HERMANN HESSE

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- von sissipha



An einem sonnigen Tag ging ich durch meine offene Zimmertür aus dem Haus die Straße hinauf mit einer träumerischen Selbstverständlichkeit. In mir keimte eine kleine weiße Knospe, welche sich zu weiten begann, je mehr Platanen ich hinter mir ließ. Ich war auf freiem Feld angelangt und blickte geblendet in den wolkenlosen Himmel. Ein leichter Wind hauchte meinem Herzen eine springende Leichtigkeit ein, welche sich auch Glück nennen ließe. Die Knospe in meinem Inneren war zu eine blutroten Blüte erwacht, welche inzwischen meine Brust vollständig ausfüllte. An den seidenen Fäden des Glückes schwebte ich über eine hohe Wiese und sah nichts, was mich aufhielt, diese Weite nicht in mein Herz einzulassen und sie dort fest einzuschließen als etwas Unabdingbares. Sehnsüchtig spürte ich die saftige Blüte in meinem Inneren, welche mich immer weiter in die Ferne führte, mit einer träumerischen Selbstverständlichkeit. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und die Blüte begann zu dürsten, da kam ein Wanderer mir entgegen. Seine Augensterne waren so tief und sein Haar so sonnig, dass ich wusste, dass wir von nun an gemeinsam wandern werden. Nur so könnte ich die Blüte in meinem Inneren nähren, dass sie mich weiter leiten kann. Und durch die Anwesenheit des Wanderers begann ich spüren, was dieses zauberhafte Band, welches zwischen den Menschen, die sich lieben, ausmacht. Es war ein unsichtbares Band, jedoch aus einer unzerreißbaren Substanz, die wir Kraft oder auch Leidenschaft nennen mögen. Diese Kraft nährt sich aus den Wesen, die sie verbindet, sie kann aus Sehnsucht wie auch Wärme bestehen. Durch dieses Band verbunden mit dem fremden Wanderer ließ ich bald das weite Feld hinter mir und gelangte in eine wilde Gebirgslandschaft mit hohen, schwer zu erklimmenden Bergen und tiefen, weichen und dunklen Tälern. Da merkte ich, dass die blutrote Blüte zu einer Frucht gereift war und sah, wie ein Sonnenuntergang voller Orange und Violett die noch fernen Sterne ankündigte. Wir erklommen viele Berge, welche uns den Blick über unermessliche Weiten schenkten, doch nahmen sie uns viel von unserer Kraft. Auch durchstiegen wir die dunklen Täler, in welchen wir hungerten und dürsteten und froren und viele unserer Kräfte aufbrauchten. Die Berge schenkten uns Weisheit und Glück, die Täler schenkten uns die Sehnsucht. Lange waren die Sterne aufgegangen und die Dunkelheit stieg bedrohlich wie beruhigend aus den tiefen Gebirgsseen auf, deren Grund kein Menschenauge erreichen kann. Die Berge ebneten sich, die Täler hoben sich, und endlich blickten wir entsetzt in die weite Nacktheit, die sich unseren Augen bot. Der Wüstensand war ein hartes Nachtlager und ließ geizig nur dürre Gräser und Schlangen und Skorpione leben. Erschöpft, nur von den weiten Feldern und wilden Gebirgen unserer Vergangenheit lebend, setzten wir Fuß vor Fuß in der unerbittlichen Kälte. Nachts wärmten wir uns gegenseitig durch die längst tote Wärme der früheren Sonne und durch unsere Träume, welche von Liebe und Glück erzählten. Dann merkte ich, dass die einst saftige, große Frucht in mir ausgetrocknet und klein vor mir lag, und spürte in mir die Leere, wo vorher nur Fülle und Leben waren. Die kleinen, traurigen Augen des Wanderers blickten ebenfalls die einst königlich strahlende, nun ausgedörrte Frucht an. Vor uns öffnete sich ein dunkler See, und da er so groß war, dass es keinen Weg daran vorbei gab, setzten wir unseren Weg in den See hinein fort. Auch die zunehmende Tiefe verlangsamte unsere Schritte nicht, und endlich war der Blick unserer Augen nicht mehr von dem trocken Wüstensand, sondern der fließenden Feuchtigkeit und Tiefe des Wassers erfüllt.

 



 
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