Die Welt unser Traum

von


Nachts im Traum die Städt‘ und Leute, Ungeheuer, Luftgebäude, Alle, weißt du, alle steigen Aus der Seele dunklem Raum, Sind dein Bild und Werk, dein eigen, Sind dein Traum. Geh am Tag durch Stadt und Gassen, Schau in Wolken, in Gesichter, Und du wirst verwundert fassen: Sie sind dein, du bist ihr Dichter! Alles, was vor deinen Sinnen Hundertfältig lebt und gaukelt, Ist ja dein, ist in dir innen, Traum, den deine Seele schaukelt. Durch dich selber ewig schreitend, Bald beschränkend dich, bald weitend, Bist du Redender und Hörer, Bist du Schöpfer und Zerstörer. Zauberkräfte, längst vergeßne, Spinnen heiligen Betrug, Und die Welt, die unermeßne, Lebt von deinem Atemzug.

Wann schrieb Hermann Hesse das Gedicht "Die Welt unser Traum"?

Matthias Habich liest "Die Welt unser Traum"

Quelle: Hermann Hesse, Sämtliche Gedichte in einem Band*
Herausgeber: Volker Michels, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995