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Luisa
- von Herr Grau



Luisa

Sie war hier. Hat getrunken. Und von der Welt gegessen.
Abgenabelt lief sie durch Straßen und über Feldwege.
In ihr zuckte ein rosa Herz unter ihrer flachen Brust.

Sie als Göttin und Geburtsstätte der Welt war sich ihr als
Göttin und Geburtsstätte der Welt bewusst. Wach war sie.
Bedenklich wach ist sie gewesen. Und schön, mein Gott
so denkbar schön.

Da sie nichts mehr fürchtete als die Angst, blieb sie tapfer.
Sie rekelte sich in den Dornen und Tränen klaren Blutes
ergossen sich ohne Rast das weiche Gesichtsfleisch entlang
abwärts. Ihre warme Rechte an der Innenseite des abgespreizten
rechten Schenkels. Den Kopf auf den glatten Teller ihrer linken
Hand gelegt, garniert mit duftenden Strähnen und Strähnchen.

Die Strahlen der Sonne, ihrer Sonne, fragten sie leise, ob sie
sie berühren dürften. Sie sagte nichts, und ließ sie ein.
Ließ sie durch, ließ sie alle ein und durch, doch ihr Schatten blieb.
Ihr schöner Schatten blieb.

Des Nachts blieb sie wach, hellwach. Mondwach.
Sie zauberte am Mond. Sie zauberte an den Mondwolken.
Sie öffnete den Mund und sang. Die Nacht stimmte ein.
Und so sangen sie gemeinsam. Sie und die Nacht. Die Nacht und sie.

Der Morgen kam und erzählte ihr, was er im Osten sah.
Sie schwieg und hörte ihm zu. Der Morgen schluchzte, er habe Tod gesehen.
Und er würde kommen. Hierher kommen. Er habe sich auf den Weg gemacht.
Sie kannte Tod. Tod kannte sie. Tod sprang in ihren Träumen vor ihr her.
Tod rannte ihr nach. Sie küsste den Morgen, bevor er weiterzog.

Sie blieb liegen und flüchtete zwischen die Zeit. Er nahte schon.
Sie blieb liegen und die Zeit flüchtete in ihrem Kopf umher.
Tod hielt sie schon einmal im Arm. Eine halbe Ewigkeit im Arm.
Er war aufgebrochen die zweite Hälfte einzufordern.

Ihre Welt erstrahlte in unbekannten Farben. Neue Klänge sausten
von Ohr zu Ohr. Sogar neue Sinne drängten um Platz in ihrer Erinnerung.
Alle Sinne des Lebens bespielten sie. Der Sinn des Todes einsam unter ihnen.
Als Grundzweck. Nährboden.

Er darf mich haben, dachte ein Gedanke. Ja, er soll sogar. Dachte sie.
Tod muss ja. Die Neidbestie. Der arme Nimmersatt. So soll er doch.
Sie, die Göttin. Sie, die alleinige Welt. Die Nahrung. Sie schmückte sich aus, richtete sich an und tischte sich auf.

Als dann kam Tod. Langsamer noch, als davor. Er sah sie liegen.
Ihre warme Rechte an der Innenseite des abgespreizten
rechten Schenkels. Den Kopf auf den glatten Teller ihrer linken
Hand gelegt, garniert mit duftenden Strähnen und Strähnchen.

Er öffnete den Mund und sang. Sie stimmte ein und so sangen sie gemeinsam.
Der Tod und sie. Sie und der Tod.

Mitten im Ton verschlang er sie und ihren offenen Mund.
Verschluckte er die Nahrung der Göttin der alleinigen Welt und ward seitdem nie wieder geahnt.

 



 
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