HERMANN HESSE

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Hesses Lesewelt
Artikel von Keith Murray
am 17.07.2001
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So wie Marcel Reich-Ranicki hat auch Hermann Hesse einen Leitfaden zu lesenswerter Literatur geschrieben.

Vor kurzem hat der Kritiker Marcel Reich-Ranicki seinen "Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke" im Magazin "DER SPIEGEL" vorgelegt. Dieser Kanon ist "f├╝r den Unterricht" gedacht und schlie├čt Romane, Erz├Ąhlungen, Gedichte, und andere St├╝cke vom Mittelalter ├╝ber die Romantik und den Realismus bis zum Modernismus ein.

Reich-Ranicki gibt zu bedenken, dass jeder Kanon seine eigene Epoche und deren Auffassungen spiegele. Der Fan von Hermann Hesse mag auch an Hesses eigenen Kanon denken, der erst 1946 unter dem Titel "Eine Bibliothek der Weltliteratur" ver├Âffentlicht worden ist. Obwohl "niemand jemals die gesamte Literatur auch nur eines einzigen gro├čen Kulturvolles v├Âllig durchstudieren und kennenlernen k├Ânnte, geschweige denn die der ganzen Menschheit" ist Hesses Kanon sehr viel umfassender angelegt als der Reich-Ranickis. Hesse schenkt in seinem Kanon, der unter anderem gedacht ist f├╝r den, der "mit dem Aufbau einer eigenen B├╝cherei beginnt", der ganzen Weltliteratur Beachtung.

Einen besonderen Stellenwert in Hesses Kanon nimmt die Literatur des nahen und fernen Ostens ein, an die er durch seine Eltern und Gro├čeltern gekommen ist. Zu einer B├╝cherei geh├Âren laut Hesses Essay eine Auswahl aus den Upanishaden sowie eine Auswahl aus den Reden des Buddha, und danach folgen z.B. der "Gilgamesh," die Gespr├Ąche des Konfuzius, die M├Ąrchensammlung "Tausendundeine Nacht" und eine Auswahl aus der klassischen chinesischen Lyrik.

Aber auch die erurop├Ąische Literatur hat vieles zu bieten: An alter Literatur nimmt Hesse "vor allem" die zwei epischen Gedichte Homers auf, vergisst aber auch nicht die Tragiker ├äschylus, Sophokles, und Euripides. Unter den R├Âmern sch├Ątzt Hesse nicht nur Horaz, Vergil, und Ovid, sondern auch Tacitus, Petronius, und Augustin. Besonders wertvoll aus dem Mittelalter findet Hesse zum Beispiel das "Dekameron" von Giovanni Boccaccio (1313-1375), Dantes "G├Âttliche Kom├Âdie," die Sonette von Petrarca und die Gedichte von Michelangelo sowie die Heldensagen von der Tafelrunde des K├Ânigs Artus.

Doch damit nicht genug: Denn auch franz├Âsische Autoren haben viel Lesenswertes geschrieben, besonders zu ber├╝cksichtigen sind Villon, Montaigne, Rabelais, Pascal, Moli├Ęre, Voltaire, Rousseau, Stendhal, Baudelaire, und Balzac. Und auch Chaucer, Shakespeare, Swift, Defoe, Shelley, Keats, Thackeray, Dickens, und Wilde, die englischen Vertreter ihrer Zunft, sind nicht zu verachten. Dann stehen noch Cervantes, Villegas, und Calderon - alle spanisch - im Kanon und Gogol, Puschkin, Turgenieff, Tolstoi, und Dostojewskij, alle russisch. Hesse nimmt auch Werke aus anderen L├Ąndern auf, zum Beispiel die Gedichte des Amerikaners Walt Whitman, die M├Ąrchen des D├Ąnen Hans Christian Andersen, und einige Theaterst├╝cke des Norwegers Henrik Ibsen.

Am Ende kommt Hesse zu der deutschen Literatur, die er "mit besonderer Liebe" betrachtet. Nat├╝rlich befinden sich im Kanon die Dichter, die Hesse immer gelobt hat: H├Âlderlin, Novalis, Brentano, und E.T.A. Hoffmann. Von Johann Wolfgang Goethe nimmt Hesse die Gedichte, "Die Leiden des jungen Werther," "Novelle," "Faust," die Gespr├Ąche Eckermanns und einige Briefe auf. Was Luther, Schiller, Kleist, Chamisso, Droste-H├╝lshoff, M├Ârike, und Keller angeht, sind sich Hesse und Reich-Ranicki einig: Deren Werke tauchen in beider Kanones auf.

Wie gesagt, jeder derartige Kanon ist ein Produkt seiner Epoche. Oft hat Hesse auf spezifische Werke und Dichter verzichtet, weil es damals noch keine deutsche ├ťbersetzungen gegeben hat. Auch fehlt in Hesses Kanon verst├Ąndlicher Weise das ganze zwanzigste Jahrhundert - und nicht nur deutsche Schriftsteller wie Mann, Grass, und Hesse selbst, sondern auch Joyce, Proust, und Hemingway. Aber lassen Sie sich von Hesses "Eine Bibliothek der Weltliteratur" begeistern, oder um es in Hesses eigenen Worten zu sagen: "Ehe die Meisterwerke sich an uns bew├Ąhren, m├╝ssen wir uns erst an ihnen bew├Ąhrt haben."

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