Knecht Ruprecht

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Von drauß’ vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen Sah ich goldene Lichtlein sitzen; Und droben aus dem Himmelstor Sah mit großen Augen das Christkind hervor, Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann, Da rief’s mich mit heller Stimme an: „Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell, Hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, Das Himmelstor ist aufgetan, Alt’ und Junge sollen nun Von der Jagd des Lebens einmal ruhn; Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden, Denn es soll wieder Weihnachten werden!“ Ich sprach: „O lieber Herre Christ, Meine Reise fast zu Ende ist; Ich soll nur noch in diese Stadt, Wo’s eitel gute Kinder hat.“ – „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“ Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier: Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern Fressen fromme Kinder gern.“ – „Hast denn die Rute auch bei dir?“ Ich sprach: „Die Rute, die ist hier: Doch für die Kinder nur, die schlechten, Die trifft sie auf den Teil den rechten.“ Christkindlein sprach: „So ist es recht; So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“ Von drauß’ vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’! Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

Wann schrieb Theodor Storm das Gedicht "Knecht Ruprecht"?

Wissenswertes

  • Theodor Storm schrieb „Knecht Ruprecht“ 1862.
  • Das Gedicht ist durchgehend in Paarreimen geschrieben.
  • Die beiden Anfangsverse „Von drauß’ vom Walde komm ich her; / Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!“ kehren am Schluss wieder und rahmen das Gedicht ein.
  • Der größte Teil des Gedichts ist ein Dialog zwischen Knecht Ruprecht und dem Christkind, den Knecht Ruprecht selbst wiedergibt.
  • Storm ist vor allem als Novellist bekannt („Der Schimmelreiter“), sah sich selbst aber in erster Linie als Lyriker.

Quelle: Theodor Storm, Gedichte
Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1889