Mailied

von


Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur! Es dringen Blüten aus jedem Zweig und tausend Stimmen aus dem Gesträuch. Und Freud und Wonne aus jeder Brust. O Erd, o Sonne! O Glück, o Lust! O Lieb, o Liebe! So golden schön, wie Morgenwolken auf jenen Höhn! Du segnest herrlich das frische Feld, im Blütendampfe die volle Welt. O Mädchen, Mädchen, wie lieb ich dich! Wie blinkt dein Auge! Wie liebst Du mich! So liebt die Lerche Gesang und Luft, und Morgenblumen den Himmelsduft, wie ich dich liebe mit warmem Blut die du mir Jugend und Freud und Mut zu neuen Liedern und Tänzen gibst. Sei ewig glücklich, wie du mich liebst!

Wann schrieb Johann Wolfgang von Goethe das Gedicht "Mailied"?

Wissenswertes

  • "Mailied" gehört zu der Gedichtsammlung "Sesenheimer Lieder", die entstand, als Goethe 1770/-71 in Straßburg und im elsässischen Sessenheim war.
  • Es wurde von Beethoven in Op. 52 No. 4 vertont.
  • In früheren Veröffentlichen wurde es auch "Maifest" genannt.
  • Es besteht aus neun Strophen zu je vier Versen.
  • Es wird der Natur-, Liebes- und Erlebnislyrik zugerechnet.
  • Goethe verarbeitet in "Mailied" die kurze aber leidenschaftliche Romanze mit der elsässischen Pfarrerstochter Friederike Brion.

"Mailied" vorgetragen auf YouTube

Quelle: Johann Wolfgang von Goethe, Sämtliche Gedichte*
Insel Verlag, 2007