Manchmal

von


Manchmal, wenn ein Vogel ruft oder ein Wind geht in den Zweigen oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft, dann muß ich lange lauschen und schweigen. Meine Seele flieht zurück, bis wo vor tausend vergessenen Jahren der Vogel und der wehende Wind mir ähnlich und meine Brüder waren. Meine Seele wird Baum und ein Tier und ein Wolkenweben. Verwandelt und fremd kehrt sie zurück und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

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Dieses Gedicht findest du in:

Sämtliche Gedichte in einem Band: Hrsg. u. Nachw. v. Volker Michels

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Wann schrieb Hermann Hesse das Gedicht "Manchmal"?

Wissenswertes

  • Drei Strophen zu je vier Versen.
  • Zentrale Bewegung: ein Naturlaut — Vogelruf, Wind in den Zweigen, ferner Hundebell — löst beim lyrischen Ich ein Zurückhorchen aus; die Seele „flieht zurück" zu einer Urverwandtschaft mit Vogel, Wind, Tier und Wolke.
  • Bekannt geworden ist der Eingang: „Manchmal, wenn ein Vogel ruft / oder ein Wind geht in den Zweigen…"
  • Das Gedicht steht in einer Reihe mit Hesses frühen Stimmungsgedichten wie Im Nebel (1905).
  • Hesse verfasste „Manchmal" im September 1904, mit 27 Jahren.

Gottfried John liest "Manchmal" von Hermann Hesse

Quelle: Hermann Hesse, Sämtliche Gedichte in einem Band*
Herausgeber: Volker Michels, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995