HERMANN HESSE

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Ein kräftiger Hauch Nostalgie

 

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Ein kräftiger Hauch Nostalgie
Artikel von Sebastian Giebenrath
am 12.07.2007
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Anschauliche „Gerbersau“-Ausstellung im Calwer Hermann Hesse-Museum

 
 Ausstellungskurator Herbert Schnierle-Lutz
 
CALW. Erinnerungen sind die Samtdeckchen auf den ungehobelten Tischen unserer Vergangenheit. Ein besonders kunstvoller Weber solcher Deckchen war der in Calw geborene Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. Denn er hat in rund drei Dutzend Erzählungen seine Heimatstadt als „Gerbersau“ verewigt. Zu des Dichters Jugendzeit nämlich nutzten noch gut zwei Dutzend Gerbereien links und rechts der Nagold das vorbeifließende Wasser. Doch Hesse hat kein einziges Mal in seinen Erzählungen die nasenfeindlichen Geruchsausdünstungen der Gerbereien geschildert, sondern Landschaft und Menschen in atmosphärisch dichter Sprache eingefangen.

Teils humorvoll wie in „Ein Knabenstreich“, teils anrührend wie in „Der Lateinschüler“ entwarf Hesse mit starken autobiographischen Bezügen die literarische Topographie Calws und seiner Umgebung. Einen direkten optischen Vergleich mit den Schilderungen Hesses erlaubt nun eine kleine Ausstellung im Calwer Hermann Hesse-Museum am Marktplatz. Zusammengestellt und jeweils mit kenntnisreichen Bildlegenden versehen von dem Hesse-Experten Herbert Schnierle-Lutz, geben Fotos aus der Zeit vor 1900 Auskunft darüber, wie „Gerbersau“ zu Hesses Kinder- und Jugendzeit ausgesehen hat.

Zugleich ist damit ein direkter Vergleich möglich, wie akribisch bis in die Einzelheiten hinein der Dichter mit Worten seine Heimatstadt gezeichnet hat: steile Gässchen und idyllische Winkel, die Krämerläden und Gasthäuser, Fabrikgebäude und Bahntrassen, stattliche Bürgerhäuser, verschachteltes Dächergewirr, der Marktbrunnen und die kapellenbekrönte alte Brücke über die Nagold. Daneben die spitztürmige Kirche, in der Hesse dem Orgelspiel seines Onkels zuhörte, oder die Wälderhänge und Wiesen, die oftmals Schauplatz mancher Episode in den „Gerbersau“-Erzählungen sind.

Wen solchermaßen, optisch animiert, die Lust packt, sich näher mit den literarischen Spiegelbildern Hesses zu beschäftigen, der kann in den Vitrinen der Ausstellung die meistenteils als Einzelausgaben greifbaren Erzählbände und etliche Sekundärliteratur in Augenschein nehmen, die seit Jahrzehnten vergriffene, auf Veranlassung des Hesse-Freundes Ernst Rheinwald seinerzeit herausgegebene Gesamtausgabe der Erzählungen betrachten, oder die ebenfalls präsentierten Briefe lesen, die Hesse mit der Calwer Stadtverwaltung wechselte. Es weht ein kräftiger Hauch Nostalgie in dieser Ausstellung, aber gerade das ist eben das Reizvolle, was den Besuch lohnenswert werden lässt.

Sebastian Giebenrath


Ausstellung „Gerbersau“, Hermann Hesse-Museum Calw, Marktplatz, Öffnungszeiten dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr

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