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Ich hatte einen Sohn
- von Peter Simon



Ich hatte einen Sohn








- Haben Sie eine Familie Moor?
- Nein, ich habe keine.
- Das ist gut, Singlen steht die Welt. Es gibt nichts schlimmeres als die familiäre Bindung. Ich sage, es Lohnt sich nicht eine Familie zu gründen,
vor allem nicht frühzeitig.
- Ich hatte einen Sohn.
- Aber...
- Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. Die letzte Nachricht, die
mich erreicht hat war, daß die Deutschen ihn gefangen genommen haben.
Er hieß Dick, wie Sie.
- Was war er für ein Mensch?
- Die Wahrheit ist, daß ich nicht viel über ihn weiß. Vielleicht war
das ein Fehler, aber ohne Mutter konnte ich Ihn nicht erziehen.
Er war sechs, zu sehr ein Kind.
Er wuchs in einem Heim auf.
- Und als er aufwuchs, kam der Krieg. – sagte Dick.
- Ja, ich glaube, er ist verloren. Er war mein einziger Sohn.
Es wurde vollkommen dunkel. Im Tal entstand etwas Wind und trieb
Warme Luft auf das Hochland. Er hat an der Plane der zwei Zelte
Gerüttelt, dann gab es Ruhe. Als läge niemand in ihnen.


- - - -


- Guten Morgen Dick. Sie haben sich einen schönen Weg vorgenommen
Junger Mann. Klettern Sie gewöhnlich alleine? – Dick antwortete nicht sofort und steckte bloß seinen Kopf aus dem Schlafsack hinaus.
- Nein. Es findet sich immer jemand.
- Und falls wir uns gestern nicht begegneten?
- Ich habe nicht auf Sie gewartet, bloß auf jemanden.
- Ich glaube aber, daß es nicht egal ist, mit welchem Touristen Sie das Glück zusammenführt.
- Sie haben Recht... Was haben Sie vor dem Krieg gemacht?
- Komisch fragen Sie junger Mann. Ich hatte ein Schuhgeschäft auf dem George street.
- London.
- Ja in London. Auch meine Wohnung war dort bis 44.



Die Beiden beschäftigten sich um Ihre eigene Ausrüstung. Moor
Wurde früher fertig, er hat sich neben Dicks abgebauten Zelt
niederkniet und brühte Tee.
- Möchten Sie Tee?
- Ja.
- Passen Sie auf ihn auf, bis ich zurück bin!
- Wo gehen Sie hin?
- Warum, was denken Sie, was ist das für ein Gefühl von hier
nach unten... und machte mit der Hand eine „S“ förmige
Bewegung.
- Ich glaube nicht, daß Sie das, das erste Mal tun, - lächelte Dick –
solche Veteranen haben schon viele Felswände angepißt.
- Aber junger Mann, wie können Sie so reden? Es kann im Leben eines normal sterblichen Menschen kaum ein himmlischeres Gefühl geben.
- Also nicht das erste Mal. – und ahmte Moors Bewegung von vorhin
nach.
- Wissen Sie was? Kommen Sie auch mit.
- Warum? Alleine geht es nicht?
- Ach was, von mir aus können Sie sich sogar umdrehen, ich glaube trotzdem nicht, daß Sie ein Zweihundertmeter-wasserfall nicht preisen können.
Mit aufsteigender Sonne...
- Hallo, und der Tee? – aber Moor schien es zu überhören.
- Ach was soll es - winkte Dick, und eilte hinter her.


----


Sie haben den ganzen Tag an der Felswand verbracht. Sie rasteten öfter an den breiten Rampen. Der größere Teil der Ausrüstung war bei Dick, daher stieg in der Regel Moor als erster nach vorne.

Er hat einen Felsnagel in einen Spalt zwischen der Rampe und der Felswand geschlagen, er hat einen Karabienerhaken in ihn eingehängt und sagte Dick Bescheid, daß er das Seil einziehen kann. Er bewegte sich routiniert. Ein Paar Meter weiter hat er noch einen Hacken eingeschlagen. Dick hat gelächelt.
- Lachen Sie nicht, junger Mann! – er hat mit dem Gehämmern aufgehört und überprüfte, ob der Nagel hält. – Sie sollten lieber sehen, daß Sie diesen Rucksack ablegen.
- Das geht doch nicht, ich bin mit ihm verbunden. Die Hälfte der Ausrüstung ist in ihm.
Ein Donner artiges Geräusch schnitt in die Luft.
- Steinlawine! – schrie Moor, klammerte sich an den eingehängten
Karabinerhaken und preßte seinen Körper an die Felswand.


Die Steinbrocken fliehen zum größten Teil neben Dick herunter und einige trafen seinen Rucksack. Er hat seinen Gleichgewicht verloren, schwankte, erschrocken bemerkte er, daß der erste Haken herausfiel und schon fiel er selbst hinunter.
Moor hat aufgepaßt... Sein Körper rankte groß, als das Seil zwischen ihnen endlich gespannt war.
- Was für gute Nerven Sie haben, Alter!
- Diese Belobigung bekam mir gut... – murmelte Moor.
- Ich komme nicht an die Wand heran... wegen des Überhangs...
- Ja... versuchen Sie den Inhalt des Rucksacks hinaus zu schütteln, aber beeilen Sie sich, denn ich kann nicht lange durchhalten.
- Konnten Sie sich denn nicht festbinden?
- Ich hatte dafür keine Zeit.
- Um Gottes Willen! – biß Dick seine Zähne zusammen.
Er dachte an die bevorstehende Kraftübung.
Er schwang sich zur Wand aber er kippte weg, da er keinen Griff
Gefunden hat. Er zog den Rucksack aus, aber er wußte, daß er nicht abfällt wegen des Seiles, das sich über die Gurten zog. Blitzschnell zog er sein Messer aus der Seitentasche und schnitt die Gurte durch, die auf seine Brust gerutscht sind. Der gemeinsame Last wurde mit etwa dreißig Kilo leichter.
Moor fühlte so, als hätten sie eine Ewigkeit so gehangen, bis der Rucksack endlich herunter fiel.
Moor liebte das leben. Er war so ein Mensch, der all den Geschmack und Farbe des Lebens in sich hineinzog, er genoß alle Augenblicke dessen. Nicht so, wie er sah und fühlte in seinen bis zu kleinsten Gliedern, nicht so, wie die Anderen, er hat das ganze geliebt.
Die Anderen haben Angst und sterben, wie alles auf dieser Welt,
und wenn jemand den Grad des Wissens erreicht hat, daß er die
Erbarmungslosigkeit des Vergehens begreifen kann, so tut es ihm Leid an der Schwelle des Todes und sagt: „MAMA“ und denkt: „NIE WIEDER“;
Moors angestrengten Arme wurden sehr erschöpft, aber er fühlte, daß der Junge schon kraxelt am Seil, hinauf. Er machte große, tiefe Atemzüge damit sein Blut frisch wird. Er suchte seinen Füßen einen besseren Stand, da sie schon zitterten. Er hatte Angst, sagte jedoch nichts, denn er wußte, daß der Junge sich beeilen wird. Sie waren von einander abhängig.
Das Leben der Beiden hing von Moors Armen ab.
- Ist gut junger Mann!
- Halten Sie durch Alter!
Nur noch ein Paar Meter gab es zwischen ihnen, als Moors einer Fuß wieder anfing zu zittern. Er hob ihn etwas an, nicht daß er ausrutscht, er sammelte alle seine Kräfte, aber selbst seine Hände gehorchten nicht mehr.
Er stoß seinen Nacken empor, bemühte sich so sehr...
-An die Wand! - preßte er das Wort durch die Lippen und er selbst
Entfernte sich bloß davon. Einen Augenblick später ließ das Seil plötzlich nach und Dicks Körper fiel pfeifend hinunter, in seinen gespreizten Händen leuchtete das Messer auf.


Die Sonne war nicht mehr auf dem Himmel, aber Moor lag immer noch mit dem Bauch auf der Rampe. Das durchgeschnittene Seil war immer noch an ihm, mit seinem aufgegangenen Ende spielte launisch der Wind.

* * * * *














 



 
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