Peter Camenzind

Auf einen Blick

Erscheinungsjahr
1904
Verlag
S. Fischer Verlag, Berlin
Gattung
Roman
Erstauflage
Vorabdruck Oktober bis Dezember 1903 in der Neuen Rundschau, Buchausgabe Januar 1904
Besonderheit
Durchbruch — 50.000 Exemplare bis 1909, Wiener Bauernfeldpreis im selben Jahr

Cover von Hermann Hesses Roman Peter Camenzind, Erstausgabe 1904

„Peter Camenzind“ ist Hermann Hesses Durchbruchsroman — geschrieben von 1900 bis 1903, vorabgedruckt von Oktober bis Dezember 1903 in der Neuen Rundschau und im Januar 1904 als Buch beim S. Fischer Verlag erschienen, dem Freund Ludwig Finckh gewidmet. Der Bildungsroman erzählt das Leben des Bauernjungen Peter Camenzind aus dem fiktiven Schweizer Bergdorf Nimikon: seinen Weg in die Bildungswelt der Großstadt und seine Rückkehr in die Heimat. Mit dem Buch wurde der 26-jährige Hesse über Nacht bekannt — noch im selben Jahr erhielt er den Wiener Bauernfeldpreis.

Inhalt: Peter Camenzinds Lebensweg

Peter Camenzind wächst als Bauernsohn in Nimikon auf, einem abgelegenen Schweizer Bergdorf. Schon früh sind die Berge, die Wolken und das Wasser seine eigentliche Welt; das Verhältnis zum Vater, der den Sohn häufig züchtigt, bleibt distanziert. Eine wohlhabende Tante ermöglicht ihm das Gymnasium, danach studiert er Philologie in Zürich.

Dort findet er in dem Pianisten Richard einen engen Freund — bis dieser kurz darauf in einem Fluss ertrinkt. Peter zieht weiter nach Basel, beginnt zu schreiben und arbeitet als Feuilletonist. Auf Italienreisen nach Oberitalien und in die Toskana lernt er die Malerin Erminia Aglietti kennen; seine Liebe zu ihr bleibt unerwidert. Auch eine zweite Liebe — zu der Malerin Elisabeth — bleibt ohne Erwiderung; sie heiratet einen anderen.

Als Korrespondent kommt Peter nach Paris, fühlt sich aber in der Großstadt fremd. In Basel begegnet er Boppi, einem körperlich behinderten Mann, dem er als „Herzensfreund“ Pflege und Nähe schenkt. Nach Boppis Tod und nach dem Tod des Vaters kehrt Peter in das Bergdorf seiner Kindheit zurück — als Heimkehrer und Bewahrer einer einfachen Welt.

Hauptfiguren

  • Peter Camenzind — Ich-Erzähler und Protagonist; Bauernsohn aus Nimikon, dann Student, Schriftsteller, Paris-Korrespondent, schließlich Heimkehrer.
  • Richard — Pianist und Peters engster Freund während des Zürcher Studiums; ertrinkt in einem Fluss.
  • Erminia Aglietti — Malerin, in die sich Peter unglücklich verliebt.
  • Elisabeth — eine zweite Malerin, deren Liebe Peter nicht gewinnen kann; sie heiratet einen anderen.
  • Boppi — körperlich behinderter Mann, den Peter pflegt; einer der bedeutendsten Menschen seines Lebens.
  • Der Vater — bäuerlich, hart, dem Sohn fremd; das Verhältnis bleibt zeitlebens belastet.

Schauplätze

Die Stationen des Romans bilden die Achse zwischen Bergheimat und Großstadtwelt:

  • Nimikon — fiktives Schweizer Bergdorf, in dem Peter aufwächst und an dessen Ende des Romans zurückkehrt.
  • Zürich — Studienort, Begegnung mit Richard.
  • Basel — Wirkungsort als Schriftsteller, Begegnung mit Boppi.
  • Oberitalien, Toskana, Perugia und Assisi — die Italienreisen, auf denen Peter unter anderem dem Bild des heiligen Franziskus von Assisi begegnet.
  • Paris — Großstadterfahrung als Korrespondent, Fremdheit, Sehnsucht nach der Heimat.

Themen und Bedeutung

Im Zentrum stehen die überschwängliche Liebe Peters zur Natur, die Berge als Lebensraum, die Sehnsucht nach Bildung und die schmerzhafte Erkenntnis, dass die Großstadt keine Heimat sein kann. Eine zentrale Vorbild-Figur des Romans ist Franziskus von Assisi: seine Brüderlichkeit mit den einfachen Dingen und Geschöpfen wird zur Lebensorientierung Peters, besonders in der Hinwendung zu Boppi.

Hesse selbst hat Jahre später, in einem offenen Brief an französische Studenten, das Wesen seines Protagonisten so beschrieben:

Peter Camenzinds Unzufriedenheit und Sehnsucht richtet sich nicht auf die politischen Verhältnisse, sondern teils auf die eigene Person, von welcher er mehr verlangt, als sie vermutlich wird leisten können, teils auf die Gesellschaft, an der er auf jugendliche Weise Kritik übt. Die Welt und Menschheit, die er allerdings kennenzulernen noch wenig Gelegenheit hatte, ist ihm zu satt, zu selbstzufrieden, zu glatt und normiert, er möchte freier, heftiger, schöner, edler leben als sie, er fühlt sich zu ihr von Anfang an im Gegensatz, ohne eigentlich zu merken, wie sehr sie ihn doch lockt und anzieht.

Hermann Hesse: Gruß an französische Studenten (Offener Brief, Neue Zürcher Zeitung, 4. August 1951)

Autobiografischer Hintergrund

„Peter Camenzind“ trägt deutlich autobiografische Züge. Peters Spannung zum Vater, das frühe Verlassen der ländlichen Heimat, die Hinwendung zur Literatur, die körperliche Arbeit in einfachen Verhältnissen und die Italienreisen haben Entsprechungen in Hesses eigenem Werdegang. Hesse unternahm 1901 und 1903 Italienreisen — die zweite Reise fiel mitten in die Niederschrift des Romans. Während der Endphase der Arbeit fand auch die Liebesbeziehung zu Maria Bernoulli ihren Anfang, die er im August 1904 heiratete, kurz nach Erscheinen des Buches.

Entstehung und Erfolg

Hesse begann die ersten Studien zu „Peter Camenzind“ im August 1900; die eigentliche Niederschrift fällt in den Zeitraum von Anfang 1902 bis Mai 1903. Nach Zuspruch des Verlegers Samuel Fischer, der „Hermann Lauscher“ (1901) gelesen und nach neuen Arbeiten gefragt hatte, vollendete Hesse den Text. Ein Vorabdruck erschien von Oktober bis Dezember 1903 in der Neuen Rundschau; die Buchausgabe — Ludwig Finckh gewidmet — folgte im Januar 1904 beim S. Fischer Verlag.

Der Erfolg war unmittelbar. Hesse erhielt noch im selben Jahr den Wiener Bauernfeldpreis. Bis 1909 waren bereits 50.000 Exemplare verkauft. Mit „Peter Camenzind“ trat der bis dahin kaum bekannte Hesse in den Kreis der etablierten deutschsprachigen Autoren ein.

Häufige Fragen zu „Peter Camenzind“

Worum geht es in „Peter Camenzind“?

Der Roman erzählt den Lebensweg des Bauernsohnes Peter Camenzind aus dem fiktiven Schweizer Bergdorf Nimikon: vom Hirtenjungen über das Gymnasium, das Philologiestudium in Zürich, die Tätigkeit als Schriftsteller in Basel und Paris bis zur Rückkehr in die Bergheimat. Ein Bildungsroman über Naturliebe, Außenseiterdasein und die Sehnsucht nach einer einfachen, dem heiligen Franziskus verpflichteten Lebensform.

Wer ist Peter Camenzind?

Peter Camenzind ist der Ich-Erzähler und Protagonist des Romans — ein Bauernsohn aus dem Schweizer Bergdorf Nimikon, der durch Gymnasium und Philologiestudium in die literarische Welt findet, als Korrespondent nach Paris geht und am Ende in seine Heimat zurückkehrt. Seine zentrale Eigenschaft ist eine überschwängliche Liebe zur Natur.

Welche Rolle spielt Franz von Assisi im Roman?

Auf seinen Italienreisen begegnet Peter dem Bild des heiligen Franziskus von Assisi. Dessen Brüderlichkeit mit Menschen, Tieren und einfachen Dingen wird zu Peters Lebensvorbild — besonders in der Zuwendung zu Boppi, dem körperlich behinderten Freund, den Peter pflegt.

Ist „Peter Camenzind“ autobiografisch?

Ja, in Grundzügen. Peters Verhältnis zum Vater, die frühe Ablösung von der ländlichen Heimat, der Bildungsweg, die einfache körperliche Arbeit und die Italienreisen haben Entsprechungen in Hesses eigenem Leben — er reiste 1901 und 1903 nach Italien, die zweite Reise fiel in die Niederschrift des Romans.

Wann erschien „Peter Camenzind“?

Ein Vorabdruck erschien von Oktober bis Dezember 1903 in der Neuen Rundschau. Die erste Buchausgabe folgte im Januar 1904 beim S. Fischer Verlag in Berlin. Mit dem Roman wurde der bis dahin unbekannte Hesse über Nacht berühmt — bis 1909 waren bereits 50.000 Exemplare verkauft.

Quellen

  • Hermann Hesse: Peter Camenzind. Erstausgabe S. Fischer Verlag, Berlin Januar 1904.
  • Wikipedia: Peter Camenzind — Entstehungszeitraum, Veröffentlichung, Figurenkonstellation, Schauplätze, biografische Parallelen.
  • Volker Michels (Hrsg.): Schriften zur Literatur Band 1. „Gruß an französische Studenten“ (Offener Brief, Neue Zürcher Zeitung, 4. August 1951). Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1972, S. 25 ff. — Hesse-Selbstzeugnis.
  • Bernhard Zeller (Bearb.): Hermann Hesse. Eine Chronik in Bildern. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, erweiterte Auflage 1977, S. 43 — Titelblatt-Abbildung.

Kennst du das Gedicht?

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