HERMANN HESSE

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Kontroverse Diskussionen beim Calwer Hesse-Symposium

 

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Kontroverse Diskussionen beim Calwer Hesse-Symposium
Pressemitteilung
am 12.07.2003
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CALW. FĂĽr heftige Kontroversen war gesorgt beim ersten Hermann-Hesse-Symposium, das am letzten Wochenende im Rahmen des Calwer Kultursommers 2003 stattfand.

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Klick zum Vergrößern Die Podiumsteilnehmer
 
„Hermann Hesse als Streitobjekt?“: Der noch vorsichtig mit Fragezeichen versehene Titel der zweitägigen Veranstaltung, an der rund 100 interessierte Zuhörer teilnahmen, fand seine Bestätigung in einer lebhaften Auseinandersetzung unter sieben renommierten Referenten aus dem In- und Ausland.

Das Spannungsfeld der Meinungen, die sich zunächst in Einzelvorträgen, am Schluss in einer gemeinsamen Podiumsdiskussion spiegelten, markierten zwei Referenten, die sich mit ihren pointiert und mitunter provokant eingenommenen Positionen zu Hermann Hesse am jeweils anderen Ende des Spektrums exponierten:
Volker Michels, der Hesse-Herausgeber beim Suhrkamp Verlag, auf der einen, der Germanistik-Professor Dr. Claus Peter Philippi von der Universität Tübingen auf der anderen Seite

 
 Prof. Claus Peter Philippi
 
„Als ein Leitfossil vergangener Epochen“ und als „Phänomen“, das die Germanistik heute nicht mehr berühre, bezeichnete Professor Philippi den Calwer Dichter und Literatur-Nobelpreisträger. „Da wendet sich die Wissenschaft mit Grausen“, behauptete Peter Philippi im Calwer Georgenäum und begründete das mit inhaltlicher wie auch stilistischer Kritik. Hesses viel zitierter „Weg nach innen“ sei nicht viel mehr als eine „narzisstische Selbstdarstellung“. Und als Dichter habe Hesse „an der Moderne vorbei geschrieben“. Selbst Hesses enorme weltweite Wirkung ließ Philippi nicht gelten. Die Liebe zu Hesse begründe sich auf einer „ästhetischen Utopie“ sowie auf eine „Politikverdrängung“ seiner Anhängerschaft. Zudem habe der Suhrkamp-Verlag die ernsthafte Beschäftigung mit Hermann Hesse eher behindert als gefördert: „Das Bild, das der Verlag von Hermann Hesse erzeugt, ist das eines Dichters, der im Bus gelesen werden soll.“ Die Verdrängung in die Esoterik-Ecken habe der Herausgeber zu verantworten.

Der so gescholtene Volker Michels bezeichnete den Calwer Dichter dagegen als „Weltmacht", von der mit ihren millionenfach gelesenen Büchern nach wie vor enorme Impulse ausgehen. Literaturwissenschaftlern und Feuilletonisten warf Michels Ignoranz und Arroganz vor: „Hermann Hesse und sein Werk wären längst von der Bildfläche verschwunden, wenn es nach den professionellen Sachverwaltern ginge."

 
 Volker Michels
 
„Woher kommt die Hochnäsigkeit der Fachleute und ihrer Gefolgsleute in der Presse?“ fragte Volker Michels in seinem Vortrag und versuchte die Antwort in der Wirkungsgeschichte des Werkes von Hermann Hesse zu suchen, die von Wellen der Anerkennung und Ablehnung gekennzeichnet sei. Vor allem der Umstand, dass Hesse Deutschland den Rücken gekehrt habe, sei eine „narzisstische Verletzung“, die man dem Dichter nie vergessen habe. Michels These: „Hesse wurde zunehmend ausgegrenzt und unterschlagen.“ Erst die Nobelpreisverleihung 1946 habe eine Wende gebracht, aber schon der Spiegel-Verriss 1958 habe der akademischen Beschäftigung mit Hesse wieder den Garaus gemacht. „Eine blamable Entgleisung“, so Michels über den berühmten Artikel. Und selbst die Hesse-Begeisterung der Hippie-Generation hätten die „ideologischen Schlagbohrer“ (Michels) versucht ins Lächerliche zu ziehen.

Dem Werk von Hermann Hesse werde vielfach „das verächtliche Etikett Lebenshilfe" angeheftet. Die ethische Komponente sei wohl der entscheidende Störfaktor in Hesses Werk: „Hesse stört beim Geldverdienen", so Michels. Zudem sei die Klarheit seiner Texte nicht erklärungsbedürftig, sie eigneten sich nicht für komplexe Interpretationen: „Schriftgelehrte halten aber nur das Deutbare für bedeutend". Hesse gelte ihnen dagegen wegen seiner Popularität als trivial. Die Hesse-Abstinenz des deutschen Literaturbetriebs sei jedoch „singulär" in der Welt.

Für eine stärkere Beschäftigung mit Hermann Hesse auch in Deutschland plädierten die ausländischen Symposiumsteilnehmer. „Ich würde gern sehen, dass Hesse als literarische Figur auch literarisch analysiert wird", sagte der bekannte Hesse-Biograph Prof. Ralph Freedman aus den USA. „Ausgerechnet Hesse ist interessant als Objekt der Forschung", sagte Prof. Mauro Ponzi von der Universität La Sapieneza Rom, und der ungarische Germanistik-Professor Geza Horváth übte grundlegende Kritik an den Literaturwissenschaften: Sie steckten in der Krise und hätten sich zum Teil schon aufgelöst.

Die Kritik von Dr. Helga Esselborn von der Universität Köln ging in die gleiche Richtung: Sie verlangte von der Germanistik neue Methoden, um die alten Texte von Hermann Hesse zu erschließen: „Gerade weil sie so einfach sind, sind sie eine Herausforderung für Experten. Ich halte es für einen Fehler wegzugucken und Hesse seinen Fans zu überlassen.“

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