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Die Blume und Du
- von Demian2



Die Blume und Du

Du wirst dich wieder auf den Weg machen und in die finsteren Tiefen deines Waldes eintauchen. Noch ist alles still, nur das Knistern des herbstlichen Laubes und die knackenden Äste unter deinen Füßen werden deine Ruhe stören. Doch bald wirst du das leise Ticken der Zeit unter dem Waldboden vernehmen und die gestaltlosen Schatten durch den Nebel huschen sehen, von denen man dir so oft erzählte. Dann wirst du dich niederbeugen und beginnen, zu graben. Niemand wird dich stören, Niemandes Atem wird dich berühren. Du wirst den Schweiß auf deiner Stirn spüren und die feuchte und kalte Erde zwischen deinen ruhelosen Fingern. Dein Herz wird stärker schlagen, und mit deinem Puls wird das leise Ticken der Zeit langsam anschwellen. Schließlich wird es wie ein Donnern deinen Wald erschüttern und für einen Augenblick, für den Bruchteil einer Sekunde, wird ein Blitz dir das Funkeln der Regentropfen zwischen den Tannenwipfeln sichtbar machen.
Doch ein Schatten wird deinen Namen rufen und du wirst dich tiefer und tiefer in den Boden graben. Deine blutigen Hände werden zittern, wenn sie schließlich die letzte Erde abgetragen haben und unerwartet ins Leere fassen, sich verlierend. Der letzte Donnerschlag der Zeit wird dich hinabstoßen, wenn du nun nichts unternimmst.

Doch du klammerst dich an die Blume, welche neben dir im Mondlicht gedieh.
Und sie spricht zu dir: ?Du musst ein Mensch sein, und noch dazu ein sehr unvernünftiger, wenn du dir um diese Uhrzeit dein eigenes Grab schaufeln willst.? Die Blume unterdrückte ein Gähnen. ?Hast du nicht den Schlag der Uhr gehört? Sie schlug Sieben und die Sonne wollte gerade aufgehen, bis sie dich sah und verschüchtert innehielt. Niemand sollte sich in dieser Frühe vergraben, bevor er die ersten Sonnenstrahlen gefühlt und gesehen hat. Du wirst sehen, die Sonne wird dir gefallen.?, und hier begann die Blume gütig zu lächeln, ?Sie ist das Schönste im Leben, denn ohne sie wirkt alles dunkel und fahl. Ohne sie gäbe es keinen Mondschein, ohne Mondschein keine Melancholie, und ohne Melancholie keine Kunst. Ist sie nicht die verkörperte Liebe??

Doch du entgegnest bitter: ?Danke, Blume, aber du missverstehst mich. Ich kenne die Sonne sehr wohl, und das Loch, welches ich grub, war für eben jene bestimmt. Sie ist schon alt und hat ihre Ruhe verdient, ich will sie hier in meinem dunklen Wald tief unter der Erde begraben und den Schein des Mondes dazu, denn unter der Erde sind beide besser aufgehoben als unter freiem Himmel, und wenn ich mich recht geschickt anstelle, wird es auch kein Mensch merken.?
?Da magst du Recht haben?, schmunzelte die Blume und wuchs in den Himmel, zur rotglitzernden Morgensonne empor. ?Nun klettere hinauf,?, rief sie, ?und hole dir deine Sonne vom Himmel herab!?
Doch je höher du kamst, desto größer wurde die Sonne und desto brennender wurde ihre Hitze, und du musstest dich sehr wundern und umkehren. ?So passt sie nie in das Loch, das ich grub, sie wächst ja beständig, und wenn sie noch heisser wird, verbrenne ich bei lebendigem Leib!?
Die Blume hatte schließlich ausgiebig gelacht und zu dir herabgerufen: ?Die Sonne ist doch wohl eine Nummer zu groß für dich, nicht wahr? Vielleicht solltest du es zunächst mit dem Schein des Mondes versuchen oder mit dem Schweif eines kleinen Kometen??, und kichernd hatte sie einen ihrer Arme bis zum verblassenden Morgenmond hingestreckt.
Doch du hattest gemerkt, dass sie dich nicht verstand und hattest dich abgewandt von ihr.

Wie hätte sie dich auch verstehen können?

 



 
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