Im Winter
Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.
Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.
Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.
Wann schrieb Georg Trakl das Gedicht "Im Winter"?
Wissenswertes
- Georg Trakl veröffentlichte „Im Winter“ 1913 in seinem ersten Gedichtband „Gedichte“ (Leipzig: Kurt Wolff Verlag).
- Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu je vier Versen im umarmenden Reim (abba).
- Es zeigt eine Winterlandschaft in knappen Bildern ohne erzählende Verbindung: leuchtender Acker, kreisende Dohlen, ein fernes Schlittengeläut, ein sterbendes Wild.
- Der letzte Vers kommt ganz ohne Verb aus: „Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.“
- Ein weiteres Wintergedicht Trakls ist „Ein Winterabend“.