HERMANN HESSE

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Am Ende
- von Valerio



Am Ende

Der letzte Kirchgang

„ Ich laufe über eine riesige Ebene, ich kann nirgendwo das Ende, einen Waldsaum oder eine Gebirgskette ausmachen. Trotz dieser scheinbaren Einsamkeit fühle ich mich großartig aus einem unerfindlichen Grund habe ich mich noch nie so gut gefühlt, voller Freude beginne ich zu rennen, lange Zeit, ohne müde zu werden über das saftige, federnde Gras. Plötzlich höre ich Hufgetrappel hinter mir, jedoch nicht von schwer beladenen Pferden mit dicken Menschen darauf, nein es hört sich leichter an, fliegender, vollkommener. Ich sehe hinter mich und bemerke, dass der riesige Hirsch zu mir aufgeschlossen hat. Lange Zeit läuft er einige Meter vor mir, am Horizont ist erst klein, dann immer größer werdend die Silhouette eines Palastes, einer Festung ich kann es nicht sagen, erkennbar, erst nach einigen Minuten erkenne ich was es ist. Es ist eine Kirche, jedoch ist es kein Wunder, dass ich dies nicht sofort erkannt habe, denn es ist die größte Kirche, die ein Mensch jemals gesehen hat, an dieser Kirche bekommt das Wort Gotteshaus eine neue Bedeutung, das Gebäude wirkt vollkommen, echt, aus einem Guss, majestätisch, von göttlicher Hand geschaffen. Noch einmal vergehen Minuten, bevor ich vor den Pforten stehe im Begriff die Kirche zu betreten, jetzt als ich vor ihr stehe kann ich den Kopf noch so sehr in den Nacken legen, eine Spitze in der Höhe scheint es nicht zu geben, das Gebäude scheint endlos wie die Ebene zu seinen Füßen. Ich gehe über die Schwelle und befinde mich in einer riesigen Halle an deren Wänden riesige Bilder Szenen aus meinem Leben zeigen, von jungem Kindesalter mit verklärten Augen bis zu meinem Erwachsensein mit Vollbart und langen Haaren, ich laufe diese Galerie meines Lebens entlang, als ich am anderen Ende der Halle eine Tür erblicke, schnell gehe ich auf sie zu, die bedrückenden Szenen meines Lebens hinter mir lassend und lege meine Hand auf die Klinke. Ich müsste mich nun ungefähr unter dem in unendliche Höhe ragenden Turm befinden denke ich noch, bevor ich eintrete. Ich hatte Recht mit meiner Vermutung, ich befinde mich im Turm, wenn ich nach oben sehe blicke ich in helles Licht, es liegt ein Raunen in der Luft.
Ich habe Angst, Angst vor der Größe, Angst vor den Portraits meiner Lebensszenen, Angst vor diesem Geräusch. Dann werde ich leicht, beginne zu schweben nach oben in die Höhe des Turms, mit jedem Meter Höhe steigert sich die Furcht in meinem Innern, ich befürchte zu fallen, um zu sterben, zu steigen, um zu sterben.......“


Sonntag, 4.37
Pierre Windt wachte in Schweiß gebadet auf , er erinnerte sich geträumt zu haben, wusste aber weder was, noch wieso er so geschwitzt hatte, „egal“, dachte er sich, „Im Laufe des Tages wird es mir einfallen, langsam wendete er den Blick zur Uhr. „4.37, so früh, verdammt!“ Vorsichtig, um Jennifer nicht zu wecken, stieg er aus dem Bett, ging in die Küche und frühstückte eine Kleinigkeit, das richtige Frühstück, gemeinsam mit ihr wollte er sich dennoch nicht entgehen lassen. Nachdem er fürs erste gesättigt war setzte er sich in seinen Schaukelstuhl im Wohnzimmer und begann zu lesen. Er wusste selbst nicht warum er sich das antat, aber da er ein gutes Schulfranzösisch konnte hatte er begonnen Sartres „Das Sein und das Nichts“ in französischer Sprache zu lesen, eigentlich strengte ihn das zu sehr an, jedoch wollte er genau wie Jennifer versuchen alle Dichter in ihren Heimatsprachen zu lesen, was sie mit einer ungewöhnlichen Selbstverständlichkeit tat. Gegen 9 Uhr dann endlich regte sich etwas im Schlafzimmer, Pierre ging hinüber und betrachtete wie Jennifer langsam aufwachte ihn erblickte und lächelte, er lächelte seinerseits und grüßte: „Guten Morgen meine Liebe, gut geschlafen??“ „Es geht so“ „Ich hab schon das Frühstück gemacht“ „Wie schön, das freut mich, obwohl wir heut in die Kirche müssen.“ Pierre Windt war nicht religiös, weder er noch Jennifer glaubten an irgendeine Form von Gott, was nicht heißt, dass sie schlechte Menschen waren, im Gegenteil, aus einer Form von Nächstenliebe gingen sie in die Kirche. Pierres Schwester legte Wert darauf, sie hatte lange Zeit in Irland gelebt und dort wie sie selber sagte große Sünden begangen, also zwang sie die ganze Familie zur Kirche, und damit es keinen Streit und Traurigkeit gab gingen die Eheleute Windt in die Kirche. Nach dem Frühstück gingen sie noch einmal ins Bett, schliefen miteinander, Pierre behauptete danach es sei der beste Sex seines Lebens gewesen, beteuerten ihre gegenseitige Liebe, zogen sich an und gingen in die Kirche.


Saul Sirach wachte an diesem Morgen mit einem Gefühl der Beklemmung auf, schnell zündete er sich eine Zigarette an, frühstückte und zog sich an, danach bereitete er alles vor und packte alles Nötige in seine Taschen. Als er damit fertig war setzte er sich, dachte über sein bisheriges, kurzes und ereignisloses Leben nach und kam zu dem Schluss, dass es wohl besser sei, so. Außerdem wusste er wofür er dies alles tat, er wollte hoch hinaus und der Zeitpunkt seines Höhenfluges war nicht mehr fern. Nach diesen Überlegungen machte er sich auf den Weg zur Kirche, unterwegs dachte er nichts mehr, sein Kopf war leergefegt und er war froh darüber. Als er da war bemerkte er, dass die Messe schon begonnen hatte, er betrat die Kirche, als der Priester gerade sagte: „Dies ist dein Blut, das für uns alle vergossen wird“
Saul Sirach drückte einen Knopf in seiner Jacke.

In diesem Moment erinnerte sich der in der 3ten Reihe sitzende Piere an seinen Traum und dessen Ende, geschockt blickte er in die Höhe des Kirchturms, dann wurde alles sehr laut und hell...............................

 



 
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