HERMANN HESSE

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Von der Anziehung entgegengesetzter Pole

 

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Von der Anziehung entgegengesetzter Pole
Pressemitteilung
am 07.06.2005
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Eine Veranstaltung im Hesse-Museum zeigte die intensive Beziehung zwischen Hermann Hesse und Thomas Mann auf. Die Ausstellung „Hermann Hesse und Thomas Mann. Dokumentation einer Freundschaft“ ist bis Mitte August im Hesse-Museum zu sehen.

Der Saal des Hermann-Hesse-Museums geriet an seine Kapazit├Ątsgrenze. An die 100 Besucher wollten den Vortrag von Hesse-Herausgeber Volker Michels ├╝ber die Beziehung von Thomas Mann und Hermann Hesse h├Âren. Volker Hill umrahmte die Veranstaltung mit Klavierst├╝cken der von beiden Dichtern gesch├Ątzten Komponisten Schubert und Chopin. Anschlie├čend er├Âffnete Herbert Schnierle-Lutz die von ihm im zweiten Stock des Museums eingerichtete Dokumentation zur Freundschaft der beiden Literaturnobelpreistr├Ąger.

 
 Hesse und Mann im Februar 1932
 
Die Erwartungen der Besucher wurden nicht entt├Ąuscht. In einem ebenso unterhaltsamen wie informativen Vortrag gab Volker Michels einen ├ťberblick ├╝ber die Werke der beiden Dichter mit ihren Verschiedenheiten und Ber├╝hrungspunkten, um dann die Entwicklung der kollegialen Beziehung darzustellen, die schlie├člich in eine Freundschaft m├╝ndete.

Die Wertsch├Ątzung Thomas Manns f├╝r Hermann Hesse veranschaulichte Volker Michels mit einer kleinen am├╝santen Anekdote, die der Schweizer Literaturkritiker Otto Basler ├╝berliefert hat: Dieser hatte 1950 Thomas Mann in sein Haus in Aargau eingeladen und an der Haust├╝re mit den Worten empfangen: ┬äNoch kein besserer Mann ist je ├╝ber diese Schwelle getreten.┬ô Da habe Thomas Mann den Fu├č von der Schwelle wieder zur├╝ckgezogen und habe gefragt: ┬äAber sagen Sie, lieber Freund, ist nicht Hermann Hesse neulich bei Ihnen im Haus zu Besuch gewesen?┬ô ┬ľ ┬äJa, das schon, aber er betrat das Haus von der anderen Seite┬ô, antwortete Otto Basler. Erst nachdem sein Freund Hermann Hesse solcherma├čen ebenfalls gew├╝rdigt war, betrat Thomas Mann munter und verschmitzt l├Ąchelnd das Haus.

Solche Freundschaften zwischen bedeutenden Schriftstellern seien nicht allzu h├Ąufig, f├╝hrte Volker Michels aus. Oft st├╝nden Konkurrenzgef├╝hle im Wege. Bei dem auf ├ľffentlichkeitswirksamkeit bedachten Gro├čb├╝rger Thomas Mann und eher asketisch zur├╝ckgezogenen Au├čenseiter Hermann Hesse sei die Basis des Zueinanderfindes gewesen, dass sie ihre St├Ąrken und Talente auf verschiedenen Gebieten hatten und solcherma├čen den Anderen in seiner Eigenart respektieren und auch bewundern konnten.

 
 Hesse und Mann um 1947
 
Gleichzeitig gibt es aber auch erstaunliche inhaltliche Berührungspunkte zwischen ihren Werken, die Volker Michels in seinem Vortrag benannte und die auch in der kleinen Ausstellung von Herbert Schnierle-Lutz in einer Virtrine unter dem Stichwort „Wahlverwandtschaften“ veranschaulicht sind:
┬äUnter meiner literarischen Generation habe ich Hesse fr├╝h als den mir N├Ąchsten und Liebsten erw├Ąhlt und sein Wachstum mit einer Sympathie begleitet, die aus Verschiedenheiten so gut ihre Nahrung zog wie aus ├ähnlichkeiten. Manches von Hesse lese ich, als sei es ein St├╝ck von mir┬ô, notierte Thomas Mann einmal. Und als er Hermann Hesses Alterswerk ┬äDas Glasperlenspiel┬ô las, schrieb er diesem: ┬äIch liebe die ernste Verspieltheit, in der es lebt, sie ist mir heimatlich vertraut. [...] Best├╝rzung war auch unter den Gef├╝hlen, mit denen ich das Werk las, ┬ľ ├╝ber eine N├Ąhe und Verwandtschaft, die mich nicht zum ersten Mal beeindruckt.┬ô Und er zieht Vergleiche zu seinem damals gerade entstehenden Roman ┬äDr. Faustus┬ô: ┬äMan kann sich nichts Verschiedeneres denken und dabei ist die ├ähnlichkeit frappant ┬ľ wie das unter Br├╝dern so vorkommt. ┬ľ┬ô

Die Anziehung entgegengesetzter Pole war das Geheimnis ihrer Freundschaft. Hermann Hesse hat das in seinem Gl├╝ckwunschschreiben zu Thomas Manns 80. Geburtstag 1955 so formuliert: ┬äSie wissen, lieber Thomas Mann, da├č ich von jeher ein Verehrer von der Bipolarit├Ąt alles Lebendigen gewesen bin und da├č, wo ich liebte und mich angezogen f├╝hlte, es immer wieder die Widerspr├╝chlichkeit und Zweiseelenhaftigkeit war, die mich anzog und gewann. So ist es mir auch mit Ihnen ergangen.┬ô

Information:
Die Ausstellung ┬äHermann Hesse und Thomas Mann. Dokumentation einer Freundschaft┬ô ist bis Mitte August im Hesse-Museum zu sehen. Sie ist auch in Heftform im Museum erh├Ąltlich. Der Briefwechsel zwischen Thomas Mann und Hermann Hesse ist in Buchform erschienen und im Museumsshop sowie im Buchhandel erh├Ąltlich.

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