HERMANN HESSE

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Narziß und Goldmund

 

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Titelblatt der Erstausgabe. (Quelle: s. Fußzeile.)Im Frühjahr 1927 begann Hesse nach Überwindung schwerer körperlicher Erschöpfung ein Werk ganz anderer Art, eine Dichtung, die zum ersten- und einzigenmal den Ausgleich der Spannungen zwischen Geist und Eros gestalten sollte, die Erzählung Narziß und Goldmund. Während er an diesem Werk arbeitet, schreibt er die Skizze Eine Arbeitsnacht, in der es heißt:
>> Eine neue Dichtung beginnt für mich in dem Augenblick zu entstehen, wo eine Figur mir sichtbar wird, welche für eine Weile Symbol und Träger meines Erlebens, meiner Gedanken, meiner Probleme werden kann. Die Erscheinung dieser mythischen Person (Peter Camenzind, Knulp, Demian, Siddhartha, Harry Haller usw.) ist der schöpferische Augenblick, aus dem alles entsteht. Beinahe alle Prosadichtungen, die ich geschrieben habe, sind Seelenbiographien, in allen handelt es sich nicht um Geschichten, Verwicklungen und Spannungen, sondern sie sind im Grunde Monologe, in denen eine einzige Person, eben jene mythische Figur, in ihren Beziehungen zur Welt und zum eigenen Ich betrachtet wird. <<

Auch Narziß und Goldmund ist wie die früheren Werke eine Seelenbiographie, aber da in diesem Werk die alten Gegensätze von Logos und Eros, von väterlichem und mütterlichem Prinzip in den zwei verschiedenen Gestalten eines sich ergänzenden Freundespaars Verkörperung finden, wird die Spannung nicht zur Dissonanz, sondern löst sich in eine echte Polarität. Die Erzählung spielt in der Welt des Mittelalters. Dem jungen gelehrten Mönch Narziß ist Goldmund in schwärmerischer Freundschaft zugetan, aber während für Narziß das Leben des Klosters, der Askese, des Geistes bestimmt ist, zieht es Goldmund hinaus in die Welt. Er lernt das Leben und die Liebe vieler Frauen kennen, empfängt Lust und gibt Lust.

Alles Versäumte blüht noch einmal auf, heißt es im Steppenwolf. Die sinnliche Liebe, die in Hesses sonstigen Werken kaum Darstellung findet, wird in der Gestalt des Goldmund mit dichterischer Phantasie verklärt. Er wird zum Künstler, zum Bildhauer, dessen schönstes Werk, eine Johannes-Statue, die Züge des Freundes trägt. Mancherlei Schicksale hat er, der nie seßhaft werden kann, zu bestehen. Immer wieder treibt es ihn in die Ferne, lockt ihn die Sehnsucht zu neuen, unbekannten Frauen, bis er zuletzt endgültig in das Kloster Mariabronn heimkehrt, um in den Armen des Freundes, dem er durch seine Freundschaft ein Stück Liebe erlebbar gemacht hat, zu sterben. Der alte Gegensatz zwischen dem Künstler und dem Denker, zwischen schöpferischer Gestaltung und denkerischer Durchdringung der Welt, ist im Gleichnis von Narziß und Goldmund zu einer Dichtung der Harmonie und der höheren Einheit geworden. Beide Gestalten, Goldmund, im Erleben und Auskosten der Welt, Narziß, in der strengen Selbstbewahrung des Geistes, haben sich vollendet, haben ihr Ziel erreicht.

Der Erfolg des Buches war groß und nachhaltig. Viele Leser und Kritiker, aufatmend den Steppenwolf hinter sich zu wissen, priesen die Erzählung als ein Buch, in dem Hesses epische Erzählkunst gelungensten Ausdruck gefunden habe. "Ein wunderschönes Buch in seiner politischen Klugheit, seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen", bemerkte Thomas Mann 1930 in seinem "Tagebuch".


 

 


 
 
 
 
 
 
   

 


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