Vergänglichkeit

von


Vom Baum des Lebens fällt Mir Blatt um Blatt, O taumelbunte Welt, Wie machst du satt, Wie machst du satt und müd, Wie machst du trunken! Was heut noch glüht, Ist bald versunken. Bald klirrt der Wind Über mein braunes Grab, Über das kleine Kind Beugt sich die Mutter herab. Ihre Augen will ich wiedersehn, Ihr Blick ist mein Stern, Alles andre mag gehn und verwehn, Alles stirbt, alles stirbt gern. Nur die ewige Mutter bleibt, Von der wir kamen, Ihr spielender Finger schreibt In die flüchtige Luft unsre Namen.

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Dieses Gedicht findest du in:

Sämtliche Gedichte in einem Band: Hrsg. u. Nachw. v. Volker Michels

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Wann schrieb Hermann Hesse das Gedicht "Vergänglichkeit"?

Wissenswertes

  • Zwanzig Verse in fortlaufender Reimfolge.
  • Eingangsbild: „Vom Baum des Lebens fällt / Mir Blatt um Blatt…" — der herbstliche Lebensbaum als Bild der Endlichkeit.
  • Schlussbild: „Nur die ewige Mutter bleibt, / Von der wir kamen, / Ihr spielender Finger schreibt / In die flüchtige Luft unsre Namen." Die Vergänglichkeit findet ihren Gegenpol in einer mütterlich-kosmischen Ewigkeit.
  • Das Gedicht entstand als Teil der Erzählung Klingsors letzter Sommer und wird darin dem chinesischen Dichter Thu Fu — einem Alter Ego des Künstlers — in den Mund gelegt.
  • Hesse verfasste „Vergänglichkeit" im Februar 1919, mit 41 Jahren.

Hermmann Hesse liest "Vergänglichkeit"

Quelle: Hermann Hesse, Sämtliche Gedichte in einem Band*
Herausgeber: Volker Michels, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995