Elisabeth

von


Dir liegt auf Stirne, Mund und Hand Der feine, zärtlich helle Lenz, Der holde Zauber, den ich fand Auf alten Bildern zu Florenz. Du lebtest schon einmal vorzeit, Du wunderschöne Maigestalt, Als Flora im beblümten Kleid Hat Botticelli dich gemalt. Auch bist du jene, deren Gruß Den jungen Dante übermannt, Und unbewußt ist deinem Fuß Der Weg durchs Paradies bekannt. Wie eine weiße Wolke Am hohen Himmel steht, So weiß und schön und ferne Bist du, Elisabeth. Die Wolke geht und wandert, Kaum hast du ihrer acht, Und doch durch deine Träume Geht sie in dunkler Nacht. Geht und erglänzt so silbern, Daß fortan ohne Rast Du nach der weißen Wolke Ein süßes Heimweh hast.

Wann schrieb Hermann Hesse das Gedicht "Elisabeth"?

Quelle: Hermann Hesse, Sämtliche Gedichte in einem Band*
Herausgeber: Volker Michels, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995