es handelt sich um eine Befreiung von Zweck und Zwängen, nicht aber von Kausalität.
Freiheit durch ungetrübtes Verständnis des Seins, ohne Abhängigkeiten.

Dieser Zustand muss nicht erst erschaffen werden und dies obliegt uns auch nicht; es muss abgelegt werden, all das Übel, Verzerrende, das wir selbst schaffen.

Ich möchte vorerst damit enden, dass ich gerade begonnen habe zu gehen.

 



 
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