HERMANN HESSE

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**Traumreisen**
- von monschdrum



**Traumreisen**

Einmal, als Herr Dager von seiner Arbeit nach Hause kam, die Türe aufschloß, seinen Mantel am Haken erhängte und zur Tat schritt, sein heutiges Abendbrot zu erledigen, erblickte er aus heiterem Himmel einen Dämonen. Welcher auf seinem Bette saß und unseren Herrn Dager zu sich winkte. Herr Dager, im ersten Moment von Zweifel und Furcht gepeinigt, bewegte sich dann doch auf die immerfort lächelnde Kreatur zu. Herr Dager, der nun einen Meter vor dem Dämon stand, welcher sich als Horny vorstellte, konnte dessen Ausdünstungen- die aus den Poren des Dämonen emporkrochen-riechen. Nun schaute der Dämon tief in Herrn Dagers Augen, so dass es dem Menschen schauderte, da er sich plötzlich völlig nackt und durchschaut fühlte. Plötzlich begann Horny den zitternden Herr Dager zu fragen:"Möchtest du ein paar Abenteuer erleben, und gleichzeitig etwas mehr über die Wahrheit erfahren?" Herr Dager, welcher schon lange dem Alltagstrott in seinem Leben überdrüssig war, erfreute sich dieser Frage, doch war er gleichzeitig auch etwas mißtrauisch. Er wusste nicht, was hinter dieser Offerte steckte, worauf sich seine Zweifel erbauten. So fragte er den Dämonen:"Was wird mich erwarten?" Dieser lächelte nur und verschwand. Herr Dager schrie entsetzt auf:"Halt, halt ich komme mit, komm zurück, komm zurück!" Doch er war weg. So folgte Herr Dager wieder seinem Geschäft, aß, schlaf, trank und glaubte. Eine Woche später, Herr Dager war wieder auf seinem Weg, von seinem Schlachtfeld der Arbeit, zu seinem Schlachtfeld der Häuslichkeit,


als er wiederum einen Dämonen erblickte. Es war Horny, der auf seinem Bett saß. Herr Dager, hocherfreut, einen Dämonen zu sehen, rannte Horny entgegen. Er begrüßte ihn fröhlich und wollte ihn schon auf die Wangen küssen, als er von dem Gestank, welcher Hornys Mund entströmte, zurückgeworfen wurde. Und Horny sprach:"So, ich habe also vernommen, du willst meinem Angebote folgen?" Herr Dager, der vor lauter Aufregung nur noch ein stammelndes:"Ja", hervorbrachte, wurde schon im nächsten Moment, von der unbarmherzigen Hand Hornys gepackt,


woraufhin sich um ihn eine unglaubliche Dunkelheit ausbreitete. Herr Dager konnte nicht sagen, wie lange er sich in diesem Zustand befand. Irgendwann wechselte dieser Zustand, in einen, aus dem er gar nichts mehr berichten konnte. Doch plötzlich war sein Bewußtsein wieder da und Herr Dager realisierte sich als Fliege wieder. Er sah die Welt nun, wie er sie immer durch das Binokular gesehen hatte, welches er immer mit seinen Augen beglückt hatte.


Die Welt war in ein Mosaik von tausend kleinen Teilen zerteilt. So flog er gemütlich, bis er plötzlich einen unglaublichen Schmerz verspürte und zu Boden fiel. Glas war für ihn zwar nicht sichtbar, aber hart. Zu allem Überdruss kam dann auch noch ein riesiges Gitter auf ihn zugeflogen. Oh nein, die Fliegenklatsche. Doch zu spät, es machte Platsch, er war Mus und es war wieder alles Schwarz. Als er auch schon wieder erwacht war, fand er sich diesesmal als Wolf vor. Die Farben waren aus seinem Leben verschwunden. Er sah alles in Grau. Er war kein Individuum mehr, sondern eine Teilmenge des Rudels, welche sich aneinaderknuddelte. Der Eine ging völlig auf in der Wärme des Anderen. Und riechen konnte er, alles war differenzierbar in verschiedene Geruchsspektren. Einer dieser Gerüche zogen ihn und den Rest des Rudels magisch an. Er weckte den Hunger. Ein Reh hatte sich in die Nähe gewagt, das Rudel kreiste es ein, fiel über es her und verspeiste es. Ermüdet von Jagd und Fressen, legte sich das Rudel wieder schlafen. Um Herr Dager wurde es wieder schwarz. Aber schon war es wieder hell und Herr Dager war nun ein König, vor dem sich die Probleme türmten. So überblickte er sein Reich und durfte auf die Trümmer zwei seiner schönsten Türme blicken.


Zudem hatte er zwei Gören im Haus, die ohne Ende dem Alkohol frönten und somit seinen Ruf in den Schlamm zogen. Und zuletzt musste er nun auch noch Entscheidung um Enstcheidung treffen.


Doch bevor es zu den Praktikatinnen ging, wurde es wieder schwarz für Herrn Dager. Und Herr Dager erwachte im Bewußtsein eines Halbwaisen, dessen Stiefvater ihm schon oft nette Blessuren und Frakturen verpasst hatte. Er war unglücklich und empfand alle als Feinde. So lief er auf der Straße, beleidigte, war wütend und wollte doch weinen. Jedes Wort gegen ihn ließ eine unglaubliche Wut in ihm aufsteigen, und als einmal verbale Speere gegen seine Mutter gerichtet wurden, rastete er aus. Sein Hypothalmus übernahm die Kontrolle über sein Handeln. Er schlug zu, ließ nicht mehr ab von seinem Opfer.Für Herr Dager wurde wieder alles schwarz, als die Gummiknüppel der Polizisten auf seinen Kopf einprasselten. Plötzlich war er Liebender, der in den Armen seiner Schönheit lag, für die er keine anderen Gefühle hegte, als bedingungslose Liebe.Er blickte in ihre Augen, liebte jedes Wort, das aus ihrem Mund sprudelte, küsste Sie und als sich sein Liebespfeil gen Himmel reckte, wurde alles schwarz um Herrn Dager. Ein andermal war er Schopenhauer und verstand plötzlich all dessen Pessimissmus, konnte ihn bis in jede letzte Faser nachfühlen. Er verspürte all den Schmerz und sehnte sich nach Nichts und Nirwana.


Und so erlebte Herr Dager noch tausende Abenteuer, spielte Despot, fühlte Unglück und Liebe,


erforschte Gründe und Ursachen, erkannte Wahrheiten, ersann Universen und vieles mehr, bis er schleißlich nach Hause zu seinem Dämonen zurückkehrte, der ihn nach geglückter Begrüßung frug:"Was weißt du nun mein Freund?" Woraufhin es aus Herrn Dager hervorsprudelte:" Ich weiss endlich, dass ich Nichts weiss!"

 



 
 

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