HERMANN HESSE

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That's life...
- von Jana



That's life...

Die nächste Station ist meine, also klappe ich schon mal mein Buch zusammen, als kleines Anzeichen für meinen Sitznachbar, dass ich gedenke aufzustehen. Natürlich völlig unnötig, weil an dieser Station sowieso die Masse raus will.
Das stellt sie auch dieses Mal unmissverständlich unter Beweis, bei manchen sieht man sogar Angst im Gesicht, dass sie nicht rechtzeitig rauskommen. Fast lässt man sich anstecken, wenn man die ungeduldig zuckenden Menschen vor der Tür sieht, die nur von einem Gedanken beseelt zu sein scheinen: ich muss da rein!! Hinter mir schafft es der erste, sich ins Wageninnere zu quetschen, man weiß ja nie, ob die Bahn nicht plötzlich die Türen zu macht und losfährt.
Auf dem Weg zum Einkaufszentrum fällt mir einmal mehr auf, wie konsequent man sich behaupten muss, wenn man einfach nur geradeaus gehen will.
Als ich am Reisebüro vorbei komme, sehe ich ein Pärchen, wie es auf der Stuhlkante nach vorne gelehnt an den Lippen der Reiseverkehrskauffrau hängt. Irgendwie sitzt da immer ein Pärchen in dieser Pose, wenn ich vorbei komme.
An der nächsten Kaufhaustür spiele ich ergeben wieder das Spielchen mit, einer Herde ferngesteuerter Einkaufstütenträgern die Tür aufzuhalten. Warum nur komme ich mir selber vor, wie eine eingebaute Automatik? Vielleicht liegt es daran, dass sich grundsätzlich keiner bedankt, weil man mich dafür ja auch wahrnehmen müsste, was zugegebener Massen nicht leicht ist, wenn man sich aufs Gehen konzentrieren muss. Und wenn ich durch die nächste Tür will, kann ich sie gerade noch knapp vor meiner Nase auffangen und denke mir, hier könnte man so was wie mich eigentlich auch mal einbauen.
Nachdem ich mich durch die engen Gassen, vorbei an zig Dingen, die ich eigentlich kaufen soll, weswegen ich schließlich daran vorbeigeschleust werde, durchgekämpft habe, nicht selten einen weiteren Umweg nehmend, weil andere den psychologischen Plänen des Kaufhauses erlegen sind und sich ungern dabei stören lassen, ist endlich der Weg frei, sich in die Tiefen der Lebensmittelabteilung zu stürzen.
Aber was ist das? Sollte es da etwas umsonst geben, oder warum stehen auf einmal so viele Menschen auf einem Fleck?
Nein, nur für mich gibt es eine kostenlose Vorstellung. Ein wirklich Bühnenreifer Auftritt und der letzte Beweis für meine These, dass es durchaus eine Erwägung wert wäre, eine Führerschein-Prüfung für das Fahren von Einkaufs-Wagen einzuführen. Man denke da nur an die schlimmen Fersen-Verletzungen im Nahverkehr der Gänge und Kassen und nicht immer kann man den Gefahrenquellen aus dem Weg gehen, wenn man gebührenden Abstand zu älteren Damen hält, die sich ganz offensichtlich am Wagen festhalten und wenn man sich an der Kasse vergewissert, dass man jeden Millimeter zum Vordermann ausgereizt hat, weil man sonst von Hinten zu alternativen Haltungsmöglichkeiten gezwungen wird. Manchmal entpuppt sich auch ein harmlos wirkender Familienpapa zum Verkehrsrüpel, wenn Sohnemann gerade an dessen Nerven zupft, wie ein Gitarrenspieler an seinen Saiten, dabei kann ganz leicht mal ein Flamenco herauskommen, der schmerzhaft in Deinem Kopf nachklingt, wenn Du Dich zum falschen Zeitpunkt vergewissern wolltest, ob tatsächlich im untersten Regal die billigsten Produkte stehen.
Aber zurück zu meinem unterschätzten Anliegen, einen Einkaufswagen zu ergattern, ganz zu schweigen davon, die Leute zu umschiffen, die am liebsten gleich stehen bleiben, denn schließlich muss man sich ja erstmal einen Überblick verschaffen, dass sind bestimmt die Gleichen, die am Ende einer Rolltreppe einen Kaffeeklatsch eröffnen.
Schließlich habe ich es geschafft, ich stehe also am ersten Verkaufsstand und fühle mich regelrecht dekadent. Ja ganz recht, ich gönne ich mir heute etwas und kaufe für ein kleines Vermögen rote Paprika und wer mir jetzt dabei zusieht und sich fragt, warum ich mir dann nicht auch gleich mal einen Friseurtermin, schicke Klamotten und gefälligst dazu auch eine passende Handtasche, die bitteschön farblich zu den Schuhen passen leiste, der kann sich gerne eine Nummer ziehen und bei mir abgeben, ich rufe der Reihe nach auf und die Summe der zu entlöhnenden Honorare für meine persönliche Fragerunde stifte ich an den Teilzeit-Alltags-Irren e.V. , welchen ich in naher Zukunft zu gründen gedenke.
Bei der Kasse angekommen suche ich mir natürlich, jeder weiß jetzt was kommt, die Schlange aus, die Murphy sei’s gedankt so langsam voran geht, dass ich Zeit genug habe, um mir den groben Umriss meines Nachrufs gedanklich zurechtzulegen, wie ich ihn mir gewünscht hätte, sollte ich das zeitliche gesegnet haben, bis ich endlich an der Reihe bin.
Auf dem Weg nach Hause habe ich das Gefühl, meine Arme müssten mittlerweile lang genug sein, mich damit selber zu fesseln, die Einkaufstüten mutieren in meinen Gedanken zu zwei hämisch grinsenden überfütterten Möpsen.
Zwei ziemlich coole Typen kommen mir entgegen, die sind so lässig, dass ich schon von weitem weiß, was gleich kommt. Denn wer so unglaublich geil drauf ist, darf einfach keine Gelegenheit auslassen, das vor Leuten zu demonstrieren, die das eventuell übersehen könnten. Und so sicher, wie mir gleich die Arme abgefallen wären, würde mein Comic im Kopf lebendig werden, so kommt auch, was kommen musste, eine Manie des Alltags eben. Kaum sind wir auf etwa einer Höhe zischt mir der eine Typ rüber, dem Wortsinn nach eine Mischung aus den verbal gewordenen Blicken auf meinen Busen und dem kranken Wunschdenken, es könnte mich in Hochstimmung versetzen, seinen Ausdruck von Anerkennung, dass ich Frau und nicht hässlich wäre, in für mich annehmbare Synonyme zu übersetzen.
In Prinzip ja nichts Schlimmes, man geht eben einfach weiter und ist kurzfristig blind und taub, aber ich komme mir jedes Mal blöd vor und frage mich ernsthaft, was das solchen Menschen bringt. Warum kommen die sich eigentlich nicht blöd dabei vor?
Noch während ich die Haustür aufmache höre ich schon meine Katze von oben mauzen. Die Nachbarn müssen denken, ich wäre die letzte Raben-Mutti, wenn die wüssten, dass ich mich schon soweit erniedrige, mir einen Hocker von nebenan zu holen, wenn es sich meine kleine Königin auf meinem Stuhl gemütlich gemacht hat, um dann gähnend aufzustehen, so bald ich auf dem Hocker Platz genommen habe. Miststück.
Immerhin ist meine Mini-Aristokratin dann doch der erste Lichtblick des Tages, freudig erregt schmeißt sie sich zu meinen Füßen auf den Boden und schnurrt bei jeder noch so zufälligen Berührung.
Ein Duft, den ich noch aus dem Chemie-Unterricht kenne, ein zweiter Blick zu meiner Katze, die mich mittlerweile aus großen Augen anguckt lässt mich schuldbewusst auf die Paprika in meiner Hand gucken. Katzenstreu wäre wohl billiger gewesen.
Wo hatte ich nur wieder meinen Kopf?

 



 
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