HERMANN HESSE

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Verlangen
- von cherry



Verlangen

Ich schau aus dem Fenster. Siehe die Baumkronen im Wind tanzen und mit ihnen die Voegel die unter dem starken Wind halt suchen, im dicken Geaest der Tannen. Schwer wird es ihnen fallen, denke ich mir. Ich drehe mich um und setze mich schweigend zurueck in meinen inzwischen kalten und einsamen Ledersessel. Ich schaue Tief in meinen Kamin. Meine Augen fangen an zu traenen und diese traenen finden ihren Weg zu meinem Kinn, wo sie, bis sie die richtige Groesse gefunden haben, auf ihren Fall warten. Dazu kommt es nicht mehr. Ich hebe meinen Arm und trockne diese durch meinen billigen Wollpulover und lasse ihn zurueck auf die Sessellehne wandern. Ich schlage mein Buch wieder auf und versuche die verlorene Seite zu finden. Ich finde einen knick in der Seite. Meine markierte Seite. Ich murmele:"Warum kann nicht alles so glatt laufen?"
Nach 15 Minuten faellt mir das Lesen schwer. Die Traenen haben ihren Zweck erfuellt und meine Augen rot anschwellen lassen um mich zu Bett zu zwingen. Ich lege das Buch auf den mittlerweile warmen, aber doch wieder abkuehlenden Sessel zurueck und ueberlasse dem Kamin sich selber. Ich schleife mich zur Tuer und werfe einen letzten Blick auf das Zimmer, welches mir in den letzten Stunden meines Lebens Waerme und Licht gespendet hat. Ich bewege mich auf den dunkelen Flur zu um noch in das Zimmer meiner Kinder zu schauen, bevor ich zu Bett gehe. Sie schlafen friedlich. Haette ich nicht anders erwartet, immerhin durften sie den ganzen Tag im Schnee toben, bis sie von sich selber aus nicht mehr wollten. Ich schaue zurueck auf mein Leben. Habe ich alle Gelegenheiten so genutzt, wie ich sie nutzen koennte? Das Maximale potential ausgeschoepft? Das Leben kann nur nach vorne hin gelebt werden, aber warum leben wir es, indem wir aus der Vergangenheit lernen und es danach richten? Ach, ich bin viel zu muede um mir darueber jetzt Gedanken zu machen. Ich setze meine mueden und fast gelaehmten Beine in Gang um mein Schlafzimmer zu erreichen. Ich oeffne die Tuer. Das knarren schmerzt in meinen Ohren, nicht alleine weil ich meine Hoergeraete an diesem Abend hoeer als normal gestellt habe, sonder weil ich meine Liebe nicht aufwecken will. Ich unterdruecke das schmerzliche Geraesch durch vorsichtiges und Zeitaufwaendig langsames oeffnen der Tuer. Da sehe ich sie, die Liebe meines Lebens. In Bettlaken gehuelt und wie vor zwanzig Jahren, noch immer ein glitzern auf den Lippen. Ich schluepfe in meinen Schlafanzug und unter die Bettdecke, bevor ich auch die letzte Lichtquelle, abgesehn vom Kamin, im haus loesche. Ich schaue das grobe Holz, aus dem die Decke gemacht worden ist an. Danach warte ich, bis die Zeit mich in den Schlaf entraubt.



Dies ist nur ein Teil von der ganzen Geschichte (die ich aber noch nicht geschrieben habe, da ich im Moment keine Zeit finde.)

 



 
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