Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Wann schrieb Rainer Maria Rilke das Gedicht "Herbst"?
Wissenswertes
- Rilke schrieb „Herbst“ am 11. September 1902, kurz nachdem er nach Paris gezogen war.
- Das Gedicht steht in Rilkes Gedichtsammlung „Das Buch der Bilder“, und zwar erst in der erweiterten zweiten Ausgabe von 1906.
- Im selben Herbst entstand in Paris auch Rilkes bekanntestes Herbstgedicht, „Herbsttag“ („Herr, es ist Zeit“).
- Das Wort „fallen“ kommt in den neun Versen des Gedichts in verschiedenen Formen sieben Mal vor.