HERMANN HESSE

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- von glasperlenspieler



Prolog: Über was soll man schon schreiben? Über was soll ich schon schreiben?
Am Fernseher kommen nur gefühlswabernde Musikvideoklips. Mit Bacchus und Gefühlsduselei beginne ich zu schreiben. Aber über was?

I. Im Rausch entstehen beste menschliche Kunsterzeugnisse. Im Rausch schreiben sei einfach, aber über den Rausch zu schreiben ist schwierig. Eigentlich die Krux des Menschseins: Fühlen und dies nicht ausdrücken können.Tausende Worte über Liebe und die anderen grossen Themen der Menschheit, wie Tod, Leben, Glück oder Gott – jedes Wort richtig und doch keines genau treffend.
Fühlen ist wortlos. Versucht man sein Fühlen niederzuschreiben, scheitert man daran, dass diese Worte nicht mehr dieses Fühlen sind, sondern eben Worte. Ewiger Zwist von Gefühl und Geist. Dazwischen das leidende Wesen, das sich zu vereinen sucht.
Senti-mental sollte man sein, ein Wort, das Gefühl und Geist vereint.
Ich schreibe und schramme an dem vorbei, worüber ich schreiben möchte.
Ist es Liebe?
Gefährlich darüber ein geschriebenes Wort zu verlieren, welches von anderen gelesen werden könnte. Denn da ist man gnadenlos deren rationalen Wertung ausgesetzt, das Gefühlte wird als romantisch und Kitsch abgetan. Und so richtet ein Leser darüber, denn schliesslich soll ein Text etwas aussagen und nicht zu plump daherkommen...
Da der Mensch seine Gefühle nicht wirklich ausdrücken kann, ist er allein. Fühlen und sich nicht mitteilen können, im Wissen, dass jeder fühlt, aber im Nichtwissen, wie und was denn genau der andere fühlt.
Die Sprache ist somit eine Brücke und normiert auch gewisse Gefühlslagen. Denn wir verstehen viel unter Liebe und könnten einzelne Facetten noch mit hundert Worten betiteln. Also benennen und normieren wir alle verschiedenen, individuellen Liebesgefühle mit dem Wort Liebe, und meinen alle von demselben zu sprechen.
Und auch dieser Text: Zwar im Zustand eines Rausches, aber erschütternd rational und nüchtern. Und dennoch ist es der Rausch.

II. Zwischen Gefühl und Text das schreibende Ich, im Verlangen sich ausdrücken zu können, so wie sich das Ich fühlt. Geist und Gefühl vereinen. Wortlos viele Worte verlieren und zumindest versuchen… Ewig versuchen… Vielleicht das Einzige…
So wird es wohl Liebe sein.
Hoffentlich auch bei ihr.
Zumindest verliebt sein.

III. Ja, ich bin rauschvoll in dich verliebt. Möchte mit dir zusammen Hauptfigur in einem Roman oder einem Liebesgedicht sein, geschrieben vom Leben. Einander ergänzen, fühlen, sich auf allen Ebenen ansprechend, im ganzen Menschsein. Ja, ich möchte dich küssen und uns mit dir berauschen. Unsere Liebe als Kugel, du die eine Hälfte, ich die andere, verschmelzend. Ja, das ist mein Fühlen.

IV. Apollo winkt vorüber. Ich trauere dem bacchantischen Rausch nach, und die Leiden meines jungen Wesens sind etwas gelindert.
Schreiben reinigt.

V. Letzter Akt.
Sprachbruchromantik.

 



 
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