HERMANN HESSE

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- von Peter Simon



(Trotz versucht, habe ich Ihre Rechnung noch nicht begleichen können, ich bitte um Entschuldigung, am 24.-en
bekomme ich Geld. Sie haben sehr nett „Bei Gelegenheit“ gesagt. Danke. „Nein ich überweise das jetzt.“- sagte ich dann. Seien Sie mir bitte trotzdem nicht böse und vertrauen Sie mir, ich gehe meinen Schulden immer nach.)



Beobachtungen
Peter Simon, Weibern, 15.11.1999



„1 Forschrittbericht

Dr.Strauss sagt fon nun an sol ich ales aufschreiben was ich denke und ales was ich auch merke und was erlebe...“
(Keyes: Charly /Blumen für Algernon/)



Sehr geehrter Herr Dr. Löhrer,

ich denke, was ich Ihnen jetzt schreibe ist nicht langweilig und obwohl es etwas umfangreich ist, nicht nur als
Arbeit, mit den wachenden Augen des Psychiaters, sondern auch als Unterhaltung für den Menschen verfolgt wird.

Bevor ich mit dem Taxi nach Ungarn fahren wollte (die letzte Klinikaufenthalt in Regensburg) habe ich einige Orte aufgesucht. So auch den Ort meines ersten Klinikaufenthaltes: die „Geschützte Männerstation“ der Ehrenwall Klinik in Ahrweiler.
Schwester Brigitte kam an die Tür und machte sie auf. Damals in 1996 hatte sie mir über unzählige Minuten die Hand gehalten und stand an meinem Krankenbett.
Es ist auch fast unmöglich, mehr zu tun als das. Jede Psychose ist von anderer Natur und der ganze Wirrwarr, was von einem dann herüber kommt ist bei bestem Willen kaum zu verstehen. (Man sollte sich auch davor dringend hüten, mehr als nötig zu unternehmen, denn es kann böse schief gehen. Man sollte den Kontakt zu ehemaligen Patienten auch nicht pflegen, denn man hört so vieles.) Selbst ein Psychiater nach zwanzig Lernjahren darf kaum mehr als beobachten und die Pharmaindustrie fördern. Es ging mir damals sehr schlecht. Als ich dort ankam, „befand ich mich“ weit in der Zukunft. Mein Sehfeld hat sich in vier Feldern geteilt. Ich sah beim betrachten eines Baumes in den verschiedenen Feldern den Baum im Winterkleid, mit
Schnee bedeckt, in einem anderen Feld den Baum in der Blütezeit, in einem weiteren im Sommer mit Früchten und dann schließlich den herbstlichen Baum in seiner Farbenpracht. Einen anderen Baum habe ich mit verschiedenen Früchten gesehen, wieder einen anderen mit verschiedenen Blättern, als wäre der Baum aus mehreren Bäumen. Es ging aber nicht nur mit den Bäumen, sondern mit vielen Dingen so. Ich habe auch die Pflegerin, die sich um mich gekümmert hat „vierteilt “: ihr linkes Auge war grün, das Rechte blau, ihre Fingernägel waren links lila und auf der rechten Seite rot... usw. (Heute denke ich manchmal, daß sie vielleicht verschiedene Kontaktlinsen trug und sie färbte auch ihre Fingernägel bloß anders, als gewohnt.)
Anfangs hatte ich keinen Stuhlgang, es staute alles in mir, und ich hatte auch mit dem Essen Schwierigkeiten.
Ich fühlte mich, wie in einem Karussell in meiner gedachten Vorstellung: es wäre gerechter, wenn alles und alle
die Möglichkeit erhielten den Gestalt etwas oder eines Anderen annehmen zu können, damit alles und alle besser begriffen, wie es einem anderen geht. (Ich fing an Verdacht zu schöpfen, daß es in unserer Welt, vielleicht gerade darum geht. Das Wissen zu erlangen, sich in die Lage anderer versetzten zu können. /Durch Reinkarnation/. Wenn wir das alle können, dann sind wir alle göttlich, /wenn wir dabei nicht verrückt werden/ und wenn wir alle göttlich sind, dann haben wir es endlich geschafft. Nur um göttlich zu werden, braucht man zunächst einmal menschlich zu sein, und nicht einmal das können wir erreichen. Und was nützt die Reinkarnation, wenn wir vergessen, was wir früher waren. Dachte ich.) Die Welt nach meinen Vorstellungen zu Formen, war in meinem damaligen zustand für mich kein Problem. Jeder kam einmal an die Reihe und schließlich war keiner mehr wegen Körper, Geburt oder Umgebung bedingter Vorgaben benachteiligt oder bevorzugt. Ich fand diesen Satz so toll, daß ich für dieses Ideal zu allem bereit war, ich war auch bereit für sein Wahrwerden sogar zu sterben (Totalschaden in München). Es war ein ziemlicher „Satz“ für einen waren Atheisten, wie mich. Das mit der Sterbebereitschaft wollte ich allerdings kaum glauben, denn ich kannte bis auf meine Töchter niemand, wer das Leben mehr liebte und schützte, als ich. Als ich mir diesen heute fettgedruckten Satz damals formuliert hatte, hatte ich das Gefühl, als würde er mich als eine Art Lehre aus einer fernen Zukunft erreichen, als Interpret meiner inzwischen vergangenen, mir bekannten Welt und derer Wohllust.
Ich fing an z.B. nicht mehr aus je zwei, sondern aus je vier Menschen einen zu Bauen, damit es durch - sich wirklich in die Lage anderer zu versetzen - zu waren Erkenntnissen der Menschen kommt, wodurch einer den anderen wirklich so lieben kann, wie sich selbst. Das wäre dann Nächstenliebe, das wahre. Denn ohne Nächstenliebe keine Menschlichkeit, und ohne Menschlichkeit keine Menschenliebe, wie auch ohne Tierliebe keine und ohne Menschenliebe keine Göttlichkeit, wie auch ohne Göttlichkeit keine Fähigkeit
von der Erde aus den Himmel zu erschaffen. Denn ich dachte, den Himmel gibt es zwar noch nicht, aber wir könnten ihn eines Tages machen, oder sogar erschaffen. Wenn wir alle Götter sind. Einer genügt nicht. Oder vielleicht doch, aber an dem müssen wir alle arbeiten. Zusammen: „Alle für einen und einer für alle“. An dem Gott könnte sogar ich glauben, denn dieser Gott bestehe wahrhaft nicht aus Materie, wäre allwissend und seine Macht wäre unendlich, denn er wäre eine edle Vorstellung: der von uns allen zusammen erdachte höchste Gut (Good / Gott / Gut / Güte).
So würden wir ihn erschaffen. Denn der Mensch ist nach seinem Bild geschaffen: auch aus dem Menschen kann ein Gott werden, der schöpfen kann, wenn der Mensch sich das nicht bloß einbildet, sondern sich anstrengt und lernt, wie das geht: Mit den Augen aller zu sehen, mit den Ohren aller zu hören und die Gefühle aller zu spüren, statt immer nur nach der eigenen Nase zu gehen, nur auf die eigene Ohren zu hören und nur das zu schauen, was man selbst sieht.
So macht man aus rauhem Holz „Pinoccio“ (ein schönes Märchen der römischen Gegend ), den kleinen Kerl mit der langen Nase, aus diesem Kerl durch ein „Wunder“ einen lebendigen „Sohn“ für den „alten Uhrmacher“, und aus diesem Sohn durch böse Erfahrungen die Menschlichkeit in Person (I.N.R.I.) /aber auch Buddha, Franziskus, Lama von Dala, Krischna, Jack London, Pasteur, der Taoismus, den Islam, usw... hat man so „gemacht“/.
Was „Gepetto“ geschaffen hat ist für uns allerdings recht schwer zu erreichen, denn wir neigen eher dazu, selbst schon bereits fertige Engel, wie die Kinder auch zu Unmenschen zu erziehen, statt zu menschlichen Wesen. (Indem wir z.B. es nicht dabei belassen, daß sie etwas besonders sind und wir reden ihnen ein mehr als andere zu sein, als Folge dessen dann manch einer von ihnen tatsächlich Gott spielt im erwachsenen Zustand.) Wir erziehen sie nicht für sich selbst, sondern für unsere Wirtschaft, in der Hoffnung immer steigender Wohlstand, wir machen sie zu „Leistungssportler“ zu „Meister aller Klassen“ á la Jack Noris, zu Leonardo de Vinci oder Capricio oder zu Einstein und wir machen sie sogar zu „Weltmeister“ zu waren Chauvinisten oder einfach „nur“ zu Lokalpatrioten und führen sie in Clubs, Klüngel und Cliquen ein.
Wer behauptet aber nicht doch ein Kosmopolit zu sein?


Das alles mündete dann in dem vorhin beschriebenen Zustand. Nicht nur mein Hirn, auch meine Sinnesorgane
„spinnten“: Meine Pupilla war nicht allzu weit offen, dafür aber mein Gehirn, Rezeptoren und Synapsen, ich bekam Licht im Überfluß. Oft ging es mit dem Hören auch so, meine Ohren waren auf maximalen Empfang gestellt, ich hörte alles und alles zu laut, denn weder mein Ohr noch meine Augen reagierten auf meine Umwelt und schlossen und öffneten sie sich nicht mehr in Reaktion auf die Einwirkungen meines Umfeldes. Sie machten einfach schlapp und ließen alles Licht, alle Töne und sonstige Schwingungen ohne Abwehr durch, wie etwa wehrend einer Ohnmacht. Manch Rauschgiftsüchtiger erlebt das auch: „Es war nachts, trotzdem habe ich die Sonne aufsteigen sehen.“ (Marcus G.) In diesem zustand fühlt man sich leicht als Gott. Wie gesagt, jeder kam an die Reihe, in meiner Vorstellung, mein Problem war nur, daß ich ständig etwas später dran kam, und dann war es zu spät. Ich „bekam“ zum Beispiel kein Essen.
Das ging so: Im Laufe meines Karussells (denn es drehte sich alles in einem „ausgewogenen“, „friedlichen“ Kreis) ist mir gesagt worden, daß ich unbedingt essen muß. So machte ich mich auf und ging auf die Flur, stellte mich in den „Kreislauf“ und er trieb mich mit dem kreisenden Strom der anderen Patienten zum Eßraum.
Alles hatte seine eigene Choreographie: man nehme einen Tablett, gehe weiter, nehme einen Löffel, gehe weiter, nehme eine Gabel, gehe weiter, nehme ein Teller, gehe weiter, man bekomme Suppe...
Ich drehte ab und ging in mein Zimmer. Denn in meiner Vorstellung, als ich an die Reihe kam, war ich zu spät dran. Das wiederholte sich ein paarmal. Mir wurde dann das Essen ins Zimmer gestellt, in der Hoffnung,
daß ich etwas zu mir nehme. Man hatte jedoch auch etwas Bedenken, da wie gesagt ich auch keinen Stuhlgang hatte. Statt das Essen zu mir zu nehmen, fing ich dann an auf dem Tablett und in meinem Teller „die Welt neu zu Ordnen“, denn ich merkte, so ist sie noch nicht gut genug.
Ich bekam Ziatyl und Tawor in Spritze und später auch Akineton, da ich einmal auf dem Flur, wie eine Statue
erstarrt stehen blieb. Ich denke, daß es eher vom Gehirn aus kam, und daß es kein echter Muskelkrampf war.
Ich konnte mich nicht bewegen, fühlte etwas Krampf, daß sich über meinen ganzen Körper sich ausbreitete
und ich Staunte über meinem Zustand: „Herr Simon, was ist mit Ihnen? Was ist mit Ihnen los? Warum bleiben sie stehen? Können sie sich denn nicht bewegen? Gehen sie doch weiter! Sie laufen doch so gerne.“ Ich konnte lächeln. Der Arzt kam, holte von einem starken Patienten Hilfe, sie packten mich, sie trugen mich ins Behandlungszimmer, drückten sie mich mit Gewalt in einen Stuhl und ich bekam eine Spritze.
Nicht nur meine Gefühle und Empfindungen drohten in Chaos zu versinken und ich hatte nicht nur Verwechslungen zwischen warm und kalt und z.B. meine Wach- und Ruheperioden geraten auch durcheinander,
dessen Folgen ich bis heute spüren muß. In einer Phase meiner Psychose, bevor mein Vater mich nach Ahrweiler gebracht hat, hatte ich daß Gefühl, daß ich nicht einschlafen darf, bevor mein Vater wach wird, denn wenn keiner von uns beiden mehr aufpaßt könnte etwas ganz schlimmes geschehen. Ich habe nämlich in meinem Wahn die verschiedensten Variationen des Weltuntergangs „gesehen“ und alle waren maßlos grausam, quälend
und unendlich schrecklich. Die Sache wurde zum Schlafproblem aus einer Reihe von Schlafproblemen:
Ich kann mich an einige Bilder von ganz am Anfang erinnern: als Baby hatte ich das Gefühl aus schrecklichen Welten auf die unsrige Welt geflüchtet und endlich angekommen zu sein. Die Tage waren schön. Ich fürchtete
mich jedoch sehr vor den Nächten, denn meine Träume waren sehr real, und sie beschrieben und beschworen
Dinge auf, die ich schon fast abgeschüttelt zu haben glaubte. Es dauert nun mal eine Weile, bis ein Baby
zwischen Licht und Schatten, zwischen Tag und Nacht und zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann. Ich schrie sehr oft auf in der Nacht.
„Janosch, Janosch, wach auf!“ – drängte meine Mutter im Nebenzimmer... „Peter ist wieder wach, geh und schaue nach! Steh auf! Janosch! Steh auf!“ Mein Vater taumelte im halb schlaf zu mir zum Babybett, er machte das Licht an, er packte mich, ließ mich los, viel um, wie ein Sack und blieb vor meinem Bett regungslos liegen, als wäre er tot. Ich schrie wie ein wilder und rüttelte am Gitter. „Janosch, mein Gott, was hast du getan, du hast ihn hoffentlich nicht wieder verprügelt, was hast du bloß mit ihm gemacht!?“ – schrie meine Mutter aus ihren Schlafzimmer.
„Antworte!“- schrie sie rüber. „Janosch, warum antwortest du nicht, mein Gott, mein Gott, was hast du bloß getan?“ Mein Vater antwortete nicht, denn er hörte nicht, er schlief am Boden vor mir und plötzlich hörte ich auf zu weinen. Die Stille hat meine Mutter noch mehr erschreckt, sie dachte, ich könnte sogar tot sein.
„Janosch, Janosch, mein lieber Gott, habe erbarmen, lasse nicht zu daß das was ich ahne geschehen ist!“ – sagte sie. Sie stand auf und kam zu uns rüber. Sie erblickte als erstes den Körper meines Vaters, dann mich, wie ich mit großer Angst erfühlt ihn anstarrte. Sie packte mich und sie drückte mich und sagte:
- Gott sei dank, Gott sei dank.
Ich war damals etwa ein Jahr alt. Mein Vater hat uns verlassen, als ich elf war. Ich war bis vierzehn „Hosenpisser“. Er vertrat die Theorie, daß Einbildung in Hysterie endet, wie bei meiner Mutter, wenn man nicht im geeigneten Augenblick durchgreift. Eine Tracht Prügel kann wie Medikament sein. Im Sinne dessen wurden sie darüber einig, daß sie ihren menschlichen Gefühlen trotzend manchmal hart sein müssen. Aus diesen Ansätzen wurde dann Gewohnheit, ja sogar Tradition: Abends hatte ich mit meiner Unterhose zu ihnen zu kommen um zu zeigen wie groß der Pissefleck ist. War er größer als etwa meine Handfläche, so gab es Prügel.
Mein Vater nahm dafür „bloß“ seine Hände, denn er war dagegen, mich mit Kochlöffel oder mit einem Ledergürtel zu züchtigen, wie meine Mutter das pflegte. Er war auch stickt dagegen, daß meine Mutter mir wie aus dem heiteren Himmel unerwartet schnell Ohrfeigen austeilte. Er bevorzugte die Methode: „Wenn wir Zuhause sind, werde ich dich leider verprügeln müssen (z.B. für den Verlust eines Turnschuhs), du kannst dich darauf schon mal vorbereiten.“ Es gab aber auch für andere Sachen Prügel z.B. für meine schlechte Noten. Wir lebten zwischen fliegenden Untertassen und sonstiger Gegenständen, mit denen meine Mutter auf uns los ging. Mein Vater wurde zu Jogi statt, wie meine Mutter das für ihn vorgesehen hat, ein großer Künstler und er, der Astet entfernte sich immer mehr von seiner Familie..., bis nach Deutschland. Meine Mutter hat mit ihm vereinbart, wenn er sich daran hält und mir jede Woche einen Brief schreibt, nicht neu heiratet, bis ich achtzehn bin und er nicht versucht sie bei mir ins schlechte Licht zu stellen, so wird sie keinen Unterhalt verlangen. Mein Vater hielt mit mir dann Kontakt, und bat mich manchmal eine Bescheinigung meiner Schule ihm zukommen zu lassen. (Als Nachweis für seine „Unterstützung“ bei der Absetzung und für seine günstigere Steuerklasse.) Wie das läuft, wußten wir nicht, denn ungarische Arbeitnehmer „zahlten keine Steuern“ und ich schickte zu, was er verlangt hat. Als ich mit 21 mit seiner Hilfe in Deutschland studieren wollte, schrieb er seine durch mich entstandene neue Kosten für mich zusammen in einem extra dafür vorgesehenen Heft, und er sagte: „Das sind deine Schulden.“
Auf seine Kosten konnte ich nicht Studieren und ich versuchte Bafög zu bekommen, „denn ich war Deutscher“.
Das ging nicht, da mein Vater genug verdiente. Dann bat ich ihn mir zu bescheinigen, daß er mein Studium nicht finanzieren will. Machte er nicht. Er ist sehr sparsam (auch im Steuernzahlen). Er hat aber mich gebeten von meiner Schule ihm eine Bescheinigung zu besorgen. Das habe ich nach etwas Nachdenken dann nicht gemacht.
Zu dieser Zeit hat mich die „Otto Benecke Stiftung“ aus Bonn finanziell unterstützt, und ich machte mein deutsches Abitur in der Nähe von Aachen. So schließen sich Kreise. Herr Dr. Löhrer, der Brief, den Sie mir geschickt haben, kam aus Aachen mit einer Briefmarke über des Städtchens Nördlingen. Als ich meinen Vater
mit achtzehn in Deutschland besucht hatte, war ich mit ihm unter anderem auch in Nördlingen. Hier hat er damals eine Ansichtskarte gekauft, die er mir später im 1978, als Antwort auf meine erste Novelle: „Ich hatte einen einzigen Sohn“ (ich hatte sogar einen Preis gewonnen) aus Köln aus nach Budapest geschickt hat:
„Hallo Söhnchen! ...
... ich habe dein „geritztes“ gelesen, es freut mich, daß du Schreiberei betreibst. Ich werde etwas Zeit opfern,
damit ich etwas darüber schreiben kann...“ usw. Die Zeit dafür hat er bis heute nicht „geopfert“.

Na ja. Ich habe oft genug vergeblich versucht meine Eltern zusammen zu führen. Aber ich selbst wollte nicht mehr mit meiner Mutter leben und mein Vater wollte auch nicht mit mir zusammen leben. Er hat seine Haltung, als sehr vernünftig gesehen, ich war schließlich alt genug um zu lernen, wie man sich selbst versorgt. Ich mußte mein Studium selbst finanzieren. Ich wußte nur nicht womit? Mir fiel nichts besseres ein, als eine Firma zu gründen als „Industriebergsteiger“. Diesen Beruf gab es nicht in Deutschland, ja nicht einmal diesen Begriff. Mit Kletterausrüstung (ohne Deutsche Industrie Norm /DIN) ist es verboten in Deutschland zu arbeiten. Die Kunden wissen das. Sie tragen schließlich auch selbst große Risiken mit meiner Beauftragung, denn wehe, wenn etwas schief geht. Ich habe es trotzdem geschafft, was auch bis heute in „Westdeutschland“ keiner außer mir geschafft hat: davon zu leben. (Heute noch. /entgegen weiberner Vorurteile: „Der hat eine Rente aus unseren Steuern. Vierzig ist der Idiot!“/)
Ich lebte sogar sehr gut davon und zahlte rund dreihunderttausend Mark Steuern in sechzehn Jahren.
Zum Studieren, ließ mir die Arbeit allerdings keine Energien frei.
Leider hat aber nicht nur mein Vater und Mutter auch meine Frau nicht erkannt, daß ich lieber Schriftsteller sein
möchte und kein Millionär, ein Neureicher „Industriebergsteiger“. Ich wurde auch nicht Bergsteiger um
„Industriebergsteiger“ zu werden. Ich wurde Bergsteiger um vor der Industrie zu flüchten.

So. Das ist der Punkt den ich ansprechen möchte, der Grund, warum ich Ihnen das alles schreibe.
Selbst wenn wir versuchen zu helfen, haben wir oft kaum Ahnung darüber, wer das eigentlich ist,
dem wir heilen wollen. Denn die Menschen sind in unseren Augen oft nur das, was wir über sie wissen oder dann das, was wir über sie in Erfahrung bringen können.
Das deckt aber sehr selten die Wahrheit.

Ich bewundere Sie, denn Ihre Methoden sind sehr einleuchtend und Zukunftsweisend. Sie haben mir zum Beispiel gezeigt:
wenn wir nicht sicher sind, wen wir vor uns haben, sollten wir uns zunächst einmal auch nicht all zu sicher zeigen, etwa mit der Haltung – nein, sie sind nicht das, was sie sich einbilden, sie sind das, was wir uns einbilden. Denn normal ist die Mehrheit und nicht die Minderheit. Merken sie sich das, und werden sie gesund, verdammt!

Zurück zu Schwester Brigitte, Anfang Juni.1999:

Brigitte: - Hallo Herr Simon, wollen sie uns besuchen? Hier ist aber niemand mehr, den sie kennen.
Peter: - Na, das macht ja nichts. Das freut mich sogar, dann sind sie wohl alle gesund... ich würde eigentlich
gerne die Station besuchen und kurz mit ihnen reden, wenn es möglich ist.
Brigitte: - Wir haben Übergabe...
Peter: - Das ist nicht schlimm, ich kann warten.
Brigitte: - Na gut, kommen sie herein, aber bleiben sie hier. Warten sie, bis wir Zeit für sie haben und gehen sie
solange nicht auf die Station!

Ich setzte mich auf einen Stuhl auf der Flur und lies ein Buch. Nach etwa zwanzig Minuten stand ich auf und
ging zur nächsten Zimmertür, da der Name mir bekannt vorkam, der dort angebracht war: Peter K. Na ja.
Er ist wieder hier – dachte ich. Er war ein einsamer Wesen damals, hatte stark geraucht, konnte schlecht schlafen
und er sammelte sich immer kraft, bevor sich zu etwas entschlossen hat. Er spielte etwas Schach. Er wußte, wie
viele Bodenplatten die Flur hatte, er ging mit den Händen am Rücken ständig auf und ab. Er tat das auch oft in der Nacht. Sprach jedoch kaum mit der Nachtschwester... er war in sich gekehrt.
Ich setzte mich wieder auf den Stuhl und lies weiter. Nichts rührte sich. Nach weitere zwanzig Minuten öffnete sich die Küchentür und zu meiner Freude, Schwester Brigitte kam auf mich zu.

Peter: - Schwester Brigitte, ich will ihnen keine Umstände machen, ich wollte nur mit meinen jetzigen Augen
das sehen, was ich hier damals gesehen habe.
Brigitte: - Viel hat sich nicht geändert,... es ist ein Krankenhaus.
Peter: - Ist Dr.Kugel noch hier?
Brigitte: - Nein, er ist nicht mehr bei uns... und wie geht es Herr Simon, sind sie noch in Behandlung?
Peter: - Ja. Ich hatte aber Glück, ich habe einen guten Arzt kennengelernt. Er hat mir viel geholfen.
Brigitte: - Ja?
Peter: - Ja. Wissen sie, ich fühlte mich hier ein wenig, wie in einer Massenabfertigung. Die Medikamente...
und so. Es ist kein direkter Vorwurf, um Gottes Willen... ich war sehr krank. Ich wollte mich auch bei
ihnen bedanken für ihre Fürsorge.
Brigitte: - Dafür brauchen sie sich nicht zu bedanken Herr Simon, dafür sind wir hier.
Peter: - Ja. Sie können sich vielleicht erinnern, manchmal ging es mir unbeschreiblich schlecht. So schlecht,
daß Dr.Kugel sagen mußte: „Herr Simon, auch sie müssen etwas für sich tun, ich kann nicht
immer eine Spritze geben, wenn es ihnen so schlecht geht. Wenn sie sich weiter so hängen lassen
werden sie von Medikamenten so voll sein, daß sie gar nichts mehr mitbekommen. Dann werden
wir für sie einen Pfleger bestellen müssen, weil sie werden nichts mehr selbst erledigen können. Sie
werden zum Pflegefall. So werden sie nie gesund.“ Ich glaube das kam im richtigen Moment. Und sie
haben mir geholfen mich aufzubauen.
Brigitte: - Wissen sie Herr Simon ohne den Willen des Patienten ist keine Hilfe genug.
Peter: - Ja, ich weiß das. Es ist aber auch schwierig etwas zu erreichen, wenn das Verhältnis zwischen Arzt
und Patient nicht stimmt. Wenn der Patient sich verschließt aus Scham zum Beispiel und wagt es
nicht seinem Arzt die Wahrheit zu erzählen. Das kann auch davon kommen, wenn der Arzt
routiniert und respektlos wird. Es ist auch nicht gut, daß er sich soviel Zeit für die Administration
nehmen muß (z.B. wegen den unaufhörlichen Attacken der Krankenkassen), daß er nur so reagieren
kann: „Ich habe es ihnen Herr X. schon oft genug gesagt und ich sage das jetzt das letzte mal, halten
sie mich auf der Flur nicht auf. Stellen sie ihre Fragen in der Visite und nicht jetzt. Ich habe jetzt
keine Zeit für sie.“ Das besonders die Psychose-patienten Ordnung und Plan in ihrem Leben
brauchen, leuchtet mir ein, aber manchmal brauchen sie trotzdem eine Antwort und zwar sofort. Das
darf nicht die Regel sein, aber es sollte mindestens als Ausnahme möglich sein. Man sollte keinen zu
Schnecke machen um aus jemanden der sich etwas krankhaft einbildet einen gesunden zu basteln.
Denn die meisten bilden sich nicht ein Jesus, Napoleon oder etwa ihre Mutter zu sein, weil sie
Cäsaromanisch veranlagt sind, sonder aus Gründen, wie Enttäuschung und Erniedrigung, ausgelöst
durch ihr Umfeld. „Du bist ein Versager!“ wird ihnen suggeriert, solange, bis ihre Seele revoltiert
und ihr Gehirn als Notlösung mit einer Psychose, oder auch mit Rauchen, mit Trinken, vielleicht
sogar durch Gewalttaten oder durch Rauschgift sie vergessen läßt wer sie allgemein gesehen sind
und schließlich „wahr werden“ läßt: es stimmt, auch du, selbst du bist jemand, du bist sogar
mehr, als die meisten denken, die dich zum Wahnsinn treiben mit ihren Erwartungen und Vorwürfen,
denen du von dir aus nicht mehr gerecht wirst. Ich mache daß schon. Ich helfe dir.
Schließlich bin ich dein Gehirn: sehe da, du bist Jesus, Cäsar oder da, du bist Minervas Füllhorn. Das
Gehirn bringt dann in seinem Eifer aus Angst auch vieles leider durcheinander, denn es selbst am
Ende ist und greift zu den Notreserven, wie z.B. zum Unterbewußtsein, denn der Traum versagt hat.
Der Traum hat für unsere Seele eine ähnliche Funktion, wie für den Bürger die Politik: in einer
Nacht und Nebel Aktion das zu recht zu biegen, was die Wirtschaft im Wachzustand verbogen hat.
(Nachrichten = nach richten) Der Traum läßt die am Tage unweigerlich verwundete Seele sich durch
„neu formulieren“ des Geschehenen regenerieren. Diese Funktion ist absolut wichtig, sonnst kann
das System zusammen brechen. Es kann zu Revolten kommen und Unruhen aller Art sind gegen die
Gesundheit der Wirtschaft. Revolten können aber für die Entwicklung auch Medizin sein und auch
das ist das worauf unser Gehirn beim in Gang setzen einer Psychose apelliert. Wenn man den
Schizophrenen nicht nur mit Medikamenten verlangsamt sondern auch mit Einreden, wie „Das ist
Quatsch, das sind sie nicht!“ sich schnell zu finden zwingt, so entnimmt man das gerade wieder
erkorene Selbstbewußtsein, woran die zu ertrinken drohende Seele sich momentan festhält. Als Mein
jetziger Arzt mich in diesem Zustand gesehen hat,
hat statt mich schnell „herunter zu holen“ seinen Kopf gesenkt, als Zeichen des Respekts vor meiner
neu erkorenen „Größe“. Trotzdem wurde mir schneller klar, daß ich krank bin, als zum Beispiel
damals hier, obwohl ich mich auch in einem sehr bedenklichen Zustand befand. Ich lief zu Fuß nach
Bonn und zurück, zwischendurch war ich auch in Köln und „befand ich mich“ in meiner eigenen
Vorstellung, in einem Chaos, ausgelöst durch die schlimmste Wirtschaftskrise, die, die Welt je
gesehen hat. Ich war auch mit einem Schiff am Rhein unterwegs und „sah“ wie „Gott“ gegen die
Entwicklung vergeblich kämpfte, die hierzu geführt hat. Ich stieg aus in Bonn und wußte nicht wo
ich bin. Die ganze Stadt war aus Gebäuden, Brücken und aus Menschen zusammengewürfelt, die ich
aus anderen Städten kannte. „Ich denke das können wir auch ambulant behandeln.“ Sagte mein Arzt
aufbauend und fing an meine wund gelaufenen Füße zu untersuchen. „Womit haben sie, sie
behandelt, Herr Simon?“ Es wurde mir
immer klarer, daß ich Peter Simon und nicht Petrus Simon, Jesus felsenfeste Stütze bin. Er wußte
zwar nicht, wer ich gerade gewesen bin, aber er sah, wer ich allmählich wieder sein werde. „Mit... m
Salzpackung und Dill.“ Sagte ich. „Salz ist gut.“ hat er mich somit beruhigt und wir wandten uns
meinen sichtbaren Wunden zu, denn sie konnte man leichter verarzten, als die unsichtbare Wunden
meiner verwirrten Seele. „Was haben Sie zuletzt in München bekommen?“- fragte er. „Zyprexa.
Aber ich habe nach der Entlassung nur die Hälfte der vorgeschriebenen Menge genommen. Dann
habe ich auch damit aufgehört.“ „Das habe ich von ihnen auch vermutet, Herr Simon. Wieviel haben
sie genommen, bevor sie aufgehört haben?“ „Fünf mg am Morgen und fünf mg am Abend.“ „Gut.
Versuchen wir das auch mal.“
Mein Arzt war zu meinem größten Erstaunen mit meinem Vorschlag einverstanden. Ich dachte fast,
ich befinde mich wieder in der Zukunft!
Er hat mich für meine Bemühungen zum Heilen der sichtbaren Wunden
gelobt und er ermutigte mich damit, ohne es ins Gesicht zu sagen weiter zu machen. Ich machte
weiter und ich begann auch die unsichtbare Wunden meiner Seele zu versorgen. Mit seiner Hilfe.
Schön langsam. Dieses schön langsam, heilte mich aber wesentlich schneller, als alles zuvor. Er
behandelt Patienten, die in einer Klinik wohnen, die um sich herum viel grünes und Wasser hat, mit
Pflanzen und Tieren. Wenn die Patienten sehen, daß ihre Arbeit: das Füttern der Tiere, das Pflegen
der Pflanzen und die Instandhaltung der Klinik oder ihre Arbeit außerhalb der Klinik, z.B. in einer
Bäckerei oder bei einer Straßenbaufirma erfolge zeigt, so haben sie ihre „unsichtbare Wunden“
offensichtlich versorgt und motivieren sich später auch schon selbst weiter zu machen. Das ist
„Beschäftigungstherapie“ und nicht die „Weihnachtsbaumgruppe“. Die Therapie in Rahmen etwa
einer „Weihnachtsbaumgruppe“ braucht das Umfeld des Kranken, diejenigen, die den Kranken krank
gemacht haben. Der Kranke braucht Erfolge. (Dringender als Weihrauch. O.K. Erst Weihrauch und
dann Erfolge, könnte auch gehen. Vielleicht geht es in manchen Fällen sogar so besser.)
Denn die Seele zu heilen ist sehr schwer und das Umfeld zu pflegen ist leichter. Wenn das Umfeld
„gesund“ ist, heilt die Seele, wie von selbst. Man hat in der Psychiatrischen Behandlung große
Fortschritte gewagt und erreicht. Die Kliniken der Vergangenheit,
wie die Klinik Ehrenwall vertraten die Methode: den seelisch erkrankten aus seinem Umfeld in ein
neues, geordnetes und überwachtes Umfeld zu setzen, von dort aus, wo er krank geworden ist, aus
seinem Leben, dorthin, in das Krankenhaus, wo er vielleicht geheilt werden kann. Ob „er heilt“, steht
in den Sternen, aber er ist zumindest mal den schädlichen Wirkungen seines Umfeldes und seiner
schlechten Angewohnheiten nicht mehr ausgesetzt. Die einfachsten Bedürfnisse und Wünsche seiner
Seele werden erfüllt: geregelter Tagesablauf und Ernährung mit nächtlicher Erholung.
Die Psychiatrie der Zukunft wird in mancher Hinsicht Komplexer, anders gesehen aber auch
einfacher sein. Der Psychiater wird in Teams arbeiten. In einem Team mit Kollegen und in einem
Team mit dem „Umfeld“, mit den Freuden und Bekannten des Patienten (noch etwas später werden
auch Tiere und Pflanzen mit einbezogen, die den Patienten bereits kennen oder kennenlernen
„möchten“). Man
wird versuchen die Heilmethoden mehr auf Erfolge des Patienten zu richten, indem man seine
Umgebung, sein prägendes Umfeld mit genesen läßt. Denn der Patient ist nicht etwa im Krankenhaus,
in der Psychiatrie krank geworden, sondern draußen, im waren Leben, durch die Unmenschlichkeit
seiner „natürlichen“ Umgebung. Der Prozeß der parallelen mit Heilung des Umfeldes sollte aber auch
mit mehr Lob, als mit überflüssigen Vorwürfen, wie etwa: „Ihr seid an seiner Erkrankung
mitschuldig!“ mit Rücksicht und Taktgefühl „angekurbelt“ werden. Weil: „... vergebe ihnen, denn sie
wissen nicht, was sie tun!“. Der Psychiater der Zukunft wird nicht mehr nach dem „Herrchenprinzip“:
„Belle, kusche, sitz, kacke, kacke nicht...!“ vorgehen, sonder mehr nach „Katzenart“: er gibt zunächst
einmal 60 Prozent zu dem 100, den der Patient für den ersten Schritt braucht (wenn er sieht, daß
der Patient auch mit weniger auskommt, gibt er natürlich auch schon das erste Mal weniger). Der
Patient tut dann seine „schwache“ 40 Prozent dazu. Haben sie gemeinsam den ersten Schritt gewagt
und können sie den ersten Erfolg „begießen“, so kommt der nächste Schritt: der Arzt bietet jetzt nur
40 Prozent an. Der Patient kann annehmen und seine 60 Prozent dazu tun. Zusammen haben sie
wieder hundert. Wenn der Patient wider erwarten das Angebot nicht annimmt, sogar resigniert,
oder aber einen anderen Vorschlag hat, auch das ist O.K., denn der Arzt hat für ihn Zeit, zeigt
Respekt und hält sich bereit. Man kann von dem Patienten nicht erwarten, daß er es von 0 auf
100 „in drei Sekunden“ schafft, weil die Heilung, je nach Schaden, lange dauern kann. Der Arzt
„wirft dem Patienten ein Seil zu“ an dem er sich festmachen kann, mit der Gewißheit, du kannst
beruhigt sein, ich werde mit aller Kraft versuchen, dich zu halten, wenn du ausrutscht, damit du nicht
abstürzen kannst. Wenn du müde wirst könnte ich vor klettern und zur Abwechslung könntest du
mich sichern. In so einer „Seilschaft“ klettert man nämlich selbstsicherer, als alleine. Ein meister
z.B. der Karate führt seine durchschlagende Schläge selten mit voller Kraft und geht nie „volle Pulle“
sein Werk nach. Denn nicht das volle Ausfahren der Höchstleistung verleiht ihm Kraft, es genügt,
wenn er weiß, daß er auch das kann. Das ist nicht leicht zu verstehen in unserer heutigen
Gesellschaft, die, die „Anforderungsberge“ mit Höchstleistung gerade noch besteht. Die Arbeit
haben, haben es immer schwerer und haben stets mehr zu tun und die keine haben, haben nichts zu
tun. Ein Karatemeister kann allerdings seine Kräfte konzentrieren für seine außer gewöhnlich starken
Schläge, wodurch er stärker wirkt, als etwa unser einer, derer Nacht zu Tage gemacht wird und als
Folge auch dessen die Fähigkeit sich zu konzentrieren immer mehr verliert.
Die Psychiatrie der Zukunft wird die ganze Welt heilen müssen, denn auch die „Gesunden“ sind
zum größten Teil „erkrankt“: wer will nämlich heute nicht die Welt wirklich verstehen und wer will
nicht von der Welt wirklich verstanden werden,... wie etwa ein Schizophrene?
Zunächst einmal sollte man sich selbst verstehen. Dann die anderen und dann die Welt:
„Laßt uns jeden Tag an dem Frieden arbeiten mit Herzen und Verstand, und jeder beginne bei sich
selbst!“ (Ein beachtenswerter Vorschlag, angebracht an der Brücke von Remagen.)
Denn die Welt zu verstehen ist nicht einfach und es Bedarf große Mühe, die sie aber Wert wäre.
Wie es auch Wert wäre uns zu verstehen. Uns alle.
Wenn ein Angelsachse etwas von der Erde aufhebt, z.B. einen Kieselstein, beim Betrachten
und studieren dieses Gegenstandes denkt er vielleicht so: „Wozu ist das gut, wie könnte ich daraus
Nutzen ziehen?“
Beim Betrachten und Studieren des selben Gegenstandes denkt jemand aus Asien vielleicht so:
„Was könnte das sein und wie paßt es in das Ganze, wie z.B. ich selbst?“
Zwischen den beiden Fragen liegen Welten. Es fällt dem Angelsachsen schwer den Asiaten zu
verstehen und auch der Asiate hat es ihm gegenüber kaum leichter.
Wenn man die Welt verstehen möchte, so sollte man sich die Fragen beider stellen, denn beide
Fragen sind gut.
Die Welt ist aber nicht nur klein, die Welt ist auch Groß und besteht nicht nur aus Asiaten und
aus Angelsachsen.
Die Welt hat unendlich viele Fragen und sie sind ausnahmslos gut. Wenn man sie verstehen will.
Es gibt kleine Kreise und große Kreise. Menschen die das Modell des „Mikrokosmos“ vor Augen
haben, können mehr sehen, als die nur ein Paar Kreise kennen. Je mehr Kreise man kennt,
desto mehr Zusammenhänge können gelüftet werden. Für sich selbst, für die anderen und auch für
die ganze Welt.
Brigitte: - Herr Simon, ich wünsche ihnen alles Gute. Es tut gut zu hören, daß es auch andere
Möglichkeiten gibt, als das hier.
Peter: - Ja. Die Veränderungen sind oft schneller da, als man denkt.
Brigitte: - Es freut mich das es ihnen besser geht. Auf wiedersehen!
Peter: - Auf wiedersehen!... und Schwester Brigitte, grüßen sie bitte Herrn Peter K. von mir!


Paar Tage später bestellte ich ein Taxi. „Es ist keine Ente, ich brauche ein Taxi für meine Reise nach Ungarn.“
Das Unternehmen hat einen jungen Fahrer geschickt. Ich sagte zu ihm: „Hallo, mein Name ist Simon. Das ist mein Gepäck.“
„Guten Tag nennen sie mich einfach Roni.“ Wir packten alles ein, ich setzte mich neben ihn und wir fuhren los.
„Ich möchte nur, daß das Geld stimmt. Wenn daß Geld stimmt, fahre ich sie, wohin sie wollen.“ –forderte er mich auf. „Bevor wir richtig losfahren, möchte ich ihnen etwas zeigen. Biegen sie hier bitte links ein!“
„Das kann ich nicht, Durchfahrtsverbot!“ – erwiderte er und fuhr auf der Hauptstraße weiter. „Ja...“ faßte ich
bedenklich meinen Bart an „Gut. Gut. Nicht weiter schlimm. Ich drehte an meinem Silberring, schaute in die nächste Kreuzung und ich sagte zu ihm: „Fahren sie hier bitte links und durch die Unterführung!“
„Wissen sie, es geht mir um die Finanzen...“- fuhr er fort. „Ja, ja uns allen, sie sind damit nicht alleine.“ – sagte ich. „Der schmalen Straße entlang, an der Vergabelung rechts bitte... Haben Sie schon mal Engeln gesehen?“
„Engel?“ –fragte er etwas verwirrt. „Wissen sie, ich möchte in Budapest auch ankommen. Mir geht es um das Ankommen und ihnen geht es um die Finanzen.... Sehen sie, Engeln! So heißt das Örtchen hier.“ „Ja, daß das Geld stimmt. Sie haben mit meinem Chef DM 2.000,-- ausgemacht, wenn ich das Geld dann nicht habe, werde ich ihm das Geld aus der eigenen Tasche zahlen müssen...“ „Haben sie schon mal den Weg der Nägel gegangen? Nein? Wenn sie wollen ich kann ihn ihnen zeigen.“ Er schaute mich an, wie ein Schaf das grelle Licht. „Das ist nichts schlimmes, vertrauen sie mir, wir sind schon fast da. Ich möchte bloß wissen, ob ich ihnen auch trauen kann. Schließlich bin ich ihnen ausgeliefert wenn sie mich fahren. So. Da oben an der Höhe geht ein Weg rein, halten sie Bitte vor der Schutzhütte!“ Wir stiegen aus. „Kommen sie bitte!“ „Ist gut ich will nur den Wagen abschließen.“ Wir gingen in den Wald. Er blieb drei Schritte hinter mir und drückte etwas mit einer Hand in seiner Hosentasche.
„Sie brauchen vor mir keine Angst zu haben, ich bin zwar nicht ganz pflegeleicht, aber friedlich. Sehen sie,
es wird langsam Sommer. Ist das nicht toll?“ „Doch. Schon.“ – und er hielt weiter Sicherheitsabstand.
„Ein weiterer Leidensweg der Natur geht damit zu Ende, der Winter ist um, sie atmet wieder auf.“
„Wo wollen sie hin? Ich würde lieber zurückgehen, zum Auto.“ „Die Vöglein zwitschern, die Sonne scheint,
kommen sie, machen sie mit! Es wird eine lange Reise, wir tanken uns auf!“ „Ach, so.“
„Ja. So. Wissen sie Roni, bevor ich auf Reisen gehe, ich tanke nicht nur Sprit, sondern auch Wasser,...
„Ach, so. Ich dachte in dem Kanister ist Benzin.“ „Ja das sieht nur so aus. Es ist eisenhaltiges Wasser
aus der Heilquelle in der Nähe der „Riedener Mühlen“. Wissen sie zufällig, wo das ist?“
„Nein.... ich möchte langsam zurück gehen.“ „Jawohl. Dann regeln wir die Finanzen und wir können.“
Er drehte sich um und ging ein Paar Schritte vor mir. Er merkte plötzlich, daß ich hinter ihn gelangt bin, hielt an,
wartete bis ich neben ihm war und wir gingen den Waldweg nebeneinander zurück. Seine eine Hand war allerdings immer noch in seiner Hosentasche und er fingernte da drin weiter an seiner Tränengasflasche.
„So. Das ist der Weg der Nägel. Wir gehen ihn zusammen. Was halten sie davon?“
„Wovon?“ – fragte er und machte einen kleinen Satz zur Seite. „Na von dem Weg, mit den Nägeln!“
„Ich weiß nicht recht was sie meinen!“- und er schaute mich schon wieder mit diesem Lammgesicht an, wie vorhin. „Mensch, sind sie immer nur mit sich beschäftigt? Schauen sie doch einfach vor ihre Nase! Sehen sie die
Nägel? Eisennägel mit großen rostenden Köpfen, eingesenkt in Holzbalken in den Boden unseres Weges.“
„Ach, so!? Sie meinen die... Sind das Nägel? Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ Er bückte sich und berührte einen auf der Erde. „Tatsächlich.“ – sagte er dann friedlich und ließ seine Hand aus seiner Hosentasche gleiten.
„Ja. Tatsächlich. Der ganze Weg ist voll davon.“ „Ja. Aber was macht das für einen Sinn? Und wer hat sie hier angebracht?“ „Das weiß ich nicht. Aber sie sind schon einmal hier und sie gehören nunmehr zu diesem Weg.“
„Ja. Kratzte er sich am Hinterkopf... hier ist ein Steinbruch, vielleicht hat das damit zu tun. Mit der Beförderung.“ „Das kann gut möglich sein. Viele wollen befördert werden.“ - Sagte ich, ich ließ meine Hand in meine Hosentasche gleiten,
fummelte an meinem Schlüsselbund herum und machte einen kleinen Satz nach rechts. Da bekam er schon wieder dieses Lammgesicht. Ich zog meinen Schlüsselbund aus meiner Hosentasche und hackte ihn mit dem
dazugehörigen kleinen Karabienerhacken an eine Lasche meines Gürtels. „So drückt er nicht so. Wissen sie?“
Wir gingen weiter. Nebeneinander.
Er schaute sich um. Ich atmete ein paar mal tief ein und aus. „Ja. Es wird bestimmt eine tolle fahrt. Es freut mich sie kennengelernt zu haben Roni.“

Ich habe ihm beim Auto fünfhundert Mark gegeben. „Als Vorauszahlung. Den Rest bekommen sie in Budapest.“
„Können sie mir nicht die volle Summe geben, dann wären die Finanzen geklärt und wir könnten entspannter
fahren.“ „Machen sie sich bloß keine Sorgen,... um mich, ich kann auch so entspannt fahren. Ich weiß, daß ich ihnen vertrauen kann. Sie sind ein zuverlässiger Fahrer.
R: „Ja aber Fünfhundert Mark ist nicht viel, für eine so lange Fahrt.“
P: „Ich werde das Gefühl nicht los, daß sie mir aus einem unerklärlichen Grund nicht vertrauen.“
R: „Doch, ich vertraue Ihnen...“
P: „Na dann, nichts, wie los!“
R: „Es ist nur wegen der Firma. Es ist bei uns so üblich, daß die Fahrt im Voraus bezahlt wird.“
P: „Bei uns in der Firma ist es so üblich, daß man seinem Gastgeber vertraut. Ich bin schließlich ihr Gast. Ihr
Fahrgast und ich vertraue ihnen. Sie werden mein leben bestimmt nicht riskieren.“
R: „Nein, nein ich kann in einem Zug durchfahren... Wenn das Geld stimmt...“
P: „Also das scheint für sie tatsächlich ein Problem zu sein. Dann sagen wir mal so. Sie bekommen in Regensburg noch fünfhundert, Regensburg liegt zwar vor der Hälfte der Strecke, aber ich werde ihnen vertrauen. Sie bringen mich bestimmt nach Budapest und sie bauen keinen Unfall.“
R: „Kann ich in Regensburg nicht die volle Summe erhalten.?“
P: „Doch bestimmt. Wenn sie darauf bestehen.“
R: „Ich muß mal meine Lebensgefährtin kurz anrufen, damit sie mir etwas zusammen packt. Wir müssen dann
noch kurz bei mir vorbeifahren.“
P: „Wo ist das?“
R: „In der Nähe von Ahrweiler. Im Mariental.“
P: „Ja. Kenne ich. Ist O.K. Rufen sie an!“

R: „Ja. Hallo Süße! Wir fahren. Nein, nein ist alles bestens. Ja klar, die Mafia... hör mal: nimm meine grüne Tasche... ja den kleinen Rucksack, mein schwarzes Pullover, Unterwäsche, Zahnzeug,... na du weißt schon.
Pack alles zusammen. Denk an die Thermosflasche. Ja. Mit Aufschnitt und Salat... reichlich. Du wir kommen dann gleich vorbei. Wo? Das weiß ich nicht genau. In der Nähe von... zwischen Weibern und Engeln. Ja, so gut geht es uns. Ja. Ein ganz kleines Dorf... Nein nein, es ist alles in Ordnung, nur die Ruhe. Wir haben uns über die Finanzen unterhalten... aber jetzt sind wir uns einig. Ja, ist gut. Küßchen, bis später!“

Ende des Berichtes 1 (Folgen folgern)

Anlage I. „Lieber Stephen“ Personen:

Papa = Wolfgang, verschlossen, ehem. Hausmeister, heute freischaffender Künstler und Illusionsmaler (Vater von drei Söhnen aus zwei Ehen: 1/Kai 24, lebt alleine in Koblenz, bessert seine Haushaltskasse mit Rattenzucht in seiner Wohnung auf, braune Szene, Metzgergeselle, Bildungsschwach,
etwas naiv, gutmütig, aufgeschlossen, wird durch sein Vater verdrängt und verachtet. 2/Mayk 22, lebt in der Nähe von Adenau mit Lebensgefährtin und Katze, guter Schreinergeselle in Pützfeld, selbstbewußt, planend, Vaters Liebling. 3/Stephen: Zukunftsdesorientiert, Leistungsschwach, belagert durch Verachtung und Erwartungen, warmherzig, trotzig, hilft nicht ausreichend zu Hause, wird von der Mutter und von derer Mutter mit wenig Unterstützung und mit ausreichender Versorgung „verwöhnt“, er hält nicht einmal in seinem Zimmer Ordnung, wurde vor fünf Jahren in eine Klinik in Neuenahr wegen Rausch eingewiesen, 10 mg Zyprexa, Psychiatrische Überwachung durch eine Fachärztin, die er gerne veräppelt, er fing an die Tabletten zu vernachlässigen und er ist z.Z. in der „Geschützten Männerstation“ in Ehrenwall.
Mama = Waldtarut, gutmütig, Lehrerin, lenkt von hinten, nach außen eher Schamhaft.
Lars= Sachfreund von Stephen und Wolfgang, nach dem sein Zwillingsbruder mit adernaufschneiden seinen
Kontakt zur Freundin wiederherstellte und in LNK Andernach war, versuchte er seine eigene Freundin auch mit
„Schneiden“ zu erpressen. Er hatte damit keinen Erfolg, er tobte, drohte, flehte an, und wurde manisch.
Marco= Kifft, wie sein Zwilling Lars, voll von Enttäuschungen, die auch auf sein Streitverhalten basieren. Eltern geschieden, finanzorientiert, langweilt sich, mehr als Lars.
Marcus G.= Durch Theo –Einflüssen überraschende Lebenswende zum Positiven, Freundin aus Indien, eigener
Haushalt, will Prof. der Phil werden, z.Z. Zivi in einem Altersheim.
Bruhns= Papas Dorffeind, Stephens Gesprächspartner
Matthias= „Glaubensfanatiker“, zwei Jahre jünger als Stephen, erfolgreich. Sohn des Schulleiters Waldtrauts.

 



 
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