HERMANN HESSE

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Altenpfleger
- von oswald



Altenpfleger

aha, sagte er, die Information auf genommen, und ich wusste, er hatte alles verstanden, konnte es auch verfolgen, voll nach ziehen, aber er glaubte es nicht, ich ging raus, als er es später, ein paar Tage, in der Zeitung las, las er es mir dann vor, mit leuchtenden Augen, als ob er etwas neues, bestätigendes entdeckt hätte, ihn bestätigendes, bei einer Meinungsverschiedenheit, dieser Artikel, mir zur Belehrung, seinem Recht diene, als ich es bemerkt hatte, als es mir klar wurde, bin ich wütend gewesen, enttäuscht, mit leerer Weile nicht mehr, habe mich dran gewöhnt, ein bisschen, Mitleid, kann er nicht endlich seinen kläglichen Hang an seine verlorene Autorität, die nur noch gegen mich besteht, für die er sich zum Diener anderer macht, auf geben, aber egal, seine Anerkennung zählt nicht mehr, es wäre nur schön, würde mich befreien, auch wenn ich, es jetzt wahr scheinlich nicht mehr glauben würde, es als heuchlerischen Eingang, Beantwortung auf meine Anklage verstehen würde, nicht als Einsicht, mit der Zeit fing ich an, Geschichten zu erfinden, nach dem ich keine Lust mehr hatte, die Richtigkeit genau zu über prüfen, Beweise zu sammeln, die ihn über zeugen mussten, meine Motivation war geschwunden, was war er denn noch, ein bisschen Haut, ein paar Knochen, aus seiner Einsamkeit, um Hoffnung losend, geliefert, endlich konnte ihm den Tod keiner mehr nehmen, auch wenn sie immer noch versuchten, ihn hinaus zu zögern, in lächerlicher Trauer um sein Vergehen, der Verschwendung ihrer Energie, erzählte ihm, was ich gerade phantasierte, auf seinen Opiaten, die Rezepte hatte ich gefälscht, nicht ganz, nur vermehrt, so auch seine Schmerzen, wie ich dem Arzt erklärte, dass sie viel größer seien, als er zu geben konnte, Beweise, er hatte sie doch nie an erkannt, mit einem Lächeln verdorben, als ob er wusste, was ich versuchte, wusste was er nicht glaubte, keine Veränderung wollte, in der ersten Zeit schien es so gar, er nehme die Geschichten besser auf, doch kann es auch nur die Erleichterung der Spannung sein, die Gleichgültigkeit seiner Reaktion, später bemerkte ich es nicht mehr, alles blieb sonst gleich, außer das Leuchten seiner Augen, fehlte, beim späteren Lesen der Zeitung, fehlende Bestätigung, ich weiß nicht, ob es ihm fehlte, ob er sich daran erinnerte, es wollte, mir fehlte es, viel leicht war es besser so, wie meine Geschichten, die er nur noch glauben musste, nicht mehr über prüfen konnte, die Last war von ihm genommen, er sah viel erleichterter aus, doch Glauben schenkte er mir immer noch nicht, wenn auch kein Misstrauen mehr, es war mein Ziel, seinen Glauben zu erreichen, seine Hingabe, an mich, Unterwürfigkeit, die ich mit der Annahme meiner Geschichte erreichen wollte, ich brachte ihm immer die Zeitung, die er immer nach etwas durch suchte, nicht wissend, nach was, auch nicht enttäuscht war, die mich manches Mahl zu einer Erzählung inspirierten, was sollte ich ihm sonst erzählen, alles war fern, ungreifbar, nur dieser gedruckte Teil der Welt, schwarz weiß, schweigend, hätte zu viel gesagt, ich änderte einige Artikel, in der Zeitung, erst waren es unwesentliche Teile, um seine Bemerkung zu studieren, wie das Wetter, später Artikel zu meiner Geschichte zu verfassen, das Leuchten in den Augen kam wieder, und ich fragte mich, ob er nun noch länger leben würde, meine Anwesenheit nerven, so kam auch das Misstrauen leichter, jedoch waren die Beweise leichter zu erbringen, ohne dass ich sie beweisen musste, einen Artikel zu verändern, hinzu zu fügen, war kein Problem, aber eine ganze Zeitung zu verfassen, ich kam da zu, ein Mal die Woche, später täglich, was hatte er sonst zu tun, verlor meine Job, belieferte Altenheime, um Geld zu verdienen, es war nur ein Scherz, doch die Abnahme war gut, besser, noch, wenn ich mit den Angehörigen kooperierte, ihnen die Frühausgabe ablieferte, was passiert, wenn man einen sterbenden Menschen mit Information voll pumpt, versteht er sie, versteht er die ganzen Schlösser zu durch schauen, liest er den persönlichen Text, nicht nur die Worte, ohne Anstrengung, je mehr er sein Bewusstsein verliert, und es nicht mehr verarbeiten kann, erinnern kann, nur noch auf nehmen, schlucken, fressen, was passiert, mit der ganzen Information, wird die Erde ein besserer Dünger, haben die Würmer ein besseres Fressen, werden die Blumen schöner, wenn ich die Wahrheit, die Liebe und Ewigkeit in den Wörtern verpacke, oder ist es egal, für die Erde, ein Fach nur Schlafmittel, nur so, Schlafmittel, mit dem ganzen Aufwand, Mühe, sein Gewissen, seinen Halt an der Autorität zu befreien, mit einem erleichterten Lächeln zu sterben, ich wagte es, den Test, er las die Sterbeanzeigen, ich hatte es beobachtet, wie er bekannte Namen verabschiedete, brachte ihm die Zeitung, er las sie, hielt ein wenig inne, dann blickte er zu mir, erleichtert, befreit, in seiner langen Erwartung erfüllt, dass ich es endlich geschafft hatte, legte die Zeitung Weg, und schlief, mit einem entspannten Gesicht, ein

 



 
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