HERMANN HESSE

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**Die Suche nach dem Ich**
- von monschdrum



**Die Suche nach dem Ich**

Einmal saßen ein Mann und sein Sohn in einer Steppe unter einem Baum, der ihnen Schatten spendete. Weit in der Ferne erhoben sich Berge auf deren Gipfeln weißer Schnee glitzerte und in deren Tälern Bäche entsprangen, die anwuchsen zu Strömen und irgendwo in der Ferne in das große Wasser mündeten. Überall um die zwei Menschen wogen Blumen und Gräser hin und her, denn ein sanfter Wind blies, der gerade so schwach war um nicht als stark bezeichnet werden zu können. Millionen Schmetterlinge, Bienen, Spinnen und anderes Getier vergnügten sich in dieser weiten Steppe. Die Sonne stand im Zenit, nur vereinzelt schwebten Wolken am Firmament. Hie und da grasten einige Wildpferde, auf den Flüssen sprangen Fische und die zwei Menschen träumten still, unter jenem Baum, vor sich hin. Man konnte nicht behaupten die zwei waren unglücklich, doch den jungen störte etwas, ein Gedanke kreiste ständig in seinem Kopf. Da begann er die Ruhe zwischen sich und seinem Vater zu stören und sprach:" O Vater, mein Vater, was ist das Ich? Was ist jenes Ding, das wir als Ich bezeichnen?" Der Vater vernahm und schwieg erst eine Zeit lang bis er sprach:"O Sohn, mein Sohne, jenes Ding, jenes Ich, da fragst du mich etwas, was mich auch schon lange beschäftigt, etwas, das ich selbst nicht wirklich zu beantworten vermag. Aber mein Sohn, betreibe einmal ein Gedankenspiel: Stelle dir einmal deine Reise vom letzten Sommer vor, als du am großen Wasser warst, den Wellen gelauscht hast, mit dem Floß hinausfuhrst und dieses hübsche Mädchen, draussen auf der kleinen Insel getroffen hast. Und nun frage in dir, forsche tief in deinem Inneren nach jenem Ich, von dem du sagen könntest, dieses Ich hat die Reise erlebt, dieses Ich hat mich geführt, hat mich geleitet, ist das Ich, nach dem ich suche." Es herrschte eine Zeit lang Ruhe, der Junge war in sich, dachte, forschte und suchte, bis er wieder sprach:"


O Vater, ich kann keines finden, immer wenn ich glaubte das Ich isoliert und gefunden zu haben, entdeckte ich, dies ist nicht das Ich, denn ich konnte es immer wieder mit dem Ich anschauen. Ich kann mich nicht finden, zumindest nicht dieses Ich, das alles in mir anschaut."Auf des Vaters Blick zeichnete sich daraufhin ein Lächeln ab und er sprach:"


O Sohn, siehst du, zur selben Erkenntnis bin ich auch gekommen. Ich habe mir nun zwei Möglichkeiten erdacht, zum Einen wurde mir bewußt, dass die Augen, welche täglich die Welt erblicken, sich niemals selbst erkennen können-erst mit dem Spiegel kann man sie sehen, aber den Spiegel für das Ich habe ich nicht gefunden und ich weiß auch nicht ob er überhaupt existiert. Zum Anderen könnte es aber auch sein, dass das Ich nur ein Teil von vielen im Bewußtsein ist, wobei dieser Teil ständig den Ort im Bewußtsein wechseln kann und somit das Ich immer eine Einbildung ist, da sich das Bewußtsein eines Menschen-in sich selbst-von verschiedenen Punkten aus betrachtet." Wieder schwiegen Vater und Sohn, lauschten dem Wind,


ließen ihren Blick umherschweifen, hier auf Tier, dort auf Gras und schliefen dann nebeneinander ein. Als beide wieder im wachen Zustand anzutreffen waren sprach der Sohn:"


O Vater, deine Sätze sind mir nun tausend Mal im Kopf umhergeschossen und ich kann dazu nur noch sagen: Hier draussen in der Natur, bei Wind, bei Gras, bei Berg und Tal fühle ich immer weniger Ich, hier kann ich kaum mehr Umwelt um mich wahrnehmen, sondern erkenne mich als notwendiger Teil des ganzen, ohne den dieses Bild nicht dasselbe wäre."


Da sprach der Vater:" O Sohn, wenn dir das Glück verheißt, dann ist es gut."

 



 
 

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