Hermann Lauscher

Auf einen Blick

Erscheinungsjahr
1901
Verlag
R. Reich, Basel
Gattung
Prosa und Gedichte
Erstauflage
Neun Gedichte und drei Prosastücke
Besonderheit
Als Bekenntnisbuch bezeichnet — enthält Schilderung der Basler Kinderzeit und das schwermütig-ironische Tagebuch 1900

Cover von Hermann Hesses Buch Hermann Lauscher, Erstausgabe 1901

Hesses drittes Buch erschien im November 1900 bei R. Reich in Basel, datiert auf 1901, unter dem vollen Titel „Hinterlassene Schriften und Gedichte von Hermann Lauscher. Herausgegeben von Hermann Hesse“. Es ist ein literarisches Doppelspiel: Hesse tritt zunächst als bloßer Herausgeber des Nachlasses eines fiktiven Autors „Hermann Lauscher“ auf. Erst 1902 enthüllte der Dichter Richard von Schaukal öffentlich, dass Hesse selbst der Verfasser war. Eine erweiterte zweite Auflage erschien 1907 mit zwei zusätzlichen Prosastücken.

Inhalt: Gedichte, Prosa und das „Tagebuch 1900″

Der Band enthält neun Gedichte und drei Prosastücke (ab 1907 fünf), darunter „Meine Kindheit“, „Die Novembernacht“, „Ein Kranz für die schöne Lulu“, „Schlaflose Nächte“ und vor allem das umfangreiche „Tagebuch 1900″. Diese Aufzeichnungen beginnen am 7. April und führen bis zum Herbst des Jahres. Sie geben ein ungeschminktes Bild von Hesses labiler seelischer Verfassung zu jener Zeit – Zeugnisse leidenschaftlicher Selbsterforschung und zugleich fortschreitender künstlerischer Gestaltungskraft.

Zwischen dem hohen, stolzen Bild der „Elisabeth“ – einer Tochter La Roche, die er aus der Ferne scheu verehrt – und dem „Klub der Entgleisten“, der sich in den Basler Schenken herumtreibt, schwankt das Pendel: schwermütige Träume um Vergänglichkeit auf der einen, eine überwache, sich selbstquälerisch sezierende Bewusstheit auf der anderen Seite. Die Figur „Lulu“ trägt deutliche Züge der jungen Julie Hellmann aus Kirchheim, in die Hesse während seiner Tübinger Jahre verliebt war.

Bedeutung im Werk

Der „Lauscher“ wird mit Recht ein Bekenntnisbuch genannt. Erstmals finden sich hier viele Formen, Themen und Töne, die sich im späteren Werk entfalten und zu vollem Klang kommen werden. Hesse selbst nannte das Buch 1941 in einer Reihe mit Eine Stunde hinter Mitternacht und Peter Camenzind als wichtig „für den Leser, dem es um das Verständnis meines Weges zu tun ist“. Wegen der editorischen Maskerade wurde das Buch von Zeitgenossen mit Goethes anonym erschienenem „Werther“ verglichen.

Hesses Rückblick 1933

Bei jeder Durchsicht des Lauscher sind mir im Lauf der Jahre Stellen aufgefallen, die ich gern gestrichen oder geändert hätte, z. B. jene jugendlich-hochfahrenden törichten Worte über Tolstoj im Anfang des Tagebuches. Es schien mir jedoch nicht erlaubt, mein eigenes Jugendbildnis nachträglich umzufälschen.

Hermann Hesse: Geleitwort zu „Hermann Lauscher“, 1933 (Gesammelte Werke in zwölf Bänden, Band 1, edition suhrkamp 1970)

Häufige Fragen zu „Hermann Lauscher“

Wann und wo erschien „Hermann Lauscher“?

Das Buch erschien im November 1900 bei R. Reich in Basel, mit der Jahreszahl 1901 auf dem Titelblatt. Es ist Hermann Hesses drittes Buch nach den Romantischen Liedern (1898/99) und Eine Stunde hinter Mitternacht (1899).

Warum erschien das Buch zunächst unter Pseudonym?

Hesse inszenierte sich als bloßer Herausgeber des Nachlasses eines fiktiven Autors „Hermann Lauscher“. Seine Verfasserschaft wurde erst 1902 von Richard von Schaukal öffentlich gemacht. Die Maskerade erinnert formal an Goethes anonym erschienenen „Werther“.

Was enthält das Buch?

Neun Gedichte und drei Prosastücke (ab der zweiten Auflage 1907 fünf), darunter „Meine Kindheit“, „Die Novembernacht“ und das umfangreiche „Tagebuch 1900″. Das „Tagebuch“ gilt als das wichtigste Stück des Bandes und als Schlüsseltext zum Verständnis des frühen Hesse.

Quellen

  • Hermann Hesse: Hinterlassene Schriften und Gedichte von Hermann Lauscher. Herausgegeben von Hermann Hesse. Erstausgabe R. Reich, Basel 1900/01.
  • Wikipedia: Hermann Lauscher – Entstehung, Pseudonym-Auflösung 1902, zweite Auflage 1907, autobiografische Bezüge, Rezeption.
  • Hermann Hesse: Geleitwort zu Hermann Lauscher, in: Gesammelte Werke in zwölf Bänden, Band 1. Werkausgabe der edition suhrkamp, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1970.
  • Volker Michels (Hrsg.): Hermann Hesse. Sein Leben in Bildern und Texten. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979 – Titelblatt der Erstausgabe und biografischer Kontext.

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