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Weit entfernt
- von Samira



Weit entfernt

Jeden Tag saß die alte Frau auf ihrem Hocker in der Fußgängerzone und verkaufte Blumen. Siefmütterchen. Immer die gleiche Art, immer die gleiche Anzahl. Dass sie jemals etwas anderes angeboten hätte, habe ich nie gesehen.

Menschen strömten hektisch an ihr vorbei, ohne sie zu beachten. Ab und zu stieß sogar jemand einen ihrer Töpfe um, und lief weiter, als wenn nichts geschehen wäre. Die alte Frau schaute ihm nur verständnislos, mit einem leichtem Kopfschütteln nach und brachte alles wieder in die gewohnte Ordnung. Mit einer Ruhe, als ob sie alle Zeit der Welt hätte.

Gesehen, dass sie jemals etwas verkauft, oder sich mit jemandem unterhalten hätte, habe ich nie. Sie saß immer nur auf ihrem kleinen wackligen Hocker und schaute, in sich versunken, dem Treiben zu. Manchmal bin ich am Anfang der Straße stehen geblieben und habe sie mir angeschaut. Ganz lange, einfach nur so. Was mich an ihr so fasziniert hat, weiß ich nicht. Wie sie da saß, mit ihrem alten, faltigen Gesicht, das immer zufrieden und gelassen zu sein schien. Die Mundwinkel jedoch waren leicht verzogen, so, als ob sie sich ständig über etwas amüsieren würde. Auch trug sie jeden Tag das gleiche altmodische, braun-karrierte Kopftuch, unter dem wenige, schlohweiße Haare hervorragten. Nur bei Regen setzte sie sich eine fleckige Haube auf. Die runzligen Hände lagen gefaltet auf der geblümten Schürze, die sie sich jeden Tag um den viel zu dünnen Körper band. Die Füße steckten, egal bei welchem Wetter, immer in den gleichen gelben, viel zu großen, Gummistiefeln.

Anfangs empfand ich immer Mitleid für sie, wie sie da so einsam, ärmlich und verlassen hockte, als ob sie ihr ganzes Leben auf diese Art verbracht hätte. Doch dieses Gefühl schwand schon nach kurzer Zeit und ich verstand, dass diese Frau etwas begriffen hatte, was wir alle erst noch erkennen müssen, um unser Leben genauso friedlich verbringen zu können wie sie.

Seit einer Woche ist sie nun schon nicht mehr an ihrem Platz gewesen. Wahrscheinlich wird sie auch nicht wieder kommen.
Aber ich weiß jetzt, dass sie ein glückliches, ausgefülltes Leben hatte, man sah es ihr an. Ich möchte auch einmal mit diesem Ausdruck in den Augen alt werden.

 



 
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