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Literarischer Austausch unter Morgenlandfahrern

 

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- von Demian2



Ich sehe dich vor mir: Im Regen warst du in die Halle getreten, hattest dich an jene steinerne Säule gelehnt und Schatten war in deine schillernden Augen geflossen. Niemand war vor dich hingetreten und hatte ein Wort an dich gerichtet, denn niemand hatte gewusst oder geahnt, wer du warst oder was du darstelltest, noch, was mit dir geschehen war oder mit dir geschehen würde. Niemandes Sohn und Niemandes Tochter hatte mit dir gelacht oder hatte deine kalten, in sich verkrampften Hände gewärmt und gelockert. Niemand hatte die Sehnsucht in deinen Augen und das leichte, schwirrende Zittern der Wimpern bemerkt, während du demütig zu Boden geblickt hattest und verloren in deinen Gedanken gewühlt hattest.

Neben dir entsprang, den gefließten Boden der Wartehalle durchstoßend, die blaue Blume, die dein Zeichen und deine Liebe war. Sie wuchs dir empor und frisches, hohes Gras umspielte deine Füße in der Morgenröte eines Frühlings, der dich auf Flügeln sanft zwischen Träumen und Wirklichkeit dahintrug. Dunkelgrüner Efeu rankte sich sommerwärts deine schlanken Beine empor und wilder Wein schnürte dich, der du wehrlos zusahst, an die kalte Steinsäule, erbrachte dir süße wie bittere Trauben, süßen wie bitteren Schlaf. Hohe Bäume wurzelten rings um dich, bis ein Wald dich umstand und dich in finsteren Tiefen verbarg.
Niemand sah dich und niemand sah die Tränen in deinen glänzenden Augen, Quellen des Baches, der zu deinen Füßen sich durch den Morgenwald schlängelte und bald zu einem reissenden Strome sich formte, in erdferne Lande dich ziehend und schwere Felsbrocken mit sich wälzend.

Ich sehe dich vor mir: Wie im Regen lehnst du verlassen und still an jener steinernen Säule in jener mondscheindurchfluteten Wartehalle, wartend auf jenen verspäteten Zug, unsichtbare, verzweifelnd sich niederstürzende Regentropfen zählend, nachsinnend, hoffend, lächelnd, beklommen innehaltend, dich verloren glaubend, betend, in-dich-verbissen abwartend.

 



 
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