Weihnachtslied
Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.
Wann schrieb Theodor Storm das Gedicht "Weihnachtslied"?
Wissenswertes
- Theodor Storm schrieb das „Weihnachtslied“ 1845.
- Das Gedicht hat drei Strophen zu je fünf Versen mit dem Reimschema abaab.
- In der Ausgabe von Storms Gedichten aus dem Jahr 1889 steht es auf Seite 7, also gleich am Anfang.
- Anders als in Storms „Knecht Ruprecht“ (1862) gibt es hier keine Handlung: Der Sprecher bleibt „anbetend, staunend“ stehen und lauscht den fernen Kirchenglocken.